Neue Gesamtschule: Löhrmann stolz auf „gesamte Palette”

Von: tol
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Schulleiter Helge Pipoh und Mi
Schulleiter Helge Pipoh und Ministerin Sylvia Löhrmann, umringt von Fünftklässlern, die alle ihren Fingerabdruck auf das Schulbanner gesetzt haben. Foto: T. Lammertz

Stolberg. So stellt man sich gute Gastgeber vor: Mit selbst gebackenen Muffins verwöhnen die ersten Schülerinnen und Schüler der ersten Stolberger Gesamtschule ihre vielen Gäste. Eltern, Großeltern, Geschwister, Politiker und als Ehrengast die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann schauen sich nach dem Festakt die neue Gesamtschule von innen an.

Zuvor haben die Kids ihren Gast aus Düsseldorf nicht lange überreden müssen, auf dem Schulhof das Banner „Gesamtschule Stolberg” per Farbdaumen zu signieren, wie es Schüler und Lehrer vorgemacht haben. Klar, dass die Spitzenpolitikerin von Bündnis 90 / Die Grünen mit grünem Daumen stempelt, während Genosse Ferdi Gatzweiler sich für einen roten Bürgermeisterabdruck entscheidet.

120-köpfiger Chor

Dem Bürgermeister war es auch vorbehalten, im Pädagogischen Zentrum des Goethe-Gymnasiums die Gäste der Schuleinweihung zu begrüßen, nachdem die Fünftklässler mit Klavierbegleitung von Hermann-Josef Schulte diesen Part bereits musikalisch übernommen hatten. Um die gute Zusammenarbeit zu betonen, war ursprünglich geplant, dass der Realschulchor im Gymnasium zur Eröffnung der Gesamtschule singt. Doch Chorleiter Thomas Schrouff musste wegen einer wichtigen Orchesterprobe passen, so dass die neue Gesamtschule in den ersten Tagen auch schon gleich einen eigenen „Schulchor” auf die Beine stellte.

Gatzweiler bilanzierte, von der U3-Betreuung über die Kindertagesstätten bis zu den Schulen habe die Kupferstadt ein „super pädagogisches Konzept”. „Was wir bisher nicht hatten, war eine Gesamtschule.” Obwohl über 30 Jahre lang dafür gekämpft worden sei, eine zu errichten.

Wer als Stolberger zur Gesamtschule wollte, fand zwar eine am Stadtrand der Nachbarstadt Eschweiler; dies sei bei fast 60.000 Einwohnern auf Dauer aber nicht zumutbar gewesen, sagt der Verwaltungschef und erinnert daran, wie etwas Unerwartetes endlich den Weg geebnet hatte: der Schulkonsens in Nordrhein-Westfalen. SPD, CDU und Grüne zogen plötzlich an einem Strang und erkannten, dass pädagogische Perspektiven dauerhaft angelegt sein müssen und sich nicht bei jedem Regierungswechsel ändern dürfen. Zwölf Jahre „Frieden” wurden per Änderung der Landesverfassung festgeschrieben.

Beginn einer rasanten Fahrt

Damit begann in Stolberg eine „rasante Fahrt”, wie Gatzweiler es ausdrückt: Die Stadt habe fünf Millionen Euro in die Hand genommen, um das alte Realschulgebäude zu verändern und „hier oben” den Weg zu einem Schulzentrum mit pädagogischer Vielfalt und Zusammenarbeit geebnet.

„Ich wusste nicht, dass es einen so langen Kampf gegeben hat”, gestand Sylvia Löhrmann. Die Schulministerin, gleichzeitig auch stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes, ist stolz darauf, dass in der einwohnerreichsten Stadt der Städteregion nun „die gesamte Palette” im Angebot sei. Einzig für eine Sekundarschule reichte der Bedarf in Stolberg noch nicht. Doch davon weiht sie in diesen Tagen andernorts 42 ein. Mit den neuen Gesamtschulen kommt Löhrmann auf 62 neue Schulen.

„Gesetze, Verfassungsänderung, Beschlüsse in den Räten - die Anstrengungen haben sich gelohnt, Gewinner sind die Kinder”, ist die Ministerin überzeugt. „Toll” findet sie, dass es in Stolberg einstimmige Beschlüsse zur Gründung einer Gesamtschule gab: „Dafür ganz herzlichen Dank.” Schließlich stehe bei allem das Kind im Vordergrund. Dem verspreche die Gesamtschule weniger Auslese, ganzheitlichen Unterricht bei gemeinsamen Standards und Berücksichtigung individuellen Lernfortschritts. Aber auch „sozialen Zugang” zur Bildung - Zugang für diejenigen, „denen das nicht in die Wiege gelegt wurde”. Dank sagte Löhrmann dem Lehrerkollegium um Schulleiter Helge Pipoh, das schon in den Ferien viel Vorbereitungsarbeit geleistet habe, aber auch den Eltern für ihren Vertrauensvorschuss: „Eine mutige Entscheidung!”

Die „7” sei eine besondere, magische Zahl. Das Wort Bildung bestehe aus sieben Buchstaben, für die sie eine eigene Lesart anbietet: „Bildung ist Lernen, Denken, Unterricht - natürlich gemeinsam!”

Modernste Ausstattung

Schulleiter Helge Pipoh erinnerte daran, dass ihm der Bürgermeister versprochen habe, man starte nicht als Provisorium, und stellt fest: „Wir haben einen Schulbau mit modernster Ausstattung erhalten.” Außerdem sei er als Neu-Stolberger von den Leitern aller Schulen freundlich aufgenommen worden. Zeichen der guten Kooperation seien die gemeinsame Nutzung von Sporthalle und Mensa des Goethe-Gymnasiums und die Betreuung durch ausgebildete Streitschlichterpaten der Realschule. Pipoh verspricht: Die besondere Aufmerksamkeit und den entsprechenden Erwartungsdruck nehmen wir offensiv an.”

Was bietet die Gesamtschule? Ziele, Abschlüsse und Kontakt

Die Gesamtschule arbeitet mit Kindern und Jugendlichen aller Leistungsstärken und hat sich zum Ziel gesetzt, Laufbahnentscheidungen möglichst lange offenzuhalten. 120 Schülerinnen und Schüler werden derzeit unterrichtet.

An der Gesamtschule können alle Abschlüsse der Sekundarstufe I erreicht werden, die auch an Hauptschule, Realschule und Gymnasium erworben werden können.

Es gibt eine einheitliche gymnasiale Oberstufe an Gesamtschulen und Gymnasien.

Die Anschrift der Stolberger Gesamtschule lautet Sperberweg 1, 52223 Stolberg. Sie ist unter 9977990 zu erreichen.
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