Stolberg - Neue Ausstellung: Zinkhütter Hof nimmt Fahrt auf

Neue Ausstellung: Zinkhütter Hof nimmt Fahrt auf

Von: Dirk Müller
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Auf Neander-Motorrädern „fahren“ Harry Voigtsberger (Mitte), Präsident der NRW-Stiftung, Paul Thomes (links), Vorsitzender der Fördergesellschaft Zinkhütter Hof, und Museumsleiter Sebastian Wenzler der neuen Mobilitätsausstellung entgegen. Foto: D. Müller

Stolberg. Er ist der erfolgreichste europäische Rennfahrer vor dem Zweiten Weltkrieg gewesen: Rudolf „Karratsch“ Caracciola gewann zwischen 1926 und 1939 unzählige Rennen, darunter die Großen Preise von Monaco, Spanien, Italien, Frankreich, Belgien und Deutschland. „Karratsch“ war 1931 schnellster bei der „Mille Miglia“, wurde drei Mal in Folge Berg-Europameister.

Während der legendären Silberpfeil-Ära (1934 - 1939) wurde Carraciola drei Mal für Mercedes Europameister, was mit dem heutigen Formel-1-Titel vergleichbar ist. Was allerdings selbst viele ausgewiesene Motorsportexperten nicht wissen: Carraciolas großartige Karriere begann in unserer Region.

1901 in Remagen als Sohn eines Weingroßhändlers und Hoteliers geboren, war Rudolf Carraciola nach seiner Zeit an der Höheren Knabenschule zunächst als Volontär bei der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau AG in Köln tätig. Anschließend wechselte er zum Aachener Automobilbauer Fafnir.

An den Wochenenden lieh er sich regelmäßig Fafnir-Fahrzeuge aus, um Spritztouren durch die Eifel zu unternehmen, wobei Carraciola reichlich Kilometer und Erfahrungen auf kurvigen Strecken sammelte. 1922 belegte er als Fafnir-Werksfahrer beim Berliner Avus-Rennen den vierten Platz, nur ein Jahr später wurde Carraciola Werksfahrer für Mercedes.

Womöglich ist der legendäre Rennfahrer bei seinen Spritztouren von Aachen Richtung Eifel seinerzeit auch an der „Zinkhütte Münsterbusch“ vorbei gebraust – dem heutigen Museum für Industrie-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte Zinkhütter Hof, das ab dem kommenden Jahr um eine neue Dauerausstellung reicher wird. „Turbo – Traffic – Transport“ ist die Schau betitelt, die sich mit dem Thema Mobilität in unserer Region befassen wird.

„Schon zu Pionierzeiten der Automobilentwicklung haben sich bedeutende Fahrzeugproduzenten wie Cudell, Scheibler, Fafnir und Mannesmann-Mulag aus der Aachener Region weltweit einen Namen gemacht“, beschreibt Museumsleiter Sebastian Wenzler.

Kathedrale der Arbeit

Bisher aber habe das Thema Mobilität in der gesamten Region noch keine Heimat gefunden, sagt Harry K. Voigtsberger, Präsident der NRW-Stiftung: „Umso mehr freut uns die neue Ausstellung im Zinkhütter Hof, der eine wahre Kathedrale der Industriekultur, eine Kathedrale der Arbeit ist.“ Eine Freude, die Professor Paul Thomes gänzlich teilt, denn der Vorsitzende der Fördergesellschaft des Museums Zinkhütter Hof nimmt von Harry Voigtsberger eine wichtige Voraussetzung für die Ausstellung „Turbo – Traffic – Transport“ entgegen: Die NRW-Stiftung bezuschusst das neue Projekt mit der Summe von 130.000 Euro.

So kann auf einer Fläche von 380 Quadratmetern „plus Luftraum“ die Mobilitätsschau entstehen, die beim Fahrrad beginnt, erläutert Wenzler. „Denn das Fahrrad lieferte Erfindungen, die für den Automobilbau immens wichtig waren, wie Rollenkette, nahtlose Rohre, Speichen und Reifen.“

Der Museumsleiter verweist auf ein Päckchen mit originalen Fafnir-Speichen – hergestellt von der Rheinischen Nadelfabrik Aachen. Präsentiert werde die neue Ausstellung ab März 2018 in der bisherigen Zink-Abteilung. „Wobei wir eine gute Lösung gefunden haben, das Thema Zink auch weiterhin im Museum zeigen zu können.“

Ein Exponat von „Turbo – Traffic – Transport“ werde eines der ältesten Aachener Autos überhaupt sein: ein Cudell Baujahr 1901. „Und es ist toll, dass Mobilität im Zinkhütter Hof auch als ein Zukunftsthema behandelt wird“, betont Thomes mit Blick auf unsere Region als modernen Technologiestandort mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule, der Fachhochschule Aachen, dem Ford-Forschungszentrum und mehr.

Dementsprechend würden sich zu historischen Exponaten in Form von Fahrzeugen wie einem alten Mannesmann-Mulag und Neander-Motorrädern, Zapfsäulen, Motoren, Dokumenten und mehr auch zukunftsweisende Ausstellungsstücke gesellen wie zum Beispiel der „StreetScooter“, der „e.Go“ oder der „SpeedE“.

Die „Faszination Technik“ soll übrigens nicht nur am Beispiel Rudolf Carraciola mit der „Faszination Rennsport“ angereichert werden, sagt Wenzler, dass „selbstverständlich auch die Breiniger Rennfahrerin Inge Stoll thematisiert wird“.

Insgesamt circa 130 Exponate sollen Individual- und Güterverkehr, Reifenentwicklung, Straßenbau, Energie und mehr rund um die Mobilität erlebbar machen – barrierefrei und mit interaktiven Stationen.

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