Nebenbuhler verprügelt und um 5000 Euro erpresst

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Stolberg. „Ja, ich räume die Vorwürfe ein“, bestätigte der Angeklagte Carsten B. (24) am Dienstagmorgen die Angaben seines Verteidigers Wolfram Strauch vor der 6. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht. Das hat man so freimütig nicht so oft vor Gericht, der Angeklagte scheint absolut reumütig zu sein.

Das muss er auch, denn der Vorwurf „Schutzgelderpressung, Bedrohung und Körperverletzung“ ist schließlich kein Pappenstil. Zwischen Oktober 2014 und Januar 2015 hatten er und sein Kumpan Korhan K. , ebenfalls 24, eine Sache abgezogen, die man ansonsten zumeist im Rocker-Milieu findet. Beide gemeinsam stellten einem Kontakt der Ex-Freundin von B. nach, der sich über die sozialen Netzwerke mit der wieder „freien“ Frau ausgetauscht hatte.

Das wollte B. anscheinend allerdings nicht zulassen, und er begann, Krieg gegen den Nachfolger zu führen. Den vermeintlichen Nachfolger, weil jener am Dienstag im Zeugenstand bekundete, die Beziehung zwischen ihm und der jungen Frau sei rein virtuell über die Plattform „Instagram“ vonstatten gegangen, man habe sich nie getroffen.

Das interessierte das Duo, das sich aus einem Fitnessclub im Heinsberger Bereich kannte, jedoch überhaupt nicht. Carsten B. setzte den Widersacher unter Druck. Sogar die Familie des Zeugen, darunter die junge Schwester und die Mutter, wurden als Druckmittel benutzt.

Keinen Kontakt mehr

Zwei Dinge wolle man, hätten sie bei einem erzwungenen Treffen in einem Burger-Lokal gefordert. Erstens: keinen Kontakte mit der Ex von Carsten B. mehr. Zweitens 1500 Euro für den „Schutz“ durch die beiden Bodybuilder, deren gemeinsames Erscheinungsbild schon angsteinflößend gewesen sein muss.

Den Druck erhöhte Carsten B. noch, indem er durchblicken ließ, mit dem (inzwischen aufgelösten) Rockerclub Black Jackets verbandelt zu sein. B. hatte dem Zeugen vorher bereits in der Nähe seiner Wohnung aufgelauert und ihm dabei einen Schlag ins Gesicht verpasst.

Das Opfer besprach sich, wie er am Dienstag dem Vorsitzenden Richter Jürgen Beneking erklärte, mit seiner Familie und zahlte Ende 2014 zunächst eine Rate von 350 Euro. Doch im Januar wurde der Druck erhöht, es sollten schließlich 5000 Euro werden. Das Opfer am Dienstag: „Ich bin mit Polizisten befreundet, ich konnte das nicht mehr hinnehmen.“ Und er ging daraufhin zur Polizei.

Man vereinbarte für den 10. Januar ein Treffen in einer Eisdiele, die Schutzgelderpresser wurden dabei festgenommen und ins Gefängnis gebracht. Beide sind allerdings auf freiem Fuß. Das nutzte, muss man der Gerechtigkeit halber sagen, der Angeklagte Carsten B., um seinen Abschluss als Physiotherapeut zu bekommen. Er habe sich, so sein Verteidiger, in den letzten Monaten komplett zum Positiven geändert. Der Prozess geht am Mittwoch weiter.

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