Netto in Mausbach ist bald Vergangenheit

Von: Michael Grobusch
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Stolberg
Anfang 2015 wird der Rewe-Markt in Gressenich schließen. Möglicherweise kommt der Standort dann für Netto in Frage. Foto: M. Grobusch
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Anfang 2015 wird der Rewe-Markt in Gressenich schließen. Möglicherweise kommt der Standort dann für Netto in Frage. Foto: M. Grobusch

Stolberg-Mausbach. Die Nachricht verbreitet sich an diesem Morgen in einem bemerkenswerten Tempo. Noch ist nichts offiziell, und dennoch wissen es bald viele Mausbacher: Der Netto-Markt am Markusplatz wird schließen.

Zuletzt vor vier Jahren hatte der Konzern den Mietvertrag bis Oktober 2016 verlängert, jetzt macht er zum 31. Januar 2015 von seinem vorzeitigen Kündigungsrecht Gebrauch, wie er auf Nachfrage unserer Zeitung in einer kurzen schriftlichen Stellungnahme bestätigt hat. Allerdings ohne Angabe von konkreten Gründen. Die hat auch Vermieter Hubert Schulte-Lünzum nicht genannt bekommen. Nur so viel wird von der Presseabteilung der Netto Marken Discount AG mit Sitz im bayrischen Maxhütte-Haidhof mitgeteilt: „Der Standort entspricht nicht mehr unseren aktuellen Standards.“

Das wird sehr kurzfristige Konsequenzen haben: Bereits in knapp drei Wochen, am 25. August, soll Schluss sein. Selbst die neun Mitarbeiter, die auf eine direkte und persönliche Mitteilung ihres Arbeitgebers noch warten, wissen nicht so recht warum. Der Umsatz sei zuletzt zwar mäßig gewesen, berichtet Wolfgang Pix. Doch die pro Tag durchschnittlich 500 Kunden seien ein Beleg dafür, dass es einen Bedarf für einen Discounter im Zentrum gebe.

Für den Marktleiter sind Schließungen fast schon zur Routine geworden. Die Aufgabe von fünf Filialen hat er mittlerweile erlebt. Zuletzt war er von Aachen nach Mausbach versetzt worden, wo nach drei Jahren nun wieder Feierabend sein wird. Ein Trost immerhin bleibt den Angestellten. Sie sollen, so hat es Pix über einen Außendienstler erfahren, allesamt an anderen Standorten weiterbeschäftigt werden.

Die Stammkunden aber fühlen sich alleine gelassen. Zahlreich berichten sie gegenüber unserer Zeitung von dem Problem, das sich für sie mit der Schließung Ende des Monats stellen wird. Nicht alle wollen namentlich genannt werden, Ulrike Olbertz aber bekennt freimütig: „Ich wohne wenige Meter vom Markusplatz entfernt und habe kein Auto. Ich weiß nicht, wie und wo ich in Zukunft einkaufen werde.“ Die Nahversorgung droht zusammenzubrechen, auch wenn das nur für einen Teil der Mausbacher zutrifft. Schließlich finden diejenigen, die mobil sind, am Ortsausgang Richtung Gressenich, gut einen Kilometer vom Markusplatz entfernt, mit Aldi und Rewe zwei Anbieter vor. Gerade für viele ältere Bewohner des Stadtteils sind diese aber nahezu unerreichbar.

Tim Grüttemeier weiß um das Problem, sieht aber wenig Möglichkeiten für die Stadt, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. „Für die Nahversorgung und für diejenigen, die kein Auto haben, ist das natürlich sehr problematisch. Und auch für die Entwicklung von Mausbach ist das sehr unglücklich, denn ein Dorfmittelpunkt lebt davon, dass es Anziehungspunkte gibt“, so der Bürgermeister. Anders als beispielsweise in Vicht sei in Mausbach durch Aldi und Rewe jedoch weiter eine „umfassende Versorgung“ gewährleistet, wenn auch nicht für alle fußläufig. „Deshalb gibt es nahezu keine Fördermöglichkeiten, um beispielsweise einen Dorfladen einzurichten.“

„Einen Lebensmittler finden“

Hubert Schulte-Lünzum will zumindest nichts unversucht lassen und sich ohne öffentliche Mittel um eine Nachfolge-Lösung bemühen. „Vielleicht gibt es die Gelegenheit, einen Lebensmittler zu finden“, hofft der Zahnarzt, der den Grund des Übels der Politik zuweist. „Man hätte die Baugenehmigung für Aldi und Rewe damals mit der Auflage versehen müssen, dass auch im Zentrum von Mausbach ein Angebot aufrechterhalten wird.“ Weil dies aber versäumt wurde, seien die Probleme für den Standort Markusplatz absehbar gewesen.

Eine gewisse Fassungslosigkeit bleibt dennoch: „Die Infrastruktur ist gerade erst verbessert worden, der Standort mit der neuen Treppe und zusätzlichen Parkplätzen hinter dem Gebäude hat deutlich an Attraktivität gewonnen“, verweist Schulte-Lünzum auf die im Herbst 2013 beendeten Arbeiten. Für Netto aber scheint dies als Grund zum Bleiben nicht gereicht zu haben. So wird das Ladenlokal am 25. August wohl geschlossen – nach fast 28 Jahren.

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