Stolberg - NRW-Wirtschaftsminister besucht Bleihütte Binsfeldhammer

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NRW-Wirtschaftsminister besucht Bleihütte Binsfeldhammer

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Meurer, Duin und Kämmerling in der Stolberger Berzelius Bleihütte.
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Garrelt Duin bekommt die Jahreskrawatte der Stolberger Berzelius Bleihütte.

Stolberg. „Das ist ja sogar eine, die man tragen können wird“, freut sich Garrelt Duin, als Dr. Urban Meurer ihm zum Abschluss seines gestrigen Besuches die Jahreskrawatte der Stolberger Berzelius Bleihütte überreichte – ohne Werbung auf der Vorderseite, aber mit dezentem Hinweis auf die BBH auf der Rückseite.

„Damit Sie an uns denken“, sagt der Geschäftsführer. Das werde er, versichert der Wirtschaftsminister und gratuliert „zu dieser Erfolgsstory“.

„Für mich war das schon immer schöner, als wenn man nur Platinen bestückt“, zeigt sich Duin beeindruckt, wie in diesem historischen Stolberger Industriebetrieb „Tradition auf Innovation“ trifft. In zwei komprimierten Stunden präsentiert Dr. Meurer seinem Gast aus Düsseldorf Entwicklung und Perspektiven des Unternehmens, verschwieg aber auch Probleme am Standort nicht.

„Wir brauchen auch eine Strukturhilfe für unsere Region jenseits der Kohl- und Stahl-Standorte, mahnt André Brümmer, Landesvorsitzender der AG Selbstständige in der SPD aus Büsbach, der den Ministerbesuch vermittelte, bei seinem Parteigenossen an. „Wir sind stolz auf unseren Industriestandort, aber wir brauch auch Ihre Hilfe“, pflichtet Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier bei – mit Blick auf den Arbeitsplatzabbau in anderen Betrieben und die hohe Arbeitslosenquote in der Kupferstadt.

Eines der Themen will Duin bereits am Abend gemeinsam mit seinen Kollegen Michael Groschek (Verkehr) und Walter Borjans (Finanzen) ansprechen: Wie und nach welchen Prioritäten kann die Verkehrsinfrastruktur bei beschränkten Finanzen verbessert werden? Das ist auch ein Thema, das die Bleihütte betrifft. Rund die Hälfte der Rohstoffe – gut 155.000 Tonnen in diesem Jahr – bezieht das Unternehmen via Bahn aus Antwerpen; aber die andere Hälfte und die Produkte verlassen das Werk im Tal des Vichtbaches per Lkw. „In Richtung A4 oder A44, je nachdem wo es keine Baustelle auf der Strecke gibt“, so Meurer. Transportkosten und eine zügige Anbindung zu Fernstraßen sind Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

Kontinuierliche Investitionen

Noch wichtiger sind die Energiekosten. „Die Entwicklung der Energiepreise ist sicherlich nicht zur Freude aller gelöst“, gesteht Duin ein, „aber wir haben Lösungen geschaffen, die der Industrie helfen“. Knopfnicken bei Urban Meurer und anerkennende Ministerworte für die Bemühungen von Berzelius, den Aufwand für Energie zu senken. Die Hälfte des Eigenbedarfs kann die Bleihütte aus dem Produktionsprozess decken.

An der Minimierung der anderen Hälfte wird kontinuierlich gearbeitet: durch Investitionen in die Prozessoptimierung und mittels Energiemanagement durch ein Fachbüro. Eine Million Euro investierte Berzelius in die Umstellung von Öl auf Gas, was sich innerhalb eines Jahres bezahlt machte. „Wir versuchen Kosten zu reduzieren, wo wir es können“, sagt Meurer. So auch durch eine Effizienzsteigerung mit neuen Drehflammöfen, in die aktuell 5,3 Millionen Euro fließen. Nicht zu vergessen sind die 25 Millionen Euro, die in den Neubau der Silberhütte gesteckt werden, wo in diesen Tagen der neue Konverter in Betrieb genommen wird. Mit den Innovationen in der von Knut Esser geleiteten Feinhütte soll die Silberproduktion bis 2017 auf über 700 Tonnen verdoppelt und mittelfristig auf 900 Tonnen hochgeschraubt werden. Dazu sollen in noch größerem Maße komplexe Rohstoffe eingesetzt werden, was wiederum dank der gemeinsam mit Bayer entwickelten Schwefelsäure-Anlage Bayquik möglich ist.

„Wir können das hier in Stolberg“, betont Meurer, dass sich das Unternehmen angesichts weltweiter Wettbewerber auf seine Stärken konzentrieren müsse, um wettbewerbsfähig und zukunftsträchtig zu bleiben. Über 60 Millionen Euro wurden in den vergangenen 14 Jahren am Standort in Effizienzsteigerung und Umweltschutz investiert.

Zahlen, die den Minister ebenso beeindruckten wie die enge Zusammenarbeit mit der Biologischen Station und die Kommunikationsbereitschaft des Unternehmens. „Das sorgt für Akzeptanz unter der Bevölkerung“, betont Garrelt Duin. Erst recht, wenn wie im Stolberger Werk „traditionelle Industrie und Hightech mit großem Erfolg vereint werden.“

Doch wie sieht es mit Forschung und Entwicklung am Binsfeldhammer aus?, wollen Duin und in seiner weiteren Delegation der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling, Dieter Wolf, Arndt Kohn und Patrick Haas aus der Spitze von Partei und Fraktion der Stolberger SPD wissen. „Wir haben eine kleine Ingenieurtruppe, aber ein großes Netzwerk aufgebaut“, erklärt der Geschäftsführer. Problem- und projektorientiert werde die Zusammenarbeit mit euregionalen Ingenieurbüros sowie den Hochschulen genutzt, „und das geht meistens schneller und besser als mit einer eigenen Entwicklungsabteilung“, plaudert Meurer aus den Nähkästchen.

Kooperation mit Hochschulen

„Employer Branding“ ist ein weiteres Schlagwort, das der Wirtschaftsminister anspricht. Aber auch bei der Bildung eines Markenbegriffs als Arbeitgeber ist die Bleihütte auf dem Stand der Zeit. Personalchef Karl-Josef Jussen verweist beispielhaft auf die Beteiligung an der Nacht der Unternehmen und Ausbildungsplatzbörsen sowie die engen Kontakte zu Fachhochschule und RWTH, die auch zu Praktika, Diplomarbeiten und Promotion genutzt werden. „Wir können uns die Menschen aussuchen, die zu uns passen“, sagt Jussen.

Und auch bei Feinmechanikern und Elektrotechnikern kann Berzelius angesichts des Arbeitsplatzabbaus bei anderen Unternehmen unter gut ausgebildeten Fachkräften seine Spezialisten aussuchen. „Aber wir wollen nun auch verstärkt auf die Schulen zu- und Kooperationen eingehen“, kündigt der Personalleiter an, dabei auch verstärkt auf duale Ausbildungsgänge zu setzen. So nimmt nach zwei Stunden intensiven Austausches der Wirtschaftsminister zufrieden Abschied von einem „florierenden Unternehmen und attraktivem Arbeitgeber“, nicht ohne dessen Sorgen vergessen zu wollen – und natürlich mit der attraktiven und tragbaren Jahreskrawatte im Gepäck...

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