Neuer Roman von Günter Krieger: „Flammen über Aachen”

Von: Martin Thull
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Stolberg/Langerwehe. Am Anfang stehen Karteikarten. Auch für das Mittelalter. Eine für Martha und eine für ihren Bruder Karl. Eine für Veit Schaffkutsch und eine für seinen kleinen Begleiter Fidelis. Für den Bäcker und den Bürgermeister, die Hexe und die Krankenschwester.

Das gesamte Personal des neuen Romans von Günter Krieger ist zunächst auf einzelnen Karten festgehalten - Körpergröße und Augenfarbe, Charakter und Vorgeschichte. Und auf anderen Karten stehen die verschiedenen Handlungsstränge, mit Orts- und Zeitangaben. Wie bei einem Kochrezept die Zutaten, so bringt der Autor die Handlungsstränge, Zeitebenen und Charaktere in Beziehung zueinander und entwickelt die Handlung.

„Erst wenn ich das alles zusammen habe, schreibe ich den ersten Satz”, sagt Krieger über seinen 13. Roman, der gerade erschienen ist. Sein Titel: „Flammen über Aachen”.

„Von Westen trieb ein sanfter Wind turmhohe Wolkengebilde über das Land.” So beginnt Kriegers neuer Roman. Mit einem Prolog, der im Mai 1646 in Naumburg kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges spielt. Der Roman selber beschreibt die zweite Aprilhälfte des Jahres 1656, bis am 2. Mai 1656 der große Stadtbrand die Stadt Aachen bis auf wenige Häuser vernichtet.

Günter Krieger hat sich - im wörtlichen Sinne - dem Mittelalter verschrieben. 1965 geboren, ist er auf Schloss Merode bei Düren aufgewachsen. Sein Vater war dort Kastellan. Das hat offenbar nachhaltige Eindrücke hinterlassen. In der Schule war Geschichte sein Lieblingsfach, in Deutsch hat er gerne Aufsätze geschrieben. So kam eins zum anderen: Neigung, Talent und Gelegenheit.

Das schriftstellerische Handwerk brachte er sich selber bei, las Bücher über die Dramaturgie von erzählender Literatur, beobachtete das Vorgehen von „Kollegen”. 1999 erschien sein erster Roman „Teufelswerk”: Ein Krimi aus dem Mittelalter mit einem ungewöhnlichen Ermittlerduo. Die Kritiken lobten den Erstling. Und der in Langerwehe lebende Günter Krieger hatte sein Genre gefunden: der Roman, der in der Heimat spielt.

Heimat im Sinne von Rheinland zwischen Köln und Aachen. In historischer Kulisse. Das macht es einfach und kompliziert zugleich. Es gibt große Freiheit in der Gestaltung der Personen, sofern sie nicht durch Quellen belegt und damit festgelegt sind. Aber es erfordert auch umfangreiche Recherchen.

„Ich will zwar nicht irgendwelches Wissen vermitteln und habe auch keinen pädagogischen Ansatz. Ich will in allererster Linie spannend unterhalten”, bekennt Krieger freimütig. Dennoch sollte es sachlich richtig sein, wenn seine Figuren sich zu religiösen Fragen äußern, ein Handwerk ausüben oder bei Krankheiten helfen.

Auf den Stadtbrand in Aachen kam er im Gespräch mit Guido Bertemes vom Grenzecho-Verlag in Eupen. In einem seiner früheren Romane hatte sich Krieger bereits mit der „Gertrudisnacht” auseinandergesetzt. Damals hatte der „Wehrhafte Schmied” mit anderen Bürgern den Grafen von Jülich in die Flucht geschlagen und die Stadt Aachen gerettet.

Das Aachener „Pflaster” war Krieger also weitgehend bekannt. Im neuen Roman steht das Finale zudem bei Beginn fest. Eine besondere Herausforderung für den Autor. Krieger erinnert an den Film „Titanic”. Jeder Zuschauer wisse, dass das Schiff am Ende sinkt. So ist auch beim Stadtbrand von Aachen das Ende bekannt.

Der Leser kennt das Faktum: am 2. Mai 1656 breitete sich ein Brand von einer Bäckerei in der Jakobstraße, angefacht durch ungünstige Winde und verschlimmert durch unzulängliche Löscharbeiten, schnell aus und legte die Stadt in Schutt und Asche. Nach Funkenflug brannte sogar das Dach des Doms. So muss der Leser erst über 200 Seiten spannender Lektüre bewältigen, ehe die ersten Flammen lodern.

Bis dahin aber taucht er ein in eine noch spätmittelalterlich geprägte Welt, in der Krieger allerdings nicht selber leben möchte. „Mit einer Zeitmaschine für kurze Zeit gerne. Da würde ich dann ein wenig rumschnuppern”, bekennt der Autor. Aber die hygienischen Zustände, Krankheit und Gewalt, die den Alltag damals auch im Adel prägten, seien für ihn nicht erstrebenswert. Das alles überlässt er seinen Romanfiguren.
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