Neujahresempfang: Ein wenig Glanz in einer schwierigen Zeit

Von: Sarah Sillius
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Großer Andrang: Rund 450 Besu
Großer Andrang: Rund 450 Besucher lauschen den festlichen Klängen der Stolberger Sing- und Spielgemeinschaft unter der Leitung von Rémy Wolfs. Foto: S. Sillius

Stolberg. Für einen Moment rücken alle Sorgen der Stadt Stolberg in den Hintergrund. Es ist der Moment, in dem Robin Angermann die Schlägel in die Hand nimmt und das Marimbaphon-Solo „Rain Dance” spielt. Nur die beruhigenden Klänge des hölzernen Instruments erfüllen den Saal des Zinkhütter Hofs.

Es ist ein beinahe magischer Moment. Der Moment nämlich, in dem sich die Stadt endlich noch einmal selbst feiern, in dem sie zur Ruhe kommen und sich über den Zusammenhalt der Bürger freuen darf.

Denn nach einem Jahr Pause ist es aufgrund großen ehrenamtlichen Engagements gelungen, wieder einen Neujahrsempfang auf die Beine zu stellen. Und der kann sich sehen (und hören) lassen. Das freut besonders den Gastgeber, Bürgermeister Ferdi Gatzweiler.

„Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern was Du für Dein Land tun kannst”, zitiert er zu Beginn seiner Begrüßungsrede den ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy. Es ist eine auf Stolberg gemünzte Botschaft, die eine Reihe engagierter Stolberger längst erhört hat. Ihnen ist es gelungen, den Neujahrsempfang zu retten. Ohne finanziellen Aufwand, allein durch freiwillige Initiative und die Hilfe eines Sponsoren kann die Stadt mit einem hervorragenden musikalischen Programm glänzen.

Zu verdanken ist dies unter anderem der gebürtigen Stolbergerin und Schauspielerin Stefanie Otten, die munter durch das Programm führt, und Norbert Walter Peters, Leiter des Musikstudios Stolberg, der gemeinsam mit Rémy Wolfs, Leiter der Stolberger Sing- und Spielgemeinschaft (SSG) den (musikalischen) Ton angibt.

Ganz traditionell umrahmen Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude” und die Nationalhymne die Veranstaltung. Dazwischen werden sowohl ruhige als auch schwungvolle Stücke geboten - von „Smoke on the Water”, „Je ne regrette rien” und „The Final Countdown” bis hin zu Celine Dions „My heart will go on”. Es sind Stücke, die Mut machen für eine nicht einfache Zeit, die Stolberg, aber auch der Städteregion Aachen im Jahr 2012 bevorsteht.

Sowohl Ferdi Gatzweiler als auch Städteregionsrat Helmut Etschenberg fordern in ihren Reden Zusammenhalt - auf kommunaler ebenso wie auf städteregionaler Ebene. „Nicht jeder für sich allein ist stark”, mahnt Etschenberg. „Nur Gemeinsamkeit macht stark.” Es gebe viele Probleme, die nur auf städteregionaler Ebene zu lösen seien. Die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche müssten weiter erhöht werden und die Städteregion müsse sich als wirtschaftlich „aktiver Player” positionieren. „Wir dürfen nicht von der Metropolregion Rheinland abgehängt werden”, appelliert Etschenberg.

Darum sei die Gründung der Städteregion trotz aller Zweifel und Streitereien „eine historisch richtige Weichenstellung” gewesen: „Wir leben in einer Zeit von Kooperationen, nicht von Fusionen.” Nur so sei es möglich, die Region zukunftsfähig zu machen - das aber auch mit der Unterstützung der Bürger. So erklärt Etschenberg eine stärkere Beteiligung für besonders elementar: „Der Zugang auf die Menschen ist mit das wichtigste Thema im neuen Jahr.” Auch die Selbstverwaltung der Kommunen solle wieder gefördert werden, verspricht Etschenberg. Es ist ein Versprechen, das Bürgermeister Gatz-weiler sehr entgegenkommt.

Er wünscht sich für das neue Jahr, dass die Stadt Stolberg zum einen durch die große Koalition politisch handlungsfähig, zum anderen, dass sie sich wieder selbst verwalten kann. „Ich habe das Gefühl, wir haben einen Porsche mit 350 PS, aber wir schaffen es nicht, das Benzin für ihn zu beschaffen.”

Gas geben, das gelingt im Zinkhütter Hof. Die Schauspielgruppe „disziplinlos” unter der Leitung von Stefanie Otten trägt dazu maßgeblich bei. Angelehnt an die Tradition des bekannten „Springmaus-Theaters” beugen sich die Akteure voll und ganz dem Willen des Publikums. Das wünscht sich eine Szene im Friseursalon und eine Unterhaltung im Arbeitsamt - kein Problem für die Improvisationskünstler. Ihnen gelingt es sogar gleichzeitig, die nicht auswendig gelernten Sätze streng nach ABC-Reihenfolge beginnen zu lassen, oder sich Wort für Wort abzuwechseln.

Schwung bringt auch ein musikalischer Programmpunkt in die Veranstaltung. Mit dem Lied „Sway” steht die SSG gemeinsam mit Norbert Walter Peters und seinem Ensemble „Way 2o” auf der Bühne. Es ist einer von vielen beispielhaften Auftritten, der für das steht, was Gatzweiler und Etschenberg in ihren politischen Ansprachen fordern: Zusammenhalt. Der fängt im Kleinen auf der Bühne des Zinkhütter Hofs an - und kommt dabei ganz groß raus.
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