Neuer Baustein für das Klassik-Festival

Von: mlo
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Alexander Krichel erhielt im Jahr 2013 den Echo-Klassik in der Kategorie Nachwuchskünstler. Nun war der junge Pianist in Stolberg zu Gast und unterhielt die Gäste beim zweiten Klassik-Festival im Rahmen eines Lunchkonzerts. Foto: Marie-Luise Otten

Stolberg. Der neue Baustein im zweiten Klassik-Festival ist in Stolberg angekommen. Das erste Lunchkonzert für knapp fünfzig Personen im großen Saal des Museums Zinkhütter Hof war ein Genuss für Ohr und Gaumen.

Das lag zum einen an Echo-Preisträger Alexander Krichel, der energisch und packend die Musik von George Gershwin und Maurice Ravel präsentierte, und zum anderen am Team um Serkan Sistermann, das an den „Konzert-Tischen“ mit einem köstlichen dreigängigen Menü im Anschluss aufwartete.

Im besonderen Ambiente des denkwürdigen Hauses vor einem herrlichen Blumenschmuck erzählte Alexander Krichel zunächst Hintergründiges zur Entstehung der „Rhapsody in Blue“: Vier Monate vor der Uraufführung am 12. Februar 1924 beauftragte der Bandleader Paul Whitman George Gershwin ein Werk für sein Orchester zu schreiben, das Jazz und Klassik zusammenführe. Gershwin als Fan von Korrekturen und Änderungen lehnte aus Termingründen zuerst ab.

Als er dann Anfang des Jahres überrascht auf eine Zeitungsannonce in der New York Post stieß, in der Whiteman ein Jazz-Konzert mit ihm ankündigte, hatte er keine Wahl mehr und setzte seine Ideen, die ihm durch das monotone Geräusch auf einer Eisenbahnfahrt ins Ohr kamen, umgehend um. Inspiriert durch eine Ausstellung von Maler James McNeill Whistler, der seinen Kunstwerken oft Namen wie Symphony in White oder Arrangement in Grey and Black gab, nannte Gershwin sein Stück „Rhapsodie in Blue“.

Viele Versionen mit Orchester oder einfach nur auf dem Klavier sind seither erschienen. Diese hoch raffinierte Komposition verlangt dem Pianisten außerordentliche Fingerfertigkeiten ab, denen Krichel voll gerecht wurde. Er gab der Interpretation viel Raum und Spannung, so dass der Versuch, Jazz und konzertante Sinfonik zusammenzubringen, nicht nur in New York, sondern auch in Stolberg zu einem großen Erfolg wurde.

Anders waren die Interpretationen von Maurice Ravel. Er war das große Vorbild für George Gershwin, der bei ihm 1928 Kompositionsunterricht nehmen wollte, aber eine Absage erhielt mit der Begründung, dass er lieber ein erstklassiger Gershwin bleiben möge, statt ein zweitklassiger Ravel zu werden. Viele Menschen verbinden mit Ravel den „Bolero“, dabei gehöre dieses populäre Orchesterwerk nicht zu seinen besten, so der Echo-Preisträger.

Er sprach von Ravels Musik als einem Mysterium. Der akribische Naturforscher Ravel habe es geschafft, die Natur in Klänge umzusetzen, was im Zyklus „Miroirs“ (Spiegelbilder) für den Kenner deutlich herauszuhören war. Das Werk zählt zum Schlüsselwerk des französischen Impressionismus und stellt an Pianisten sehr hohe technische Anforderungen, die der Echo-Klassik Nachwuchskünstler des Jahres 2013 mühelos umsetzte.

Die Darbietung war ein Spiel mit reizvollen Kontrasten, eine musikalisch packende Reise zwischen Licht und Schatten, die alle Farbnuancen des Klaviers widerspiegelten. Nach dem lang anhaltenden Schlussapplaus bedankte sich der Künstler mit einem Wiegenlied, das er selbst komponiert und einem Förderer in Südamerika gewidmet hatte, der an Schlafstörungen litt.

Dann servierte das Team Sistermann sein Menü mit gemischten Antipasti als Vorspeise, Rinderfilet mit Rotweinschalotten, glasierten Möhrchen und Pommes Macaire. Als Dessert gab es Panna Cotta mit Früchten. Mit Partnern oder Freunden ein Konzert besuchen und nachher ein besonderes Menü genießen war eine tolle Idee, bereicherte das zweite Klassik-Festival ungemein und verlangt nach Wiederholung.

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