Neue Tümpel für bedrohte Kröten

Von: Jessica Küppers
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Bedrohte Krötenart in Stolberg und Umgebung: Die Gelbbauchunke soll durch zusätzliche Biotope geschützt werden. Foto: Biologische Station
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Bedrohte Krötenart in Stolberg und Umgebung: Die Geburtshelferkröte soll durch zusätzliche Biotope geschützt werden. Foto: Biologische Station
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Bedrohte Krötenart in Stolberg und Umgebung: Die Kreuzkröte soll durch zusätzliche Biotope geschützt werden. Foto: Biologische Station

Stolberg. Der Titel „Lurch des Jahres 2014“ nützt ihr nicht viel. Die Gelbbauchunke zählt zu den seltenen Tierarten. Am Schlangenberg etwa hat sie sich auch mal zu Hause gefühlt. Mittlerweile gibt es dort keine einzige Unke mehr, aber das soll sich bald ändern.

Damit in Stolberg in Zukunft wieder mehr Gelbbauchunken beheimatet sind, möchte sich die Biologische Station Städteregion in Kooperation mit der Kupferstadt Stolberg um Fördermittel der Europäischen Union bewerben. Davon soll ein sogenannter Amphibienverbund eingerichtet werden.

„Das ist eine Kette von kleinen Tümpeln, so dass die seltenen Tiere von einem Tümpel zum anderen wandern können“, sagt Bettina Krebs, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Biologischen Station. Durch diese punktuellen Lebensräume sollen sich die Arten besser vernetzen und durchmischen.

Ursprünglich lebten die Gelbbauchunken in Auen, kleinen Tümpeln und aktiven Steinbrüchen. Die gebe es aber in Stolberg immer weniger, weil Flüsse seltener über die Ufer treten und man Steinbrüche stillgelegt habe, sagt Krebs.

Pfützen trocknen aus

Früher siedelten sich die Tiere unter anderem in Pfützen an, die sich in Fahrrinnen gebildet hatten. Seit diese Wege nicht mehr befahren werden, trocken auch die Pfützen und damit die Lebensräume der Unken aus. Verlanden diese Gewässer, können die Tiere nicht mehr laichen und sich vermehren.

Neben den Gelbbauchunken sollen noch zwei weitere bedrohte Krötenarten durch das Projekt vor dem Aussterben gerettet werden. Die Kreuzkröte und die Geburtshelferkröte leben in ähnlichen Lebensräumen und sind ebenfalls stark gefährdet. Im Wurmtal gab es sogar ein Monitoring, das den Bestand der Geburtshelferkröte genau erfasst.

Eine solche Zählung gibt es für die Gelbbauchunke nicht. Wie viele Tiere momentan noch in Stolberg und Umgebung leben, wissen die Tierschützer auch nicht genau. „Es gibt immer weniger Fundpunkte“, schildert Krebs die dramatische Situation.

Dass Handlungsbedarf zum Schutz der Tiere besteht, hat auch die Stadtverwaltung erkannt und würde das Projekt gegebenenfalls mit städtischen Flächen unterstützen. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Maßnahme.

Welche Flächen in Frage kommen, wurde zunächst einmal geprüft. 18 Gebiete wurden untersucht und in die Kategorien geeignet, teilweise geeignet und bedingt geeignet unterteilt. „Dafür kommen in erster Linie Flächen in Frage, die nicht anderweitig verplant sind“, sagt Umweltamtsleiter Andreas Pickhardt. Der Fachausschuss berät über die Beteiligung auf seiner Sitzung am 23. April.

Unmittelbare Straßennähe wäre für Krebs jedoch nicht wünschenswert: „Wenn die Tiere eine Straße überqueren müssten, wäre das nicht so gut.“ Die Gelbbauchunken sollen in Stolberg vorwiegend dort angesiedelt werden, wo sie jetzt noch vorhanden sind oder ehemals vorkamen. Die Kröten leben momentan in Münsterbusch, am Büsbacher Brockenberg und in Gressenich.

In der Werther Heide und am Schlangenberg konnten sie auf Dauer ohne menschliche Hilfe nicht mehr überleben. Pickhardt ergänzt, dass Stolberg für viele der Gebieten schon Ökopunkte erhalten habe; mit einer Wiederansiedlung der Unken können Stolberg weitere Punkte gut geschrieben werden.

Als geeignet werden nun Flächen im Münsterbachtal, östlich der Hammstraße, im Dickenbruch und am Brockenberg angesehen. Außerdem kommen Flächen in der Rüst, am Schlangenberg, am Hammerberg und am Birkengang in Frage für eine punktuelle Vernetzung mit Tümpeln. Pickhardt betont: „Innerhalb dieser Flächen könnte die Biologische Station dann etwas machen.“

Wie groß die Tümpel im Einzelnen werden und wie die Gewässer konkret aussehen sollen, das soll die Biologische Station ausarbeiten.

Abhängig vom jeweiligen Standort des Gewässers muss dann entschieden werden, ob eine Beton- oder Plastikkonstruktion wie man sie von herkömmlichen Gartenteichen kennt, notwendig ist, oder ob es ausreicht, eine Mulde zu graben.

Entsprechend der Maßnahmen berechnen sich auch die Fördermittel für die einzelnen Städte, die am Projekt teilnehmen. Neben der Stadt Stolberg möchte die Biologische Station auch mit den Städten Herzogenrath, Baesweiler und Eschweiler kooperieren. Insgesamt umfasst das Projekt etwa drei Millionen Euro.

Betreuung der Tümpel

Zur Pflege und Betreuung der Tümpel möchte die Biologische Station auch die Stolberger Bevölkerung mit ins Boot holen. „Anwohner könnten regelmäßig nach den Tieren sehen“, sagt Krebs. Außerdem fühle sich vor allem die Gelbbauchunke nur in sauberem Wasser wohl, so dass die Tümpel einmal im Jahr gereinigt werden müssten.

Dazu wird das Wasser komplett abgelassen und mögliche Fressfeinde der Kaulquappen wie Libellenlarven oder kleine Fische werden herausgenommen. Denkbar wäre auch, dass Schulkassen die Gewässer im Unterricht anlegen und sie langfristig betreuen.

Die Bewerbungsfrist für das Artenschutzprojekt läuft von Juli bis September. Werden die finanziellen Mittel tatsächlich durch die Europäische Kommission zur Verfügung gestellt, könnten die ersten Krötenteiche im Frühjahr 2017 in Stolberg ausgegraben werden.

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