Stolberg - Nachtigällchen: Diskussion um Wasserschutz geht weiter

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Nachtigällchen: Diskussion um Wasserschutz geht weiter

Von: Sarah-Lena Gombert
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Rund um das „Nachtigällchen“ und den Arthur-Schleicher-Stollen wird Trinkwasser für die Kupferstadt gewonnen. Nach Ansicht der Stolberger Stadtverwaltung wird bereits jetzt genug dafür getan, damit das Wasser auch sauber genug ist. Foto: S.-L. Gombert
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Die Vicht fließt auch am Nachtigällchen vorbei. Die Bezirksregierung will den Gewässerschutz rund um das Areal verschärfen. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. 2,5 Millionen Kubikmeter Wasser werden jährlich in der Wassergewinnungsanlage Nachtigällchen und Mariaschacht zwischen Stolberg und dem Ortsteil Vicht vom Energie- und Wasserversorger Enwor gefördert. Damit dieses Trinkwasser für die Kupferstadt von möglichst hoher Qualität ist, gibt es die Wasserschutzgebietsverordnung.

Zuständig für diese Verordnung ist die Bezirksregierung in Köln. Da sich Gesetze, Richtlinien und andere rechtliche Hintergründe immer wieder ändern können, gibt es alle 40 Jahre eine Neuauflage der Wasserschutzgebietsverordnung.

Solch eine Neuauflage soll es jetzt auch für das Nachtigällchen geben – aber die für das Verfahren zuständige Bezirksregierung und die Stolberger Stadtverwaltung, die eine Stellungnahme abgeben darf, haben unterschiedliche Ansichten darüber, wie diese aussehen soll.

Das Wasserschutzgebiet rund um eine Wassergewinnungsanlage teilt sich in unterschiedlich streng regulierte Zonen auf: Von der besonders strengen Zone I – das ist die Entnahmestelle selbst – bis zur Zone III. „Die Bezirksregierung plant, die Schutzzonen auszuweiten“, erklärt Tobias Röhm, Technischer Beigeordneter der Stadt, auf Anfrage. So sollen Areale in den Wasserschutzbereich aufgenommen werden, die bislang noch nicht darunter fielen.

Mehr bürokratischer Aufwand

„Das ist nach Plänen der Bezirksregierung unter anderem das Gebiet Mausbach-Diepenlinchen oder auch der Friedhof in Vicht“, erklärt Röhm. Sollte der Vichter Friedhof zur Wasserschutzzone gehören, würde das einen höheren Aufwand für Begräbnisse im Dorf bedeuten: „In dem Fall müssten neue Grabfelder für Erdbestattungen von der Unteren Wasserbehörde genehmigt werden“, sagt Röhm. Die ist bei der Städteregion angesiedelt.

Auch Betriebe, die rund um die Wassergewinnungsanlage angesiedelt sind, müssten sich nach den Plänen der Bezirksregierung auf Änderungen einstellen. Ein Beispiel dafür wäre die Firma Leoni Kerpen an der Zweifaller Straße. „Nach dem Entwurf für die neue Verordnung befindet sich ein Teil des Leoni-Geländes in der Schutzzone III, ein Teil nicht“, erklärt Tobias Röhm. Für das Unternehmen könnte diese Unterteilung des eigenen Geländes zu organisatorischen Schwierigkeiten führen.

Unter anderem auch aus diesem Grund sei der Stadtverwaltung eine höchstmögliche Transparenz des Verfahrens wichtig. Anlieger, die von der Veränderung betroffen sein könnten, sind von der Verwaltung angeschrieben worden.

Denn es gibt viele Punkte, an denen der neue Entwurf der Bezirksregierung im Vergleich mit der alten Verordnung strenger und damit auch aufwendiger ist – und das ohne Not, wie man in der Stolberger Stadtverwaltung findet. Der Stadt lägen keinerlei Erkenntnisse darüber vor, dass das Trinkwasser von Nachtigällchen und Mariaschacht schlechte Qualität habe. „Ganz im Gegenteil“, sagt Röhm, die Wasserqualität sei sehr gut. Das decke sich auch mit der Aussage von Enwor.

Genau aus diesem Grund hatte die Stadtverwaltung bereits im März eine umfangreiche Stellungnahme an die Bezirksregierung geschickt, die auch mit dem Stadtrat abgeklärt war. Jetzt kam aus Köln eine Antwort, zumindest auf Teile der Stolberger Hinweise. „Die Bezirksregierung hat in ihrem Schreiben auch deutlich gemacht, dass sich einige Punkte noch in der Abstimmung befinden“, sagt Röhm.

Wann hierzu eine Antwort kommt, weiß der Erste Beigeordnete nicht. „Aber die Antworten, die wir bislang bekommen haben, sind aus Sicht der Stadtverwaltung nicht zufriedenstellend.“ Auf das Gelände von Leoni Bezug nehmend schreibt die Bezirksregierung, dass eine Vereinheitlichung nicht möglich sei: Lässt man das ganze Betriebsgelände aus der Wasserschutzzone heraus, werde man dem Schutzanspruch nicht gerecht. Verlege man hingegen das ganze Gebiet in die Schutzzone hinein, sei das übermäßig streng und daher abzulehnen.

An vielen weiteren Punkten, beispielsweise beim Vichter Friedhof, schreibt die Bezirksregierung, dass man sich in Zukunft eben mit der Städteregion auseinandersetzen müsse. Ähnlich verhält es sich mit der Hahnenkirmes am Tomborn – nach neuem Entwurf ebenfalls im Schutzgebiet.

Wie geht es nun weiter? „Wir befinden uns im Beteiligungsverfahren für Behörden“, sagt Röhm. Sobald dieses abgeschlossen ist, findet eine Beteiligung der Öffentlichkeit statt. Auch hier hat die Stadt die Möglichkeit, weitere Bedenken vorzubringen. Erst wenn diese Verfahren abgeschlossen sind, kann eine neue Verordnung in Kraft treten – wie auch immer diese aussieht.

„Bis die neue Verordnung kommt, bleibt zunächst eine vorläufige gültig“, sagt Röhm. Die vorläufigen Regeln entsprechen den alten, weniger strengen Vorgaben. Wie lange es noch bis zur Umsetzung der neuen Verordnung dauert, vermag der Technische Beigeordnete nicht zu sagen. „Jedenfalls ist das nicht die einzige Stelle in Stolberg, an der wir über neue Wasserschutzrichtlinien verhandeln müssen“, sagt er.

Ebenfalls auf der Agenda der Bezirksregierung steht das Areal um die Wehebachtalsperre. Hier hat man bereits im Vorfeld die alte Regelung um drei Jahre verlängert, in der Hoffnung, dass die für die Verhandlungen um eine neue Verordnung ausreichen.

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