Neue Ideen für einen alten Steinbruch

Von: Sarah-Lena Gombert
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Nur noch wenig heute erinnert daran, dass mitten in Stolberg einmal ein Kalksteinbruch in Betrieb war. Heute ist aus Gehlens Kull ein idyllischer Park geworden. Rentner Walter Meuthen (im Bild mit Hund Nelson) kümmert sich regelmäßig um das Areal. Foto: S.-L. Gombert
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Von der Stolberger Bergstraße aus weist ein kleines, unscheinbares Schild den Weg in Richtung Gehlens Kull. Stolbergs Altstadtpark, ein ehemaliger Steinbruch, liegt direkt im Schatten der Burg. Foto: S.-L. Gombert
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Die Stadt plant für Gehlens Kull eine Karte, in der das Spazierwegenetz des Geländes ausgewiesen ist. Viele Stolberger Bürger kennen den Park bereits sehr gut, doch auch Besucher der Stadt sollen sich das idyllische Fleckchen Erde erschließen können. Foto: S.-L. Gombert
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Der ehemalige Steinbruch ist mittlerweile Heimat vieler Tier- und Pflanzenarten geworden. Wer hier spazieren geht, sollte ab und an einen Blick auf den Boden werfen. Hier sind viele Laubfrösche unterwegs. Foto: S.-L. Gombert
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Aus einem alten Wohnhaus, das sich in unmittelbarer Nähe des Steinbruchs befand, ist zwischenzeitlich ein Habitat für Echsen und Insekten geworden. Die alten Bruchsteine eignen sich wunderbar als Sonnenplatz für die Tiere. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Sprengungen, dass es nur so krachte. Große, dicke Kalkbrennöfen, die Hitze ausstrahlen. Hart arbeitende Menschen und Loren, die Stein transportieren. All das war bis vor einigen Jahrzehnten Alltag im Kalksteinbruch von Heinrich Gehlen, der sich direkt im Schatten der Stolberger Burg befand.

Heute ist davon kaum noch etwas zu sehen. Aus der Steingrube ist ein Biotop für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten geworden und ein Ort der Ruhe für Menschen, den man so in der Stolberger Innenstadt nicht erwarten würde. Und Stolbergs vielleicht am besten versteckte Parkanlage könnte bald wieder ein neues Kapitel aufschlagen: Die Stadt überlegt, hier einen Gemeinschaftsgarten anzulegen.

Wer mehr über den alten Steinbruch Gehlens Kull erfahren will, geht am besten eine Runde mit Walter Meuthen spazieren. Der Stolberger kümmert sich seit vielen Jahren mit Herzblut um den Park, der nur einen Steinwurf von seinem Wohnhaus entfernt liegt. Mindestens dreimal am Tag, so sagt der Rentner, besucht er den angelegten Weiher. Cocker Spaniel Nelson nimmt er meistens mit.

„Heute würde niemand mehr so einen Steinbruch eröffnen, mitten in einem Wohngebiet“, sagt Meuthen über das Gelände, das zwischen der Bergstraße, der Vogelsangstraße und der Straße Turmblick versteckt liegt. Vorbei an Resten der Schienen, über die die schwer beladenen Loren fuhren und alten Gittertoren führt der Weg von der Bergstraße aus in den Park.

Und hierher muss man es erst einmal schaffen: Lediglich ein kleines Hinweisschild lotst den Ortsfremden von hier aus ins Grüne. „Man könnte fast meinen, man geht auf ein privates Grundstück, wenn man es nicht besser wüsste“, sagt Meuthen.

Ein kleiner Tierpark ist entstanden

Zum Glück ist es aber kein Privatgrund. Sonst blieben der im Steinbruch angelegte Weiher, die imposante Felswand und die vielen Blumen und anderen Pflanzen wohl den meisten Stolbergern und anderen Besuchern der Kupferstadt verborgen. Laubfrösche hüpfen durchs Gras, ein Eichhörnchen springt von Baum zu Baum. Ein Eisvogel mit strahlend blauem Gefieder sitzt auf einem der Felsbrocken, die den Weiher säumen. „Wir haben hier einen richtigen kleinen Zoo“, sagt Walter Meuthen.

Das war nicht immer so. Nachdem der Steinbruch stillgelegt worden war, war Gehlens Kull zunächst zu einer Müllkippe verkommen. „Irgendwann hat dann die Stadt gesagt, wir machen daraus ein Naherholungsgebiet“, erinnert sich Walter Meuthen. Und das kommt an bei den Stolbergern: Sportgruppen sind hier unterwegs, Künstler kommen zum Zeichnen her, Kindergärten schauen sich die Tier- und Pflanzenwelt an, häufig geführt von Walter Meuthen.

