Stolberg-Dorff - Neue Station bietet ein reizvolles Spannungsfeld

Neue Station bietet ein reizvolles Spannungsfeld

Von: dim
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Anton Bris (links) und Manfred Sponsel eröffnen die Dorffer Kunstscheune pünktlich zur Kunstausfahrt „Art Tour de Stolberg“. Foto: D. Müller

Stolberg-Dorff. Die Kunstausfahrt „Art Tour de Stolberg“ wartet bei ihrer siebten Auflage am ersten Maiwochenende mit einer neuen Station auf, wenn die „Dorffer Kunstscheune“ (Am Hahnenkreuz 23) erstmals ihre Pforten öffnet. Und das mit einem reizvollen Spannungsfeld, denn drei Künstler zeigen ihr vielfältiges Schaffen.

Genau genommen sogar vier, denn der bekannte Bildhauer Holger Vanicek wird zudem als sein Alter Ego Sebastian Ybbs zugegen sein und literarische Kunst präsentieren. Am kommenden Sonntag, 1. Mai, liest der Schriftsteller um 15 Uhr in der „Kunstscheune“ Texte über die Absurditäten des Alltags, Ausschnitte aus seinen Romanen, Pamphlete und Aphorismen, und er kocht währenddessen Kaffee, wie es sich an einem Sonntagnachmittag gehört.

Der „Sculpteur“ Vanicek widmet sich der Frage: „Was ist bloßes Alltagsobjekt, und ab wann definiert sich ein Gegenstand als Kunstwerk?“ Er hinterfragt mit seinen Skulpturen diese Ungewissheit, indem er die formellen Beziehungen zwischen Gebrauchsgegenständen und Kunstobjekten ohne eigene Funktion auslotet. Dahinter steckt der Gedanke, dass wir Dinge, die uns täglich umgeben, nicht bloß nach ihrem Gebrauchswert einstufen, sondern unseren Blick für ihre Ästhetik und Formen schärfen sollen. In Dorff zeigt Vanicek Holzskulpturen, die mit ihren Texturen den Objekten zusätzliche Charakteristiken verleihen. Dazu wird er Werkstattzeichnungen, Skizzen und Entwürfe seiner Arbeiten mitbringen.

Mit von der Kunst-Partie in der Scheune sind auch Anton Bris und Manfred Sponsel. Der ausgebildete Kunstglaser Sponsel ist als Maler und Musiker Autodidakt. Nachdem seine Werke zuletzt Anfang der 1990er Jahre in der damaligen Galerie „Eigensinn“ in der Stolberger Altstadt zu sehen waren, arbeitete Sponsel mehr als zwei Jahrzehnte im Verborgenen. Anders verhält es sich mit dem Musiker Manfred Sponsel: Zusammen mit Erich Geis bildet er das Duo „Form“, das sich ganz der experimentellen Instrumentalmusik verschrieben hat und seine Werke weltweit kostenlos präsentiert (www.form-musik.de). Die Musik von „Form“ wird auch in der Kunstscheune zu hören sein, in der der Künstler Sponsel seine Malerei zeigt, die eben dort auch entsteht, denn der 51-Jährige malt in dieser Scheune.

Sponsel fängt die unwiederbringliche Atmosphäre des Augenblicks ein, für ihn ist jeder Moment in der Natur sondergleichen. Licht und Schatten sind für ihn essenzielle Bestandteile der Natur, und dem Betrachter mögen Motive wie der Münsterbach oder das Hohe Venn bekannt sein. Im Gegensatz zu seinen organischen Landschaftsbildern bestechen seine grafischen Arbeiten mit abgeklärten Strukturen. Faszinierend an ihnen ist, dass sie trotz augenscheinlicher Klarheit den Betrachter ebenso zum Nachdenken anregen wie Sponsels abstrakte Werke, die er auch in der „Kunstscheune“ zeigt.

Anton Bris, geboren in Glaserhau in der ehemaligen Tschechoslowakei, lebte 35 Jahre im Hamburger Raum, bevor es ihn nach Dorff zog. Bris ist ein klassischer Aussteiger. Nach dem Studium der Kommunikations- und Informationstechnik arbeitete er in der Elektronikbranche, wurde später zum Manager für Großkunden. Der Leistungsdruck bescherte Bris ein Burn-Out-Syndrom und Depressionen. „Als ich die Krankheit realisiert und akzeptiert hatte, war die logische Konsequenz für mich der Ausstieg“, beschreibt der 58-Jährige, der 2010 dem „Big Business“ und damit dem Termin- und Erfolgsdruck den Rücken zugekehrt hat.

„Heute bin ich glücklicher denn je, auch weil ich mich mittels Kunst selbst verwirklichen kann“, sagt Bris. Vom künstlerischen Schaffen begeistert, nahm er an Kursen der Stolberger Künstlerin Karin Lynen teil, um sich weiterzuentwickeln. Seine Malerei ist vielschichtig und ausdrucksstark, bricht die für Bris nicht vorhandene Grenze zwischen Gegenständlichem und Abstraktem auf. Während Sponsel beim ersten Pinselstrich eine konkrete Vorstellung vom fertigen Werk hat, lässt Bris sich von den Inspirationen leiten, die er erst beim Arbeiten bekommt: Der künstlerische Schaffensprozess offenbart ihm Thematik, Motiv und Aussage, die den Betrachter allerdings keinesfalls belehren, sondern einfach nur anregen will.

Gemeinsamer Nenner der Nachbarn Bris und Sponsel ist die Natur. So arbeitet Bris teils kollagenhaft Farn, Zweige oder andere Naturmaterialien in seine Bilder ein oder fertigt aus Naturfundstücken Skulpturen, die auch zu Installationen kombiniert werden können.

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