Neuer Leiter der Gesamtschule: Individuelle Förderung ist großes Anliegen

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Bereit für ein neues Kapitel Stolberger Schulgeschichte: Schulleiter Jörg Klein und seine Schüler freuen sich darauf, dass aus der Sekundarschule bald die neue Gesamtschule wird. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Noch existiert sie erst auf dem Papier, doch das Team der neuen Gesamtschule Stolberg steht bereits in den Startlöchern. Am Samstag können sich Familien von 10 bis 14 Uhr am Standort Kogelshäuserstraße über die Schule informieren.

Und am Montag, 12. Dezember, gibt es einen Elterninformationsabend in der Kugel, Breslauer Straße 1. Redakteurin Sarah-Lena Gombert sprach mit Schulleiter Jörg Klein über Chancen und Herausforderungen der neuen Einrichtung.

Die ersten Informationsabende für die Gesamtschule sind schon gelaufen. Welche Fragen haben die Stolberger Eltern an Sie?

Klein: Wir werden zum Beispiel gefragt, wie unser pädagogisches Konzept aussieht, oder wie ihr Kind bei uns gefördert wird, und was wir bieten können. Natürlich fragt man uns auch nach möglichen Schulabschlüssen und wir die Voraussetzungen dafür gestalten.

Was antworten Sie darauf?

Klein: Wir fangen zwar als neue Schule an, mit sehr viel Impetus. Wir können aber in unserer Arbeit als Gesamtschule auf bewährte Konzepte zurückgreifen, die wir in den vergangenen Jahren als Sekundarschule schon erarbeiten und erproben konnten. Das sind vor allen Dingen unsere Förder- und Forderkonzepte, also sowohl Stärkenförderung als auch Schwächenkompensation.

Denn wir sind davon überzeugt, dass die Kinder nicht nur als Auszubildende zu uns kommen, sondern als Menschen, die begleitend erzogen werden. Gleichzeitig wollen wir den Eltern auch mitteilen, welche Rolle wir ihnen zuerkennen würden: als unsere Partner. Das heißt, dass wir im engen Austausch mit ihnen ihre Kinder bis zu dem für sie bestmöglichen Abschluss begleiten wollen.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht der Schulalltag ändern?

Klein: Es werden neue Herausforderungen auf uns zukommen, weil wir nun noch gezielter auf das Abitur im eigenen Hause vorbereiten werden. Gleichzeitig dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren, dass es viele Kinder gibt, die in die Berufsausbildung überwechseln wollen. Das heißt, dass wir passgenaue Angebote für die einzelnen Kinder entwickeln müssen und wollen.

Es wird sicherlich auch eine Herausforderung sein, beide Standorte so miteinander zu verweben, dass es eine Schule bleibt. Der Vorteil von zwei Standorten ist aber, dass es dann jeweils kleine, überschaubare Systeme für die Kinder bleiben, in denen die altersspezifischen pädagogischen Schwerpunkte noch besser fokussiert werden können.

Haben Sie selbst denn auch schon Gesamtschulerfahrung?

Klein: Auch wenn es vielleicht schwer zu vermitteln ist, aber im Grunde ist ja eine Sekundarschule bereits eine Gesamtschule und Helge Pipoh von der bestehenden Gesamtschule und ich haben denselben Chef in Köln. Bis zum Ende der 10. Klasse unterrichten beide Schulformen nach denselben Lehrplänen. Was sich allerdings in Zukunft ändern wird, ist die Vorbereitung unserer Schülerinnen und Schüler auf das Abitur in der eigenen Schule. Das war bisher eben anders.

Wird das Kollegium aus den Lehrern der Sekundarschule und denen der Realschule bestehen?

Klein: Unser Kollegium wird in der neuen Schule aufgehen. Wenn die Kolleginnen und Kollegen von der Realschule Mausbach an der Gesamtschule arbeiten wollen, müssen sie einen Versetzungsantrag stellen, da diese Schule rechtlich einem anderen Kapitel zugeordnet ist. Konkretere Gespräche werden aber erst dann stattfinden können, wenn die Gesamtschule besteht.

Wann können die Eltern ihre Kinder bei Ihnen anmelden?

Klein: Anmeldewoche ist immer nach den Halbjahreszeugnissen. Und wir sind gemeinsam mit der bereits bestehenden Gesamtschule im vorgezogenen Anmeldeverfahren. Dabei können die Eltern natürlich entscheiden, ob sie ihr Kind an der bereits bestehenden, oder eben an der neuen Gesamtschule anmelden möchten. Wichtig ist mir in dem Zusammenhang, dass es keine Hierarchisierung gibt: Es sind zwei völlig gleichwertige pädagogische Angebote, die sicherlich ihre eigenen Profile entwickeln.

Haben Sie für die Profilbildung schon konkrete Vorstellungen?

Klein: Klar, die haben wir. Wir wollen und werden „Eine Schule für alle sein“. Die Schülerschaft an einer Gesamtschule ist sehr heterogen. Darum brauchen wir ausgefeilte Konzepte zur individuellen Förderung. Dabei wollen wir auch die Eltern einbinden, um für die Kinder das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Eine weitere Stärke unserer Schule ist sicherlich auch das Soziale Lernen. Wir haben eben anerkannt, dass unsere Schüler nicht nur ausgebildet werden müssen, sondern auch in ihrer menschlichen Entwicklung begleitet werden wollen.

