Neue Leiterin der Kita auf dem Donnerberg will Stärken der Kinder fördern

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Vanessa Neumann ist Leiterin der neuen Kindertagesstätte „Traumland“ auf dem Donnerberg. Die Kita soll, wenn alle Bauarbeiten abgeschlossen sind, insgesamt 50 Kinder aufnehmen können. Foto: L. Franzen

Stolberg-Donnerberg. „Traumland“, das klingt zunächst nach Urlaub oder wie der Schauplatz eines Märchens. Realität ist dieser Ort nun auf dem Donnerberg geworden. Hier ließ die Arbeiterwohlfahrt des Kreises Aachen für rund 1,8 Millionen Euro eine Kindertagesstätte errichten, die ihre Besucher mit einem Eingangstor aus überdimensionalen Beton-Bauklötzen empfängt.

Nach viermonatiger Verzögerung bevölkern nun auch die ersten kleinen Bewohner ihr neues Reich. Mit der Kita-Leiterin Vanessa Neumann, die im Alter von 21 Jahren bereits Verantwortung für 50 Kinder und 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trägt, sprach Lukas Franzen über die „Baustelle Traumland“, die deutsche Kita-Landschaft und ihre persönlichen Träume.

Vier Monate länger als geplant mussten die Kinder auf den Einzug ins „Traumland“ warten. Sind sie erleichtert, dass es nun endlich losgehen konnte?

Neumann: Ich konnte es am Ende wirklich kaum noch erwarten. Nun freue ich mich, wie viel wir in den letzten Monaten geschafft haben. Vor einem Monat tummelten sich noch überall die Handwerker und wir hatten noch keinerlei Einrichtung. Jetzt können hier die Kinder spielen.

Haben Sie und die Kinder sich denn schon richtig eingelebt?

Neumann: Seit dem 6. Januar sind die ersten Kinder nun da. Viele haben sich schon sehr gut eingelebt. Andere sind noch in der Eingewöhnungsphase und kommen erst stundenweise in die Kita, jeweils begleitet von ihren Eltern. Zum Glück konnten wir die Verzögerungen der letzten Monate mit Hilfe zweier „Notgruppen“ auffangen, die im Kindergarten auf der Höhestraße und in Räumlichkeiten der Pfarre St. Lucia betreut wurden.

Noch wirkt das „Traumland“ aber wie eine halbe Baustelle.

Neumann: Die Arbeiten am Außengelände haben momentan Vorrang. Hier entstehen weitere Parkplätze, Hecken müssen gepflanzt werden und natürlich fehlen auch noch Spielgeräte, Spielhäuser und Sandkästen für unsere Kinder. Im April wollen wir dann die offizielle Eröffnung des ganzen Kindergartengeländes feiern.

Wer war an der Namensfindung für Ihre Kita beteiligt?

Neumann: Meine Schwester und ich. Wir haben drei Vorschläge ausgearbeitet. Eltern und Mitarbeiter konnten schließlich darüber abstimmen, wie die Kita und unsere drei Gruppen heißen sollen. Und sie haben sich für das „Traumland“ mit den Gruppen „Sonne“, „Mond“ und „Sterne“ entschieden.

Mit 21 Jahren tragen Sie bereits große Verantwortung für 50 Kinder und 13 Mitarbeiter. Ist die Leitung des „Traumlands“ auch Ihr Traumjob?

Neumann: Ich bin wirklich sehr zufrieden und dankbar, diese Stelle bekommen zu haben. Über die Internetseite der Arbeiterwohlfahrt bin ich auf die freien Stellen auf dem Donnerberg aufmerksam geworden und habe mich nach meinem Studium zunächst auf den Gruppendienst beworben. Dann wurde ich gefragt, ob ich mir auch die Leitung zutraue. Ich habe zugesagt. Und bisher gefällt es mir wirklich sehr gut.

Sie haben Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule in Aachen studiert. Was reizt Sie an dieser Tätigkeit in der Stolberger Kindertagesstätte?

Neumann: Ich denke, dass man mit diesem Beruf die Gesellschaft voranbringen kann und vielleicht einen Teil dazu beiträgt, gute Dinge, wie beispielsweise Errungenschaften des Bildungssystems und der Erziehung, zu erhalten. Mich reizen auch der organisatorische Aspekt und die Herausforderung, nun ein großes Team zusammenhalten zu müssen.

Wie sieht denn der typische Tagesablauf einer „Traumland-Chefin“ aus?

