Neue Autos passen nicht durchs alte Tor

Von: Jürgen Lange
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Nachkriegsbau mit Brettergiebe
Nachkriegsbau mit Brettergiebel: Das Feuerwehrgerätehaus in Zweifall ist nicht nur marode. Durch die niedrigen Tore passen die modernen Löschfahrzeuge nicht mehr. Das alte Löschfahrzeug muss aber absehbar ersetzt werden, weils kaum noch Ersatzteile gibt und es dem Einsatzaufkommen nicht genügt. Foto: J. Lange

Stolberg. Es ist nicht nur die Rekrutierung der erforderlichen Personalstärke für Einsätze, die der Stolberger Feuerwehr zu schaffen macht. Auch die technische Ausstattung erfordert Investitionen, um ihren Auftrag erfüllen zu können.

Mittelfristig auf mehrere Millionen Euro lassen sich die erforderlichen Aufwendungen addieren, die die Stadt gemäß des Brandschutzbedarfsplans aufbringen muss. Können die dort definierten Einsatzzeiten und -stärken nicht eingehalten werden, träfe als Chef der Stadtverwaltung den Bürgermeister ein Organisationsverschulden. Im Januar vor zwei Jahren hatte der Stadtrat den Brandschutzbedarfsplan einstimmig beschlossen.

Erste Konsequenz waren bereits eine Optimierung der Ausrücke- und Alarmordnung und ein verstärktes Bemühen um Nachwuchs in den freiwilligen Reihen. Denn ohne das Engagement aus den Löschgruppen hätte die Stadt 18 zusätzliche hauptamtliche Kräfte einstellen müssen, was einer jährlichen Belastung von 750 000 Euro entsprochen hätte. Aber auch die Investitionen in eine erforderliche Verbesserung der Infrastruktur haben es in sich.

Die Löschgruppe in Zweifall benötigt ein neues Gerätehaus. Die aus dem Jahr 1958 stammende Unterkunft an der Hellebend­straße ist das letzte große Sorgenkind unter den Stolberger Gerätehäusern, sagt Wachleiter Karl Wenn. Der Schulungsraum ist zu klein, Parkplätze, Duschen und Abgasabsaugung fehlen. Vor allem aber ist das historische Gebäude nicht nur marode, schlimmer noch: Seine Tore sind zu niedrig für heutige Löschfahrzeuge.

Neue Löschfahrzeuge werden aber für die Zweifaller Einheit absehbar benötigt. Der Iveco-Magirus aus dem Jahre 1990 wird zwar noch optisch ansprechend von der Farbe zusammengehalten, aber unter dem Blech wirds schwierig. „Für das 22 Jahre alte Fahrzeug sind so gut wie keine Ersatzteile mehr zu bekommen”, bilanziert Wenn. Hinter dem zweiten Flügeltor an der Hellebendstraße gesellt sich ein weiteres historisches Fahrzeug zu dem Oldtimer. Ein Daimler-Benz mit Bachert-Aufbau kann in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiern. Das LF 8 wird allerdings in erster Linie für die Ausbildung der Jugendfeuerwehr eingesetzt.

Gleichwohl ist in der exponierten Zweifaller Lage, knapp zehn Kilometer oder 14 Autominuten von der Hauptwache an der Kesselschmiede entfernt, der Bedarf an moderner, einsatzfähiger Feuerwehrtechnik groß, unterstreicht Karl Wenn mit Blick auf Einsatzzeiten und großer Waldflächen ebenso wie auf die Verkehrsverhältnisse auf den Landesstraßen. Einsätze zur technischen Hilfeleistung nach Unfällen nehmen stetig zu.

Jetzt unternimmt die Stadt einen ersten Schritt zum Neubau eines Gerätehauses. Das soll zukünftig an der Münsterau (L 238) auf der Wiese neben dem Sägewerk hinter dem Ortseingang stehen. Wann das sein kann, ist allerdings völlig offen, beeilt sich Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt zu versichern. „Das ist erst einmal eine Planung für die Schublade”, sagt der Planungs- und Feuerwehrdezernent mit Blick auf die Haushaltslage. In Zeiten, in denen jede freiwillige und jede Pflichtaufgabe auf den finanziellen Prüfstand kommen, hat Pickhardt ein Budget für den Neubau eines Gerätehauses noch nicht entdecken können. Deshalb soll der Ausschuss für Stadtentwicklung am kommenden Donnerstag erst einmal Planungsrecht für dieses Bauvorhaben schaffen.

Für das Gerätehaus selbst liegt auch noch keine offizielle Planung vor; bei der Feuerwehr kann man sich vorstellen, sich an das Konzept des Atscher Gerätehauses anzulehnen. Das war im Herbst 2009 eingeweiht worden; die Kosten lagen bei einer halben Million Euro. Mit rund 250 000 Euro aus Mitteln des Konjunkturpaketes und viel Eigenleistung wurde im vergangenen Jahr das Gerätehaus auf dem Donnerberg erweitert und saniert.

Neben einem Neubau in Zweifall müssen Absauganlagen für die Löschfahrzeuge in diversen Gerätehäusern aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen nachgerüstet werden, weil in den Hallen auch die Fahrzeuge untergebracht sind - es sei denn, diese würden der Abgasnorm 5 gerecht werden. „Davon haben wir ein Fahrzeug auf der Hauptwache”, so Wenn. Demnach warten die Gerätehäuser Mitte, Dorff, Breinig, Zweifall, Gressenich, Schevenhütte und Werth noch auf die Nachrüstung.

Nicht minder anspruchsvoll ist das Modernisierungsprogramm für den Fuhrpark, das der Stadtrat mit dem Brandschutzbedarfsplan beschlossen hatte. Mittelfristig für die Jahre 2012 bis 2016 sind Fahrzeuge im Wert von 1,03 Millionen Euro erforderlich. Auf 4,83 Millionen Euro summiert sich der Ausblick bis ins Jahr 2032. „Unter Aspekten der Reparaturanfälligkeit und aufgrund gesetzlicher Vorschriften sollte ein Maximalalter von 25 Jahren nicht überschritten werden”, heißt es im Bedarfsplan.

Betagte Fahrzeuge hat die Stolberger Wehr aber eine ganze Reihe. Entsprechend groß ist die Reparaturanfälligkeit, schwierig die Ersatzteilbeschaffung, und in einer Reihe von Einsatzfahrzeugen fehlen Sicherheitsgurte. Dabei gilt eine Einsatzfahrt als siebenfach gefährlicher als eine normale Tour ohne Blaulicht und Horn.

Auf die Beschaffung eines Fahrzeuges zur Beseitigung von Ölspuren (250 000 Euro) hatte der Stadtrat aus Geldmangel im vergangenen Jahr schon verzichtet. Alternativ hat die Wehr einen ausgedienten Krankentransportwagen selbst umgerüstet - eine Lösung, die nicht von Dauer sein soll. In einigen Bereichen des weitläufigen Stadtgebietes hapert es darüber hinaus mit der Löschwasserversorgung. Entsprechend sollen Zisternen angelegt werden. Beispielsweise bei Gut Steinbachs­hochwald.

Seit drei Jahren ist der Bau eines Tanks für mehr als 60.000 Euro Thema im Stadtrat. Weil die Verwaltung aber darüber nachdenkt, das Gehöft zu veräußern, ist eine Entscheidung noch nicht gefallen.
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