Das Abitur an der Gesamtschule wird ja, anders als am Gymnasium, 13 Schuljahre umfassen. Wann ist welche Variante die richtige?

Klein: Genau, das Abitur erlangen die Kinder an unserer Schule in neun Jahren. Und welcher Weg zum Abitur der richtige für ihr Kind ist, das müssen die Eltern für sich entscheiden. Die Frage ist: Ist mein Kind eines, das, wie die bisherige Schullaufbahn zeigte, den Weg zum Abitur in 8 Jahren sicher gehen und den damit verbundenen Erwartungen aushalten wird? Dann kann das Gymnasium die richtige Option sein. Wenn es aber anders ist, dann wäre vielleicht die Gesamtschule die bessere Option.

Durchhänger kann es schließlich immer mal geben, ohne dass ein Kind gleich die Schule verlassen muss. Gerade während der Pubertät ist das ganz normal. Es kann auch familiäre Schicksalsschläge geben, die einen zurückwerfen. Hier hat das System des gemeinsamen Lernens ganz andere Möglichkeiten, Kinder aufzufangen, Bildungskarrieren zu steuern und Alternativen zu bieten.

Die Schullandschaft hat sich ja in den vergangenen Jahren sehr verändert. Können Sie Eltern verstehen, die den Durchblick verlieren?

Klein: Ich kann Eltern grundsätzlich verstehen, die von den vielen Änderungen im System ein wenig verunsichert sind. Allerdings ist die Stadt Stolberg einen Weg gegangen, der zum einen der ihre war und es ihnen andererseits relativ einfach macht. Hier habe ich jetzt wie gewünscht die Wahl zwischen einer Schulform des längeren gemeinsamen Lernens und dem Gymnasium.

Das ist ja keine Entscheidung, die die Stadt aus dem hohlen Bauch heraus getroffen hat, sondern weil es der abgefragte und erklärte Elternwille war. Hier orientiert sich Bildungspolitik (ganz) nah an den Wünschen und Bedürfnissen der Eltern.

Was entgegnen Sie den Leuten, die der Meinung sind, dass man das alte, dreigliedrige Schulsystem hätte beibehalten sollen?

Klein: Denen würde ich entgegnen, dass wir in einer Demokratie leben, und dass sich gerade in Stolberg die Mehrheit für diese Pläne ausgesprochen hat, die von der Stadt jetzt umgesetzt werden. Ich bin außerdem der Meinung, dass das Schulkonzept in Stolberg pädagogisch sehr gut verantwortbar ist, und dass wir jedem Kind die Möglichkeit bieten, sich optimal zu entwickeln.

Gibt es einen realistischen Durchschnitt, wie viele Kinder einer Gesamtschule das Abitur schaffen?

Klein: Wenn man ehrlich ist, gibt es den nicht. Dafür sind die Kinder zu unterschiedlich. Darum haben wir uns auch als Ziel gesetzt, jedes Kind zum jeweils bestmöglichen Abschluss zu führen. Das kann der Hauptschulabschluss sein, das kann das Abitur sein, oder alles dazwischen.

Es geht also auch nicht um eine möglichst hohe Durchlaufquote. Es gibt für jeden Schüler gewisse Grenzen, in denen man sich bewegt. Und unsere Aufgabe ist es eben, jedem Kind all seine individuellen Möglichkeiten zu erschließen. Ob es dann eine Abitur-Quote von 30 oder 50 Prozent eines Jahrgangs geben wird, das wird sich zeigen. Das hat auch stark damit zu tun, wie die Elternhäuser mitspielen.

Wie gehen Sie damit um, wenn es mal einen Jahrgang gibt, in dem sich vielleicht zu wenige Kinder für eine Oberstufe zusammenfinden?

Klein: Es zeigt sich auch schon an anderen Schulstandorten der Städteregion: Wenn an einer Schule nicht genügend Kinder für einen eigenen Kurs vorhanden sind, dann wird mit einer anderen Schule kooperiert. So kann man eine hinreichend Breite an Kursen für die Schüler anbieten.

Dadurch, dass die Kinder an einer Gesamtschule viel unterschiedlicher sind als an einem Gymnasium, steht ihr Kollegium sicherlich vor anderen Herausforderungen...

Klein: Zunächst einmal bringt das „längere gemeinsame Lernen“ mit seinem Zusammenwirken der unterschiedlichen Begabungen sowohl für die individuellen Entwicklungen unserer Schüler, wie auch für die Lernprozesse als solche unbestreitbare Vorteile mit sich. Aber klar, die große Heterogenität stellt uns vor die Kernaufgabe der individuellen Förderung.

Um ihr gerecht zu werden wollen und werden wir im Regelunterricht wie in den Übungs- und Vertiefungszeiten alle Niveaus bedienen. Hierbei entlasten wir uns aber auch gegenseitig über das parallele Arbeiten in den Jahrgangsstufen und schaffen dadurch gleichzeitig ein hohes Maß an Transparenz. Grundsätzlich muss ich mich als Lehrer aber darauf auch einlassen wollen. Ich muss sagen: Es ist mein Ding, mit Schülern zu arbeiten, die ich auch menschlich auf den richtigen Weg bringen möchte.

Ich bin als Lehrkraft an einer Gesamtschule mehr als nur derjenige, der (bloß) Fachinhalte vermittelt. Und ich als Schulleiter habe das große Glück, ein Kollegium zu haben, das sich dieser Aufgabe mit Begeisterung stellt.

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