Neumann: Einen typischen Tagesablauf gab es bisher nicht. Kein Tag war wie der andere, und es ist nie absehbar, was passiert. In den letzten Wochen und Monaten hat vor allem der bauliche Prozess viel Zeit in Anspruch genommen. Ich habe die Einrichtung der Räume ausgesucht und dann auch bestellt – von der Fußleiste bis hin zur Wandfarbe. Dann musste natürlich Personal eingestellt, die „Notgruppen“ organisiert und die Verträge mit den Eltern geschlossen werden.

Kommt Ihnen der pädagogische Aspekt, also die Arbeit mit den Kindern, persönlich dabei nicht viel zu kurz?

Neumann: Eigentlich stehen mir 13 Stunden für den Gruppendienst zur Verfügung. Aber das ist momentan nicht realistisch. Die Kinderbetreuung werde ich wohl erst einmal nur bei wirklichen Engpässen unterstützen. Mein Part ist momentan eher die Zusammenarbeit mit den Eltern.

Und wer kümmert sich um die Kinder?

Neumann: Für unsere drei Gruppen sind elf pädagogische Mitarbeiter vorgesehen. Eine Stelle davon ist aktuell allerdings noch unbesetzt. Außerdem werden wir von einer Verwaltungsmitarbeiterin sowie einer Hauswirtschaftskraft unterstützt.

Ihre Kita ist die neuste von insgesamt 32 Einrichtungen dieser Art in Stolberg und damit wohl auch eine der modernsten. Was zeichnet Ihre Einrichtung aus?

Neumann: Zunächst einmal unser großes Platzangebot. In unserer großen Turnhalle mit Bewegungslandschaft können sich die Kleinen einmal so richtig austoben, während sie im so genannten „Snoozle“-Raum entspannen und abschalten können. Außerdem gibt es ein Atelier, einen Rollenspiel- und Verkleidungsraum sowie einen Werk- und Experimentierraum. Jede unserer Gruppen verfügt über einen Neben-, Schlaf-, Wickel- und Waschraum und für die Eltern gibt es Abstellmöglichkeiten für die Kinderwagen und eine Sitzecke als kleines „Eltern-Café“.

Wie hat sich die deutsche Kita-Landschaft in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert?

Neumann: Die Kita ist zum Lebensmittelpunkt geworden und das Angebot vielseitiger. Während früher vielleicht nur gemalt, gebastelt und gesungen wurde, werden die Kinder heute auch schon technisch, mathematisch und sprachlich stärker gefördert. Die Arbeit ist ressourcenorientierter geworden. Das heißt: Wir wollen ihre Stärken fördern, um ihre Schwächen zu kompensieren. Trotzdem bleibt auch der Entspannungsfaktor wichtig – gerade in dieser schnelllebigen Zeit.

Kritiker bemängeln ein Bildungssystem, in dem nur nach ökonomischen Aspekten unterrichtet werde. Sie argumentieren, dass Lehrinhalte ausschließlich danach ausgewählt würden, was später auf dem Arbeitsmarkt zähle und humanistische Werte dabei zu kurz kämen. Fühlen auch Sie sich mit diesem Spannungsfeld konfrontiert?

Neumann: Förderung ist wichtig. Aber ein Kind sollte auch Kind bleiben dürfen und in diesem Alter noch nicht mit zu viel Verantwortung belastet werden. Trotzdem lastet schon ein großer Druck auf den Kindern, zum Beispiel wenn im Alter von vier Jahren fremde Personen einen Sprachtest mit ihnen machen. Schüchterne Kinder haben da einfach Ängste und Hemmungen. Trotzdem können solche Tests in Hinblick auf die spätere Schulwahl zukunftsentscheidend sein und so die Biographie eines Kindes prägen.

Können Sie verstehen, dass Eltern ihre Kinder bewusst nicht in eine Betreuungseinrichtung geben und die Erziehung dann ausschließlich zuhause stattfindet?

Neumann: Ab drei Jahren sollte ein Kind schon eine Kita besuchen, da es dort als Mitglied einer größeren Gruppe aufwächst und es sich dadurch ein ganz anderes Sozialverhalten aneignen kann. Es lernt, mit Konflikten umzugehen, während es zuhause meist in einem wesentlich kleineren Personenkreis groß wird.

Wer eine Einrichtung namens „Traumland“ leitet, darf ruhig auch einmal träumen. Wovon träumen Sie in Bezug auf ihre Kindertagesstätte?

Neumann: Ich hoffe, dass wir zu einem gefestigten Team zusammenwachsen, das sich aufeinander verlassen kann und dass sich alle Eltern und Kinder bei uns wohlfühlen.

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