Stolberg - Neuer Priester: Statt zu Trommeln betet er jetzt zu Orgelklängen

Neuer Priester: Statt zu Trommeln betet er jetzt zu Orgelklängen

Von: Martina Rippholz
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Schreibt er fleißig an seiner Doktorarbeit und lernt den Priesterdienst in Deutschland genau Foto: Rippholz

Stolberg. Die Trommeln vermisst er. Und auch das Lateinische. Aber das nur ein bisschen. Die deutschen Messen sind anders als die nigerianischen. Das weiß Christian Okwuru mittlerweile. Okwuru ist katholischer Priester.

Und derzeit hilft der 43-jährige Nigerianer in der Pfarre St. Rochus Zweifall und den umliegenden Pfarren im Stolberger Süden als Priester und Seelsorger aus.

Melodien aus Heimat bekannt

An Heiligabend las er in der St. Johannes Baptist-Kirche in Vicht seine erste Christmette. „Es war sehr schön und gemütlich in der Kirche”, sagt er. „Und einige Lieder-Melodien sind in meiner Heimat die gleichen. Dort wird dazu aber auch noch getrommelt.”

Seine Heimat in Afrikas, gelegen zwischen Niger und Kamerun, dem Tschad und Benin, hat Pater Okwuru seit Juli 2008 nicht mehr gesehen. Damals besuchte er seine Familie, nur für ein paar Wochen. Solche Kurzreisen nach Westafrika und vor allem die lange Abstände zwischen ihnen - das kennt der 43-Jährige schon lange. Denn Okwuru wohnt seit dem Jahr 2000 - seit er zum Priester geweiht wurde - nicht mehr in Nigeria.

Mit Kirche aufgewachsen

Über dreißig Jahre aber verbrachte er dort. Er wuchs als Mitglied des Ibo-Stammes in Nunya, einer Stadt im Südosten des Landes, zum Bundesstaat Abia State gehörig, auf. Christian Okwuru ist das jüngste Kind unter Brüdern und einer Schwester. Er ging in Nunya zur Schule, schloss diese mit dem „African Examination Council” (WAEC), dem afrikanischen Abitur, ab. Und er ging zur Kirche. „Schon als ganz kleines Kind haben meine Eltern mich mitgenommen”, erzählt er. „Ich bin damit groß geworden. Und damals beschloss ich, Priester zu werden.”

Damit fiel Okwuru in seiner Familie ziemlich aus der Reihe. Denn alle seine Brüder arbeiten in der Stromversorgung. Doch seine Angehörigen unterstützten den heute 43-Jährigen bei seinem Wunsch. So ging er ans Priesterseminar nach Enugu, nördlich von Abia State. Dort schloss der sich einer Ordensgemeinschaft an und studierte, acht lange Jahre lang, Philosophie von 1992 bis 1995 und von 1996 bis 2000 Theologie. Und dort knüpfte er erste Kontakte nach Europa. „Das Seminar war angegliedert an die Urban University in Rom. Mit ihr fand ein reger Austausch statt”, sagt Okwuru.

Nach dem Studium lernte der Priester erstmals Zweifall in Stolberg kennen. Sechs Monate lebte er in der Gemeinde im Rheinland. Und zwar als Schützling des damaligen Zweifaller Pfarrers Hans Doncks. „Ich habe ihn über meinen Onkel Pater Raphael kennengelernt”, erzählt Okwuru. „Und Herr Doncks unterstützt mich - finanziell und spirituell. Er ist zu einem guten Freund geworden.”

Es dauerte noch weitere fünf Jahre, bis Okwuru endgültig nach Europa übersiedelte. Denn zunächst war er drei Jahre lang an einem nigerianischen Gymnasium als Schulleiter tätig. Dort lehrte er den Schülern das Fach Politik. „Das hat mir gut gefallen”, sagt er heute. „Ich konnte dort darüber aufklären, wie die Welt tickt.”

In diese Welt hinaus trieb es Okwuru nach der Schulleiter-Tätigkeit. Er begann 2005 im belgischen Leuven das Studium des Kirchenrechts mit dem Ziel, den Doktor zu machen. Mittlerweile schreibt er fleißig an seiner Arbeit. Gleichzeitig lernt er den Priesterdienst in Deutschland genau kennen.

Was er aus Deutschland mit in seine Heimat Nigeria nehmen will, weiß er jetzt schon. „Ich werde nie wieder zu spät zur Messe kommen. Und mich in Zukunft auf unbekannte Dinge besser vorbereiten”, sagt Christian Okwuru. Nur an die reine Orgelmusik in der Messe wird er sich wohl nicht gewöhnen. Er freut sich schon wieder auf die Trommeln.
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