Stolberg-Donnerberg - Nicht jedes Pausenbrot schafft Versetzung

Nicht jedes Pausenbrot schafft Versetzung

Von: Lukas Franzen und Doris Kinkel-Schlachter
Letzte Aktualisierung:
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Joghurt, Schokoriegel, Fruchtpüree und Weintrauben fallen im Test durch.
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Ein Schwarzbrot mit Käse schneidet deutlich besser ab.
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Ein Toast mit Schinkenwurst liegt im mittleren Bereich.

Stolberg-Donnerberg. „Ich mag am liebsten Brötchen“, „Tomaten“, „Käse“. Bei der Frage nach dem Lieblingsfrühstück schnellen nahezu alle kleinen Hände der Erst- und Zweitklässler der Grundschule Donnerberg in die Höhe. Na klar, auch ein bekannter Hersteller von Schokoaufstrich liegt in ihrer Gunst weit vorne.

Ein anderer Grundschüler sagt: „Ich bin ein Alles-Esser.“ Doch ist auch wirklich alles gesund, was Eltern ihrem Nachwuchs in die Pausenbrotdosen packen? Gemeinsam mit einer Ernährungsberaterin haben wir den Schulbrot-Test gewagt.

Morgens, 9 Uhr, Grundschule Donnerberg: Frühzeitig eingeweiht sind lediglich Schulleiterin Hille Breuer und Klassenlehrerin Elke Blum. Erst kurz nach Unterrichtsbeginn hat Blum die Schüler der Klassen 1 und 2, die gemeinsam unterrichtet werden, über den Test informiert. „Nun holt bitte alle eure Brotdosen hinaus“, sagt die Lehrerin. Das lassen sich die jüngsten Schüler der OGGS Donnerberg natürlich nicht zweimal sagen. Zubeißen dürfen sie an diesem Vormittag aber erst, nachdem ihr Frühstück notiert und abfotografiert wurde.

Schicke Pausenbrotdosen haben sie fast alle – von den Lieblingsactionhelden über die Lieblingsfußballmannschaften bis hin zu orangen „i-Dötzchen“-Dosen. Doch kann auch der Inhalt den Ansprüchen genügen, die Experten an einen guten Pausensnack richten? Ernährungsberaterin Barbara Redelstein hat sich die 20 Brotdosen genauer angesehen und Noten verteilt: „gesund“ (grün), „ausreichend“ (gelb), „ungesund“ (rot). Und das Zeugnis, das sie den Erst- und Zweitklässlern – besser gesagt: ihren Eltern – ausstellt, fällt differenziert aus.

Ernsthaft versetzungsgefährdet ist das Pausenessen dreier Schüler, für das Barbara Redelschein rote Gesichter verteilt. „Das bisschen Birne verbessert die Bilanz kaum“, sagt sie über eines der Pausenbrote: ein Toast mit dem allseits beliebten Schokoaufstrich, daneben liegt besagte Birnenspalte. Noch kritischer fällt das Urteil der Ernährungsberaterin über zwei andere Pausenbrot-Varianten aus. Die eine Box besteht zum Großteil aus speziell auf Kinder getrimmte Fertigprodukte: Joghurt, Fruchtpüree im Quetschbeutel, Schokoriegel und – immerhin – echte Trauben. Die seien natürlich positiv, so Redelstein. Aber der Rest? „Viel zu viel und zu süß.“ Das dritte traurige Gesicht gibt es für ein Croissant. „25 Gramm Fett sind das, und es hält nicht lange satt“, weiß die staatlich geprüfte Diätassistentin.

Zum Glück sind die Streber in Sachen Pausenmalzeiten in den Klassen von Elke Blum eindeutig in der Überzahl. Lachende Gesichter verteilt Redelstein immer dann, wenn die Mischung ausgewogen ist, was bei Grau-, Körner- und Schwarzbrot mit Wurst oder Käse sowie Gemüse oder Obst der Fall ist. Ihr Credo: Vor allem abwechslungsreich soll das Pausenbrot sein. Auch die Kinder, die in ihren Dosen jeweils nur Paprika oder Gurke haben, erhalten ein grünes Smiley, doch die Expertin fügt hinzu: „Ich gehe davon aus, dass die Kinder zu Hause schon ein entsprechendes Frühstück mit Brot oder Müsli zu sich genommen haben. Ansonsten würde beim zweiten Frühstück der nötige Energieschub fehlen.“

Gerade noch einmal durchgehen lässt Redelstein den Inhalt von sieben Pausenbrotdosen, für den sie gelbe Smileys verteilt. Nach Schulnoten würde dies wohl „befriedigend“ oder „ausreichend“ bedeuten. Beurteilen kann die Ernährungsberaterin natürlich nur das Frühstück dieses einen Tages. Sie hofft, dass die „versetzungsgefährdeten“ und mittelmäßigen Essen vielleicht nur ein Ausrutscher waren – so wie es jedem Schüler auch bei einer misslungenen Klassenarbeit gehen kann.

Die Note „sehr gut“ erhält die Grundschule Donnerberg von der Expertin für ihre Initiative, dreimal pro Woche frisches Obst oder Gemüse für alle Schüler anzubieten – ein Faktor, der die Bilanz des Schulbrot-Tests positiv beeinflusst.

„Das Obst kommt von einem Biohof aus einem Nachbarort“, sagt Klassenlehrerin Elke Blum. Ein Obstdienst der Schüler ist dafür zuständig, das frische Obst in die Klasse zu holen. An diesem Morgen ist es ein großer Korb voller Birnenscheiben und nahezu alle Kinder greifen kräftig zu. Gerade Kinder aus ökonomisch schwächeren Familien, bei denen es zu Hause wenig Obst gäbe, nähmen das Angebot gut an, meint die Lehrerin.

„Durch das gemeinsame Essen probieren die Kinder auch Obst und Gemüse, bei dem sie zu Hause ‚nein‘ sagen würden.“ Blum nennt Beispiele wie Rettich, Kohlrabi oder eine Frucht wie Kaki. Und sie ist überzeugt: Wer sich mit gesunder Ernährung auseinandersetze, verändere erfahrungsgemäß dann auch sein Essverhalten zum Positiven.

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