Nacht der Museen „ist einfach genial”

Von: Jan Schlegelmilch
Letzte Aktualisierung:
muse08oben
Sorgt für das krönende Finale einer erfolgreichen 7. Stolberger Museumsnacht: die britische Pink Floyd Cover Band „Us and Them” im Museum Zinkhütter Hof. Foto: J. Schlegelmilch

Stolberg. Es war eine dieser typischen Stolberger Novembernächte: Kalt, regnerisch, grau - eben dieses Wetter, das einen kaum aus dem Haus lockt. Wer an diesem Samstag Abend aber tatsächlich zu Hause blieb, verpasste eine Menge. Über 1000 Besucher der 7. Stolberger Museumsnacht werden das bestätigen können.

Das Kunst- und Kulturevent zog die Gäste aus Stolberg und Umgebung einmal mehr wie ein Magnet an. „Ich habe mir 1200 Besucher gewünscht, die sind mit Sicherheit da gewesen”, zog Petra Grüttemeier-Schläger, Museumspädagogin des Zinkhütter Hofs und Organisatorin des Abends, eine durchweg positive Bilanz.

Dass das Interesse an der siebten Auflage der Museumsnacht äußerst groß war, konnten die vier jungen Fahrerinnen und Fahrer der eingesetzten Shuttle-Busse wohl am besten bestätigen. Noch bis nach Mitternacht steuerten die Busse das Museum Zinkhütter Hof, den Kupferhof Rosental und die Burg an, um die Leute bequem von einem Ort zum nächsten zu befördern. Leer blieb keine der unzähligen Fahrten, schließlich gab es an allen drei Veranstaltungsorten eine Menge zu sehen, zu hören und zu schmecken.

Rein akustisch überzeugten die Künstler, die auf der Bühne im Forum Zinkhütter Hof spielten. Den musikalischen Auftakt in den langen Abend machte dort Gaby Sous mit ihrer Harfe und keltischer Musik. Pianist Gero Körner bewegte sich anschließend stilistisch zwischen Jazz und Klassik.

Die Aachener Acappella-Gruppe „Mit ohne Alles” ließ das Stimmungsbarometer dann kräftig nach oben schnellen, ehe die Pink Floyd Cover Band „Us and Them” zum großen Finale des Abends endgültig platzen ließ. Bis tief in die Nacht feierten noch hunderte Besucher zu den Hits der britischen Rockband. „Diese Nacht ist einfach genial”, wusste Petra Grüttemeier-Schläger später ihre Begeisterung nicht mehr in Worte zu fassen. „Ich weiß nicht mehr, was ich dazu sagen soll. Es wird von Jahr zu Jahr besser, das war noch besser als letztes Jahr.”

Dazu beigetragen haben vor allem das hohe Niveau der vielen Aussteller und Künstler, so Grüttemeier-Schläger. Absagen gab es dabei keine, die Organisatorin war dementsprechend bester Laune. Und das konnten auch die Aussteller und Künstler sein, die ihre Produkte und Werke einem breiten Publikum präsentieren konnten. So auch Rosaana Velasco, die für eine verhinderte Künstlerin eingesprungen war und extra den Weg aus Stuttgart auf sich genommen hatte, um im Zinkhütter Hof ihre lateinamerikanische Kunst auszustellen.

Einen noch weiteren Weg hatte das „libro della notte”, das „Nachtbuch” hinter sich, das Odine Lang in der Galerie des Museums präsentierte. Erst kurz vorher war das außergewöhnliche Buch aus Venedig nach Stolberg geschickt worden. 103 Künstler aus aller Welt haben an dem 60 Meter langen Buch mitgearbeitet, im Rahmen der Museumsnacht war das Nachtbuch das erste Mal in Deutschland zu sehen.

Wie die vielen anderen Künstler und Aussteller nimmt sich Odine Lang dabei die Zeit, den neugierigen Besuchern alle Fragen zu beantworten - Nicht nur Sehen und Staunen, sondern auch darüber kommunizieren, das ist ohnehin eine der großen Stärken des Gesamtkonzepts des etablierten Events.

Ein lockeres Gespräch, der Duft von Kaffee und die urige Einrichtung ist schließlich auch das, was die Atmosphäre in der Kaffeestube des Museums in der Torburg ausmacht. Dort empfängt Elvira von Wirth mit guter Laune ihre Gäste, serviert Getränke, frisch gebackenen Kuchen und verteilt beim Kaffeerösten noch mehr wohlriechende Aromen im Raum.

Nach Wachs riecht es hingegen bei Carmen Cormanns, die im Museum in der Torburg demonstriert, wie ein Schuhmacher vor hunderten von Jahren gearbeitet hat. Auch die Stolberger Burgritter, die es sich auf dem Treppenaufgang zur Burg bequem gemacht haben, versetzen die Besucher in eine vergangenen Zeit.

Hat man das Weglager der Ritter erst einmal passiert, künden lauter Applaus und Musik schon den nächsten Ort des Geschehens an: Im Rittersaal der Burg entführen Märchenerzählerin Barbara Müller und Uli Nobel mit der Gitarre ihr Publikum zunächst in eine andere Welt, ehe die Stolberger Tanzgruppe „Not just dancing” in den alten Gemäuern der Burg mit einem mitreißenden und poppigen Auftritt die Gäste begeistert.

Eine ebenso kontrastreiche Performance zeigt die Band „Jim Limo”, die sich im beeindruckenden Ambiente des Rittersaals musikalisch zwischen Rock, Country, Folk und Pop bewegt. Ein beeindruckendes Ambiente prägt auch den Kupferhof Rosental bei Nacht. Dass dies auch für die Stolberger Altstadt gilt, erfahren die Besucher bei Nachtwächterführungen mit Helma Prössl, die die Gruppen von der Burg bis zum Kupferhof führt.

Während der Abend im Zelt im Garten des Kupferhofes bei Comedy von Jupp Hammerschmidt und Hubert vom Venn, spanischer und lateinamerikanischer Musik des Musikstudios Stolberg sowie Jazz, Swing und Blues der „Blue Bird Combo” ebenso kontrastreich wie auf der Burg und im Zinkhütter Hof gestaltet wird, beeindrucken innen unter anderem Aufnahmen die virtuelle Nachtwanderung durch Stolberg von Dr. Thomas Zimmermann und Axel Pfaff sowie die Floristik von Daniel Schweden, die sich perfekt in das Kaminzimmer des Kupferhofes einfügt.

Apropos Kontrastreich: Dank vieler Aktionen zum Anfassen und Mitmachen im Forum des Zinkhütter Hofs gab es auch für die Kinder keine Langeweile. „Blumammu” alias Hartmut Albrecht brachte die Steinzeit zum Anfassen mit, beim Papierschöpfen, Münzgießen oder auch Laternen und Windlichter basteln durften Kinder selber kreativ werden. „Ich finde es toll hier”, meint Besucherin Anette Grösgen deshalb. „Und es ist wichtig, dass es in Stolberg ein Angebot an Kunst und Kultur gibt.”

Das sieht auch Sebastian Wenzler so: „Der Erfolg zeigt ja, dass es in Stolberg ein Bedarf an gutem Unterhaltungsprogramm, Kunst und Kultur gibt. Die Mischung ist sehr interessant, hier ist für jeden etwas dabei”, resümierte der begeisterte Museumsleiter gegen Mitternacht. Und trotz dieser regnerischen und kalten Novembernacht wollte noch lange niemand nach Hause gehen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert