Neues Leben mit Außengastronomie und Kiosk

Von: Jürgen Lange
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Konstruktive Planungswerkstatt: Mit Bleistift hat Landschaftsarchitektin Andrea Winterscheid drei unverbindliche Vorschläge unterbreiten. Dann greifen die Bürger zu Pauspapier und Stift und gestalten den Kaiserplatz nach ihren Vorstellungen. Sie werden nun ausgewertet. Foto: J. Lange

Stolberg. Am Ende steht nicht nur die Überlegung in der Verwaltung, das Instrument einer Planungswerkstatt zukünftig häufiger einzusetzen. Etwa bei der Planung von Straßen. Am Ende stehen auch zahlreiche vielfältige Anregungen und Vorschläge wie der Kaiserplatz zu gestalten sei, wie er auszustatten sei und wie er genutzt werden soll.

Teilweise sind sie konträr. Zumeist jedoch homogen und kombinierbar. Große Einigkeit besteht in Grundsätzen. Der Kaiserplatz soll die gute Stube der Stadt sein. Sie soll ein belebter, beliebter und zentraler Ort sein, an dem man sich gerne aufhält und wohlfühlt, an dem man sich trifft. Es soll ein Platz sein, auf dem Wasser weiterhin Akzente setzt, auf dem die Jugend spielen, ältere Semester gemütlich verweilen und flanieren können.

Eine mobile Ausstattung

Der Kaiserplatz soll weiterhin von Grün eingerahmt sein. Aber er soll in einem viel stärkeren Maße als heute ein Ort für Veranstaltungen und Märkte sein. Deshalb wird Wert darauf gelegt, dass Ausstattungen – vorgeschlagen werden Basketballkörbe, Spielgeräte, Infosäulen – demontierbar sowie Brunnen und Fontänen abschaltbar und überbaubar sind. Etwa für eine Bühne, die auch integrierter Bestandteil sein könnte.

Und in weitgehender Übereinstimmung sind sich die zahlreich teilnehmenden Bürger einig in ihrer Vorstellung, dass ein neuer Kiosk und umliegende Gaststätten und Cafés den Kaiserplatz (und den Ludwig-Philipp-Lude-Platz vor dem Rathaus) für Außengastronom intensiv nutzen, um nicht nur tagsüber, sondern auch am Abend für Leben in der City zu sorgen. Der Kaiserplatz soll Treffpunkt für Jung und Alt werden.

Alleine die Stolberger St. Sebastianusschützen bringen an diesem Abend Bedenken gegen den angedachten Kiosk an. „Das ist der Tod für unsere Schützenkirmes“, ist Brudermeister Stefan Doncks besorgt. Mit dem vereinseigenen Ausschank während der viertägigen Veranstaltung finanzieren die Schützen bislang ihren nicht Beitrag zur Stadtkirmes und weitere Aktivitäten. Andere Teilnehmer sehen das gar nicht so dramatisch: „Konkurrenz belebt das Geschäft“. Ein Kiosk wäre eine Bereicherung auch für den Umsatz der Schützen zur Stadtkirmes.

Erinnerungen und Erstaunen

Andere Stolberger machen sich getreu ihrer skeptischen Art mehr Sorgen darüber, ob ein Kiosk das Jahr über ausreichend Umsatz für sich selbst generieren könne. Die nächsten schlagen vor, Synergieeffekte zu schaffen mit dem an der Drummen-Villa geplanten Wohnprojekt für Senioren: Das müsse ein Café erhalten, von dem man aus den Platz bewirtschaften könne. Ob Kiosk, Café oder Außengastronomie vorne oder besser hinten zum ehemaligen Gymnasium hin ist eine andere Frage, auf die es unterschiedliche Antworten gibt. Die Schaffung einer Flaniermeile und die Stärkung vorhandener Gastronomie durch Vielfalt nahe dem Rathaus ist die eine Theorie, die Besucher in die Tiefe des Platzes und damit in etwas ruhigere Bereich zu locken die andere These. Entsprechend korrespondieren die Meinungen, wo Platz zum Spielen und für (in jedem Fall mehr) Veranstaltungen sein soll.

Einigkeit besteht, dass der Kaiserplatz eine grüne Oase bleiben soll, während unterschiedlich wiederum der Umfang bewertet wird. Sechs Bäume sind jedenfalls so krank, dass sie weichen müssen, die Reihen der mittleren Kastanien so jung, dass sie verpflanzt werden können, und eher unbeantwortet bleibt die Frage, ob auf alte Bäume verzichtet werden soll, um die historischen Fassaden wahrnehmbarer zu machen. Ein Teilnehmer greift für ein Platz-Quadrat mit Tuilerien-artigem Baumbestand gleich ein Bild aus der vorangegangene Jahrhundertwende auf.

Und doch ist es die Historie dieses Platzes, an dem die Stolberger auch heute noch – bewusst oder unbewusst – festhalten wollen: die ursprüngliche Achse vom Rathaus über den Platz in Richtung der Brücke über den Vichtbach...

Es bewegt sich etwas in der Kupferstadt und die Stolberger sorgen selbst mit für Bewegung. Weit über 50 Bürger sind in das Rathaus gekommen. Weniger, um zu lamentieren, sondern um mitzumachen. Quer durch alle Altersschichten reicht die Palette ebenso wie auch aus einigen Stadtteilen – Breinig, Büsbach und Donnerberg – Engagierte gekommen sind, um sich für die Aufwertung des Stadtkerns einzusetzen.

„Es ist das erste Mal, dass die Kupferstadt ihre Bürger mit einer Planungswerkstatt im Vorfeld zur Gestaltung der Innenstadt einlädt“, freut sich Bürgermeister Tim Grüttemeier über die große Resonanz, um sogleich den Planern das Podium zu überlassen. Kurz informieren die Chefplaner im Rathaus, Tobias Röhm und Andreas Pickhardt, über das Prozedere. Dann hat Landschaftsarchitektin Andrea Winterscheid das Wort.

Der unvollendete Brunnen

Es folgt ein prägnanter geschichtlicher Abriss von der Kaiser- über die Nachkriegszeit – ein eindrucksvoller Filmbeitrag weckt bei den Älteren Erinnerungen und lässt die Jüngeren erstaunen – bis zum Aussehen in den 1980er Jahren, als das heutige Aussehen geschaffen wurde. „Ein unvollendetes“, wie Eberhard Hirsch, einer der damaligen Planer, betont. Der Löwe musste aufgrund „politischer Entscheidungen“ ebenso abspecken wie ein Pavillon geopfert wurde“, das den Brunnen klassizistisch umranken sollte.

Doch es sind wohl mehr die veränderten Ansprüche an die Nutzung im Laufe der Jahre, die eine neue Orientierung begründen: Winterscheid erinnert an den beliebten großen Stadtgarten hinter dem einst mehrflügeligen Rathaus; dort sind heute der Neubau und die Rathausumfahrt. Der Kaiserplatz sollte weniger ein Veranstaltungsort denn ein kleiner Ersatz für den vermissten Stadtgarten werden – wohl proportioniert, dekorativ und mit besagter historischer Achse.

Heute ist die frei nutzbare Fläche für Veranstaltungen zu gering, die Pflanzbeete sind zugewuchert, zum Gymnasium hin wirkt der Platz dunkel und unfreundlich.

Und schon sind die Bürger gefordert. Probleme, Vorteile und Wünsche werden gesammelt, sortiert und kommuniziert. Dann geht‘s an die Gruppenarbeit. Zu „Gestaltung und Raumkonzept“; „Gastronomie und Veranstaltungen“, „Grün und Bäume“ sowie „Ausstattung“ machen sich die Bürger über eine Stunde intensive Gedanken. Dann wird resümiert.

Entscheidung am 5. März

Nun ist wieder Andrea Winterscheid an der Reihe. Sie wird die Ideen in Entwürfe übertragen, die auf die städtische Internetseite eingestellt werden. Im Ausschuss für Stadtentwicklung am 5. März soll sich die Politik dann entscheiden. Bis Ende des Monats muss die Kostenplanung für den Förderantrag stehen. Ist der Zuschuss bewilligt, können Details geplant und ausgeschrieben werden. Dann können, wenn es alles gut geht, im November die Bagger anrücken.

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