Stolberg-Schevenhütte - „Nachsitzen“: Restaurant wird zum Klassenzimmer der alten Volksschule

„Nachsitzen“: Restaurant wird zum Klassenzimmer der alten Volksschule

Von: Christian Ebener
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Karin Koss, Peter Jussen und René Sauer (v. l.) begrüßten die zahlreichen Gäste im Restaurant Casino zur Veranstaltung „Nachsitzen“. Foto: Christian Ebener
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Das liebevoll zusammengestellte Jahrbuch konnte jeder Gast als Erinnerung an vergangene Zeiten und das einmalige Treffen erwerben.

Stolberg-Schevenhütte. Vor rund 50 Jahren war endgültig Schluss: Die Volksschule Schevenhütte war ab diesem Zeitpunkt Geschichte. In zwei Klassenzimmern wurden die Stufen eins bis vier und fünf bis acht unterrichtet. Bis zu 40 Kinder in einem Raum – das war keine Seltenheit.

Mit der Modernisierung des Schulsystems war jedoch für solche „Zwergschulen“ kein Platz mehr und am 15. Oktober 1968 verließen dann auch die letzten Schüler das Gebäude und gingen fortan nach Gressenich oder auf andere Schulen.

In rund 250 Jahren haben sich jede Menge Geschichten und Namen mit der Schule verwoben und René Sauer wollte in diesem Jahr so viele Zeitzeugen wie möglich zusammenholen. Zu dem „einmaligen Klassentreffen“, wie er selbst sagte, kamen im Restaurant Casino Schevenhütte 152 Gäste. Die Erwartungen von Sauer und seinen Mitstreitern wurden bei weitem übertroffen, das Restaurant platzte aus allen Nähten.

Das Organisationsteam um Sauer, Robert Wolff, Pauline Frantz, Bertha Frantz, Marianne Mund, Gerti Eymael, Ulla Munscheid, Karin Koss, Brigitte Breuer, Bert Häckler, Irene Plum und Helga Krüger hatten für diesen Abend alle Hebel in Bewegung gesetzt. Adressen aller noch lebenden Schüler wurden ermittelt, ein Programm ausgearbeitet und das Fotobuch wurde gestaltet. Gerade bei den älteren Jahrgängen gestalteten sich die Recherchen anspruchsvoll, aber per Mail, Post und Mundpropaganda konnten doch zahlreiche Schüler erreicht werden.

Dass so viele davon den Ruf zum Schultreffen wahrnahmen, freute das ganze Team, das sich zu diesem besonderen Jubiläum nicht auf einzelne Klassen beschränken wollte, sondern so viele wie möglich zusammentrommelte. Ein Treffen für alle, „egal ob Auswanderer, Stolberger oder Kriegsflüchtlinge“, wie Sauer später betonte. Dabei gingen Einladungen in acht Länder auf immerhin drei Kontinenten. Ein große logistische Leistung, die das Organisationsteam, aufgeteilt nach Jahrgängen, mit viel Ehrgeiz übernahm.

Am großen Tag trafen sich dann die ersten Volksschüler in der St. Joseph Pfarrkirche zur gemeinsamen Andacht, während im Restaurant die ersten Vorbereitungen getroffen wurden. Gegen 19 Uhr waren die Räume dann auch schon prall gefüllt, zahllose Menschen mit ihren persönlichen Namensschildern streiften umher, trafen alte Mitschüler und Freunde. Überall wurden Geschichten ausgetauscht und über die unterschiedlichen Schicksale geredet. Zahllos oft festgehalten von Fotograf Herbert Strassfeld, der diese Aufgabe ehrenamtlich übernahm.

Zur großen Auftaktrede musste dann „zur Ordnung gerufen werden, wie früher“, stellte auch Karin Koss fest. Sie begrüßte mit Sauer die Gäste und beide bedankten sich für die große Resonanz und vielen Helfer, die diesen Abend ermöglichten. „Unser Matador“, wie Koss Sauer nannte, erhielt dabei für die Ausarbeitung seiner Idee einen ganz besonderen Applaus und einen Präsentkorb als Andenken.

Erinnerungen an gemeinsame Zeit

„Erinnerungen“ sollten das zentrale Thema des Abends sein. Dazu wurde auch der Text „Ausgangspunkt“ vorgetragen, der treffend die Bedeutung der Erinnerungen an die gemeinsame Zeit untermauerte. „Es ist ein Ereignis, das in dieser Form einzigartig ist in Stolberg“, bestätigte den vielen Gästen auch der stellvertretende Bürgermeister Peter Jussen, der das besondere Engagement der Schevenhüttener würdigte. Er wünschte allen Beteiligten, dass sie ihre Erinnerung an „gute, alte und vergangene Zeiten“ austauschen können und der Zusammenhalt weiterhin so gut funktioniert. Besonders die Wertigkeit einer solchen Begegnungskultur betonte er und erhielt dafür zustimmenden Applaus der Gäste.

Auch Lars Krüger, Vorsitzender des Heimatvereins, fand dieses Treffen „richtig beeindruckend“ und wünschte allen Teilnehmern: „Behaltet Schevenhütte im Herzen!“ Unterstützung dafür gab es von Pfarrer Norbert Bolz, der sich einen Besuch selbstverständlich nicht nehmen ließ. Das galt besonders für die Rekordhalter des Abends, die gegen 20.30 Uhr ausgezeichnet wurden: So waren die ältesten Anwesenden, Ursula Deselaer und Josef Stiel, bereits in den 1920er Jahren geboren und fanden doch den Weg in das Restaurant.

Aber auch tollkühne Anreisen wurden auf sich genommen, wie Renate Gülden bewies, die extra aus Ungarn nach Schevenhütte zum Treffen kam. Als jüngster Schüler wurde zudem H. G. Schlottke geehrt. Gäste der besonderen Art wurden später dann noch per Internet zugeschaltet: Peter Ausmus Krickhuhn und Hans Froitzheim aus Kalinofrnien, sowie Petra Wolff aus New York ließen es sich trotz tausenden Kilometern Entfernung nicht nehmen, an diesem Abend mitzuwirken.

Bis nach 1 Uhr sollte das Restaurant im Anschluss noch gefüllt werden, während alte Freundschaften bei Speis und Trank wiederbelebt oder auch verstärkt worden. Ein Abend auf den wohl noch lange zurückgeblickt werden wird und der René Sauer und sein Team sichtbar mit Stolz erfüllte. Der beste Beweis war sicherlich, dass sich Stück für Stück ein Gefühl breit machte: Dass die Volksschule Schevenhütte nie verschwunden sei, sondern das Restaurant einfach zum Klassenzimmer gemacht wurde – zumindest für diesen Abend.

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