Abenteuerliche Geschichten über den Steinbruch zu Betriebszeiten weiß der Kupferstädter zu erzählen. Zum Beispiel die, als ein Gesteinsbrocken bis an sein Haus geflogen ist. „Zum Glück hatte meine Frau gerade die Türe geschlossen“, sagt er. Oder die Geschichte, dass Stolberger Kinder früher hierher kamen, um Mutproben zu machen: „Die Kinder sind über die Öfen gelaufen, in denen die heißen Kalksteine lagen“, sagt Meuthen. Er lacht kurz auf und fügt hinzu: „Wir waren damals wirklich keine Engel.“

Vielleicht ist es diese Erkenntnis über die eigene Vergangenheit, die dafür sorgt, dass Walter Meuthen so einen guten Draht zu den Jugendlichen hat, die heute in Gehlens Kull anzutreffen sind.

Mutproben auf Kalksteinöfen gibt es zwar keine mehr, aber dafür findet Meuthen bei seinen Rundgängen schon mal die ein oder andere Wodkaflasche. „Das ist aber viel besser geworden seit ein paar Jahren“, betont er. Dass Menschen ihren Müll hinterlassen oder gar Vandalismus betreiben, sei in Gehlens Kull eher zu einer Seltenheit geworden.

Paten für Pflanzen gesucht

Wie kommt das? „Ich quatsche hier einfach jeden an, den ich treffe“, sagt er mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen, „wer hier regelmäßig auftaucht, der kennt mich auch.“ Damit die Besucher, junge wie alte, den Park auch sauber halten, hat Meuthen sich bei der Stadt dafür eingesetzt, dass Müllsäcke aufgehängt werden. Er nennt sie die „zwölf Apostel“, auch wenn es mittlerweile mehr geworden sind. Ob er mit seiner hartnäckigen Art niemandem auf die Nerven fällt? „Ausdauer ist meine Stärke“, sagt Meuthen, und zwinkert.

Gehlens Kull ist ein Park geworden, den die Stolberger lieben und nutzen. Doch Walter Meuthen und seine Freunde, die sich mit ihm gemeinsam um die Grünanlage kümmern, wollen mehr: „Wir würden gerne die Bürgerbeteiligung steigern“, sagt er. Der Park solle noch bekannter werden in der Stadt, auch außerhalb. Bürger könnten Pflanzenpatenschaften übernehmen, bestimmte Blumen oder Bäume heraussuchen, um sich speziell um diese besonders gut zu kümmern.

Meuthen, der für sein Engagement um den alten Steinbruch auch schon von der Stadt beim Ideenwettbewerb ausgezeichnet worden ist, könnte nun Hilfe aus Breinig bekommen: Denn Rita Jeske, ebenfalls Gewinnerin beim Ideenwettbewerb der Stadt Stolberg, sucht einen passenden Ort für einen „etwas anderen Stadtgarten“ – einen Gemeinschaftsgarten, der von jungen und alten Stolbergern gemeinsam bewirtschaftet wird. „Das könnte ich mir grundsätzlich gut vorstellen“, sagt Walter Meuthen.

Teil eines Wanderwegs

Der Stadt ist ebenfalls daran gelegen, den Park besser als Naherholungsgebiet zu erschließen. Eine Karte ist in Planung, die das Spazierwegenetz in Gehlens Kull und Umgebung aufzeigen soll. So ist Gehlens Kull bereits Teil eines 13 Kilometer langen Wanderwegs rund um die Stolberger Altstadt, der unter der aktiven Mitarbeit des Eifelvereins angelegt worden ist. Bis die Steinbruch-Karte erhältlich ist, kann man also schon mal den ensprechenden Wegsteinen (die mit der Nr. 4) folgen.

Ob Pflanzenpatenschaften oder ein gemeinschaftlich angelegtes Beet, um das sich viele Kupferstädter in einer Gruppe kümmern: Was genau in Gehlens Kull alles noch durch Menschenhand angepflanzt wird, das muss noch geklärt werden.

Aspekte des Landschafts- und Naturschutzes müssen berücksichtigt werden. Darum will die Stolberger Stadtverwaltung sich kümmern, denn: „Uns ist wichtig, dass die Ideen, die wir beim Ideenwettbewerb auszeichnen, auch umgesetzt werden können“, sagt der Erste Beigeordnete Robert Voigtsberger, in dessen Dezernat der Ideenwettbewerb angesiedelt ist.

Walter Meuthen indes ist wichtig, dass die Stolberger ihren Park besser kennenlernen. „Man könnte meinen, man sei hier in Kanada“, sagt er, und blickt noch einmal auf den kleinen Weiher.

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