Nur das Jugendstilgitter ist von Villa Willms noch übrig

Von: Toni Dörflinger
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Einziges Uberbleibsel der Villa: Das Jugendstilgitter vor den Häusern der Von-Werner-Straße. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Das Gebäude war herrschaftlich und sah mehr einem kleinen Schloss als einem Wohnhaus ähnlich. Zinnen, Erker und Türme ließ der Kaufmann Johann Hubert Cremer errichten, als er im Oktober 1900 den Bauunternehmer Peter Bohren beauftragte, an der von-Werner-Straße ein repräsentatives Gebäude zu erstellen.

Dass nach seinem späteren Besitzer Villa Willms genannte Objekt lag freistehend in einem riesigen, bis zu Eichsfeldstraße reichenden Gelände.

Um das rund 3500 Quadratmeter große Terrain abzusichern, war das in einem Hang liegende Gebäude von Gittern und Mauerzügen umgeben. Mitte der 30er Jahre ging das prächtige Jugendstilhaus in den Besitz des Rechtsanwaltes Hans Willms über.

Willms, der die alte Villa auch als Praxis nutzte, ließ 1936 das Gebäude renovieren und eine Warmwasserheizung einbauen. Als Willms 1979 starb, war es um das herrschaftliche Haus geschehen. Denn der Landschaftsverband Rheinland hatte als Rechtsnachfolger für Haus und Garten ganz andere Pläne. Um das Gelände für den Bau der vierspurig geplanten Europastraße nutzen zu können sollte das Gebäude abgerissen werden.

Waren es Vandalen oder kunstverständige Einbrecher? Noch bevor im Juli 1980 die Bagger anrollten um das prächtige Haus dem Erdboden gleich zu machen, waren Teile der wertvollen Inneneinrichtung gestohlen worden.

Vergeblich hatte eine von Margot Bachus geleitete Bürgerinitiative versucht, den Abbruch der alten Villa zu verhindern. Da die Europastraße aber in den 80er Jahren eine Veränderung erfuhr - anstelle von vier waren nun nur noch zwei Fahrspuren geplant - wurde das einst von der Villa Willms eingenommene Gelände später als Parkplatz genutzt.

Ökologisches Bauen hieß das Stichwort, als Anfang der 90er Jahre die Planungen für ein umfangreiches Bauprojekt begannen. Wo früher die Villa Willms lag, sollten nun vier Großbauten entstehen. Den Anfang machte im August 1993 der zwölf Wohneinheiten umfassende Bau an der Von-Werner-Straße 30.

Zwei Jahre später folgte das für 23 Wohneinheiten geplante Nachbargebäude. Sogar zwei weiteren Bauten gab das einstige Willms-Gelände Platz. Diese entstanden aber nicht an der von-Werner- sondern an der Eichsfeldstraße.

1994 wurde das Haus Eichsfeldstraße 11 und drei Jahre später der Nachbarbau errichtet. Auch wenn die Bauherren unterschiedlich waren, so lag doch die Planung in den Händen des aus Gangelt stammenden Architektenbüros Heinrich Curbach.

Schwierigkeiten gab es nur beim Bau des Hauses Eichsfeldstraße 11. Dem Gebäude stand eine mächtige Linde im Weg. Um den alten Baum zu erhalten wurde der Bau nicht parallel zur Straße, sondern um einige Meter zurückversetzt ausgeführt. Doch die alte Linde ist inzwischen verschwunden. Übriggeblieben ist nur der Stumpf, der als Standort einer Satellitenschüssel zweckentfremdet wurde.

Auch wenn die Villa Willms nicht überlebt hat, so gelang doch die Rettung eines kleinen Details. Das alte kunstvolle Jugendstilgitter schmückt nun die Frontseite der an der von-Werner-Straße liegenden Neubauten.
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