Nachschlag gibt es vorerst nicht bei Prym

Von: Michael Grobusch
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Ruhe im Tal? Bei der Firma Pry
Ruhe im Tal? Bei der Firma Prym (Gebäude im Hintergrund) wird derzeit über die Umsetzung der zweiten tariflichen Entgelterhöhung von 2,7 Prozent diskutiert. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer. Und ein gutes erstes Quartal noch kein erfolgreiches Jahr. Nun ist die Firma Prym derzeit weit davon entfernt, Trübsal zu blasen.

Aber dennoch hat sich nach den rosigen Umsatzzahlen der ersten drei Monate offenbar eine gewisse Ernüchterung eingestellt.

Das mag auch daran liegen, dass das Unternehmen nach Aussage von Andreas Engelhardt auf ein „starkes Jahr 2010” zurückblickt, das nicht zuletzt geprägt wurde durch die Reduzierung des EU-Bußgeldes um
satte 25 Millionen Euro - plus Zinseffekte.

Stabil auf hohem Niveau

Der Vorsitzende der Geschäftsführung betont: „Mit der Situation des Gesamtkonzerns bin ich sehr zufrieden. Viele Bereiche laufen auf einem stabil hohen Niveau.” Und dennoch kommt er nicht umhin, auf Nachfrage ein gewisses „Aber” einzuräumen, das sich - nicht zum ersten Mal - auf die Prym-Sektion „Fashion” bezieht. Die Verschluss-Systeme- und Accessoires-Sparte des Unternehmens hat nach Informationen unserer Zeitung in den vergangenen Monaten erhebliche Auftragsrückgänge hinnehmen müssen und ist damit einmal mehr das Problemkind des Familienunternehmens.

Andreas Engelhardt spricht von einer „leichten Marktdelle”, räumt ein, „dass wir die geplanten Umsätze nicht realisiert haben” und verweist auf Rahmenbedingungen, die von Prym nicht beeinflusst werden können. „Da ist zum Beispiel die Entwicklung im Textilbereich. Der immense Preisanstieg für Baumwolle trifft uns indirekt auch”, erklärt der Geschäftsführer.

Nicht nur indirekt, sondern direkt treffen die Auswirkungen des schleppenden Geschäftes wohl die Mitarbeiter am Standort Stolberg. Denn die von Arbeitgeberverband und IG Metall im Pilotabschluss für NRW vereinbarte weitere Entgeltanhebung um 2,7 Prozent, die laut Tarifvertrag spätestens zum 1. Juni vollzogen werden sollte, lässt in der Kupferstadt noch auf sich warten. „Wir haben mit der IG Metall in Stolberg klare Spielregeln vereinbart, und an die werden wir uns halten”, betont Geschäftsführer Engelhardt. Demnach hängt die Erhöhung vom Gesamtergebnis des Konzerns am Standort ab. „Und im Moment reichen die Ergebnisse nicht aus, um die 2,7 Prozent vertreten zu können.”

Unabhängiger Gutachter

Ob die IG Metall diese Einschätzung teilt, kann Helmut Wirtz zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht sagen. „Prinzipiell haben wir vereinbart, dass die Entgelterhöhung erfolgt, wenn ein Quartal in Stolberg positiv abgeschlossen worden ist und die Ausrichtung der folgenden drei Monate genauso ist”, berichtet der Geschäftsführer der IG Metall. Das abschließende Ergebnis des zweiten Quartals wird für Ende Juli, Anfang August erwartet. Schon jetzt aber prüft ein unabhängiger Wirtschaftsexperte im Auftrag der Gewerkschaft die Geschäftszahlen von Prym - mit vollem Einverständnis des Unternehmens, wie Wirtz unterstreicht. Klar erscheint bereits zu sein, dass die Bewertung von Inovan und Consumer erfreulich ausfallen wird. Offen ist hingegen, in welchem Maße die Gesamtbilanz durch Fashion getrübt wird.

Andreas Engelhardt will sich hinsichtlich der Tariferhöhung auf eine derartige Differenzierung nicht einlassen. „Es geht nicht darum, einen bösen Buben ausfindig zu machen. Es geht darum, dass wir möglichst erfolgreich arbeiten - miteinander.” Der Geschäftsführer appelliert, die jüngere Vergangenheit nicht zu vergessen. „Man muss immer sehen, wo wir herkommen. Wir haben sehr schwierige Zeiten gehabt. Und wir sind aus der Krise heraus in stabilere Verhältnisse gegangen und haben heute recht sichere Arbeitsplätze”, so Engelhardt. Außerdem sei nach dem erheblichen Straferlass durch die Europäische Union die Rückkehr zum Manteltarifvertrag vollzogen worden. „Heute bekommen unsere Mitarbeiter wieder ihr reguläres Gehalt.” Das bestätigt auch Helmut Wirtz, der an der im vergangenen Herbst getroffenen Hausvereinbarung maßgeblich beteiligt war.

Was also noch fehlt, sind die 2,7 Prozent mehr Geld. Und die Schlussfolgerung des unabhängigen Gutachters. Andreas Engelhardt ist aber schon jetzt sicher: „Wir werden die angestrebten positiven Jahresergebnisse erreichen. Und dann sind wir auch in der Lage, die Entgelterhöhung zu tragen.”

Ein Fest

Für den Fall einer Reduzierung des EU-Bußgeldes hatte Andreas Engelhardt der Belegschaft ein Fest versprochen. Dieses Versprechen löst der Vorsitzende der Geschäftsführung nun am kommenden Samstag, 16. Juli, ein.

Ab 18 Uhr sind dann alle Mitarbeiter eingeladen, auf dem Betriebsgelände „das Geschäft mal Geschäft sein zu lassen und gemeinsam ein paar schöne Stunden mit Kollegen zu verbringen”, wie es Engelhardt formuliert.

Das Fest sei Ausdruck des Dankes an die Prymaner, die während der weltweiten Wirtschaftskrise und angesichts der zwischenzeitlich schweren Last der Kartellstrafe einen erheblichen Beitrag zur Zukunftssicherung des Unternehmens geleistet hätten.

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