Neue Perspektiven für die Zukunft der Stadtbücherei Stolberg

Von: Michael Grobusch
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Häufige Benutzung führt zu d
Häufige Benutzung führt zu deutlichem Verschleiß. Aus Sicht der Verwaltung kann dies mit dem aktuellen Medienetat nicht kompensiert werden.

Stolberg. Es gibt sie noch, die guten Nachrichten zur Stadtbücherei. Zumindest für den Fall, dass der Kulturausschuss den Vorschlägen der Verwaltung in seiner Sitzung am heutigen Dienstag (18 Uhr, Ratssaal) folgen wird und in einem zweiten Schritt auch Hauptausschuss und Rat die Änderungen beschließen.

Diese sehen im Kern eine deutliche Anhebung der Mittel für die Beschaffung von Medien sowie die Wiedereinführung von Autorenlesungen vor, die es seit 2008 aufgrund finanzieller Zwänge nicht mehr gegeben hat.

Andreas Pickhardt hat bei der Bücherei eine „positive Entwicklung” ausgemacht und will deren Fortsetzung sicherstellen. „Dazu ist aber eine Aufstockung des bisherigen Etats dringend erforderlich”, betont der zuständige städtische Fachbereichsleiter. Konkret geht es um eine Erhöhung des Medienetats von derzeit jährlich 12.960 Euro auf 44.000 Euro ab dem Jahr 2012. Denn: „Bei einer Bestandsgröße von 49.759 Medien zum Jahresende 2010 gewährleisten die zur Verfügung stehenden Erwerbsmittel schon heute nicht die für die Aktualität des Bestandes nötige jährliche Erneuerungsquote von fünf bis acht Prozent.”

Nimmt man diese Quote als Grundlage, müssten in Stolberg jährlich zwischen 2500 und 4000 neue Medien angeschafft werden. Tatsächlich kamen in den vergangenen Jahren aber jeweils nur rund 600 Bücher, CDs, DVDs und Spiele hinzu, was laut Andreas Pickhardt nicht ausreichend war, um den äußerlichen Verschleiß und die inhaltliche Veralterung des Materials auch nur annähernd zu kompensieren.

Das sind klare Worte in Zeiten leerer Kassen, die auf eine spürbare Qualitätsverbesserung abzielen, auch wenn es sich die Stadtbücherei gefallen lassen muss, dass sie - rein haushaltstechnisch und aus Sicht der Kämmerei - als „komplett freiwillig” eingestuft wird. So steht es auch in den Mittelanmeldungen, über die der Ausschuss am Abend beraten wird. Und dennoch scheut Pickhardt nicht davor zurück, die Bedeutung der Einrichtung für die mit knapp 60.000 Einwohnern größte Kommune im ehemaligen Kreis Aachen herauszuheben.

Damit bleibt er seiner Linie treu. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte sich der Fachbereichsleiter deutlich gegen die zu diesem Zeitpunkt ernsthaft diskutierten Pläne für eine mögliche Fusion mit der Stadtbücherei Eschweiler ausgesprochen. Fehlende Einsparpotenziale galten damals ebenso als Argument wie der Hinweis auf ein kulturelles Mindestangebot, das Stolberg haben müsse, sowie den hohen pädagogischen Wert der Einrichtung und ihrer Arbeit.

Gelitten hatte die pädagogische Arbeit in den vergangenen Jahren unter dem Verzicht auf Autorenlesungen. Durch die Bereitstellung von 3500 Euro - auch diese haben das Siegel „freiwillig” - soll dieses Manko behoben werden können. Acht bis zehn „qualifizierte Autorenlesungen” sind das Ziel der Verwaltung, die damit an einen Antrag der Grünen-Fraktion anknüpft, die bereits im März 2009 gefordert hatte, Autorenlesungen vor allem für Kinder wieder ins Programm zu nehmen. „Autorenlesungen sind insbesondere im Grundschulbereich ein wertvolles pädagogisches Mittel, um Schüler an das Lesen heranzuführen und für Literatur zu begeistern”, teilt Pickhardt die Einschätzung der Stadtbücherei-Leitung und des Kulturamtes ebenso wie deren Ablehnung von Eintrittsgeldern. „Dies ist für viele Familien nicht tragbar, insbesondere dahingehend, dass oftmals auch noch Fahrt- bzw. Buskosten zur Stadtbücherei anfallen”, argumentiert der Fachbereichsleiter.

Gebündeltes Angebot

Ähnlich wie bis 2008 sollen auch die zukünftigen Lesungen gebündelt angeboten werden. Zwei Lesungen für jeweils zwei Klassen an einem Vormittag würden es ermöglichen, die Kosten relativ gering zu halten. Das die erforderlichen Mittel gut angelegt wären, steht für Andreas Pickhardt außer Zweifel: „Die Nachfrage bei den Schulen war in der Vergangenheit immer sehr groß, die angebotenen Lesungen waren nach wenigen Tagen ausgebucht. Und viele Anfragen konnten wegen des Andrangs nicht berücksichtigt werden.”

Man darf gespannt sein, welche Empfehlung der Kulturausschuss aussprechen wird. Auch wenn Hauptausschuss und Rat das letzte Wort haben, dürfte der heutige Beschluss für die Stadtbücherei richtungsweisend sein.
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