Nach vier Jahren Zwangspause: Sonnenaufgang für Büsbacher Dorfprojekt

Von: Jürgen Lange
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Der Sonnenaufgang über dem neuen und einzigen Kinderspielplatz ist wie ein symbolischer Hoffnungsschimmer für die Dorfentwicklung. Die Große Koalition hat für das kommende Jahr wieder Mittel bereit gestellt, damit Planer und Bürger gemeinsam an der Zukunftsgestaltung des größten Stolberger Stadtteils arbeiten können. Foto: J. Lange
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Nicht nur der Bareschesser am Markt wartet darauf, dass das Büsbacher Zentrum einheitlich, attraktiver und lebenswerter gestaltet wird. Foto: J. Lange
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Am 16. August 2008 weilte die Jury der Städteregion in Büsbach: Wie im Märchen vom Froschkönig wartet das Dorf darauf, wach geküsst zu werden. Dafür gibt‘s jetzt zumindest einmal Geld von der Stadt. Foto: J. Lange

Stolberg-Büsbach. Den 25. Februar 2010 hat Günther Dahmen als traurigen Tag in Erinnerung. Mit ihm wurden erst einmal alle Hoffnungen der Büsbacher auf die Umsetzung einer Neugestaltung des Dorfkerns zu Grabe getragen. Als zuständiger Fachbereichsleiter informierte Andreas Pickhardt im Bauausschuss über die Einstellung aller Planungen, also auch für Mausbachs Markusplatz.

Drohend überschuldet hatte die damalige Ampelkoalition in der Kupferstadt kein Geld mehr für solche Investitionen in die Infrastruktur des Lebensumfeldes ihrer Bürger in den Stadtteilen übrig.

Dagegen sorgte der 19. November wieder für ein freudiges Morgenrot über dem Büsbacher Himmel. Mit der Verabschiedung des Haushaltes durch CDU, SPD und Grüne stehen für das kommende Jahr 15.000 Euro und für 2015 weitere 10.000 Euro für die Fortsetzung der Dorfentwicklung von Büsbach bereit. Dass das Programm während der vergangenen vier Jahre nicht in der Versenkung gelandet ist, ist auch einem etwas „penetrant nervenden Ratsherrn“, wie es auf den Rathausfluren zu hören ist, zu verdanken: Siegfried Pietz hat dort bei allen passenden und weniger erwünschten Gelegenheiten die Realisierung der Pläne im Barenland angemahnt.

Und der Christdemokrat hat sich stets dafür engagiert, dass in der Zwischenzeit nichts anbrennt: Mit Büsbacher Politikern anderer Couleur und ungebundenen, aber nicht minder engagierten Bürgern gelang es, im weiten Umfeld des Marktplatzes all das zu verhindern, was dem angestrebten Konzept aus einem Guss hätte im Wege stehen können. Beispiele dafür waren eine Verlegung der Bushaltestelle und Veränderungen an der Einmündungssituation der Bischofstraße.

„Es war wichtig, dass uns so keine Gestaltungsmöglichkeiten verbaut wurden“, betont heute erleichtert Günter Dahmen, der Sprecher des Büsbacher Dorfforums. Er war gemeinsam mit Günter Hoven Anfang 2008 einer der ersten, die „bekennende Dörfler“ um sich scharten, um Büsbach beim städteregionalen Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ präsentieren zu können - ganz getreu dem Motto aus der Historie für die Zukunft zu lernen und um Bewährtes zu bewahren und weiterzuentwickeln. Zu den Aktivposten im Forum zählen seitdem auch Walter Clahsen, ehemaliger Rektor und früherer KG-Präsident, und André Brümmer, der Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger in der SPD und langjährige „Fernseh-Händler“ im Ort.

Sie schafften es, Büsbach der Jury so zu präsentieren, dass das Dorf Eindruck schindete. Die Silbermedaille war der Lohn und damit verbunden eine von städteregionalen Regionalentwicklerin Ruth Roelen moderierten Planungswerkstatt unter Beteiligung von Experten der Aachener Fachhochschule und RWTH. Das Ergebnis erstaunte selbst im Ort. In drei unterschiedlichen und getrennt beratenden Arbeitsgruppen kamen etwa zwei Dutzend Büsbacher zu einem einheitlichen Ergebnis: Der weitläufige Bereich um den Marktplatz soll durch ein einheitliches Bild als Zentrum des Dorfes herausgestellt werden.

„Wir in Büsbach“

Etwa zwischen Post und Galmeistraße nebst Einmündungsbereich von Bischofstraße und Denkmal sollen die Konrad-Adenauer-Straße niveaugleich mit identischem Belag gestaltet, der Markt aus seiner Seitenlage hervorgeholt und die Eingangsbereiche betont werden.

„Das waren zwar alles nur Skizzen mit vielen kleinen unterschiedlichen Details“, sagt Dahmen, „aber sie zeigten, dass die Büsbacher da auf einer Linie sind.“ Die Visionen aus dem Barenland sollten dann von einem Planungsbüro gemeinsam mit den Bürgern in einem ordentlichen Planungsentwurf zusammengefasst werden. „Auf dieser Basis hätten dann einzelne Projekte peu á peu, so wie die Finanzen es ermöglichen, wie bei einem Puzzle umgesetzt werden können“, so Dahmen: „Das ist der richtige Weg“, einer zukunftsträchtigen Dorfentwicklung keine ungewollten Steine in den Weg zu legen, die im Nachhinein nicht mehr ausgeräumt werden könnten und würden. Doch die Schaffung des Rahmenkonzeptes scheiterte bis dato an fehlenden Finanzen.

Frustrierend waren für die Büsbacher die vergangenen Jahre des Verhinderns und des Wartens – auch auf die Lösung ungelöster Probleme. Mittlerweile steht der einzige Kinderspielplatz des Ortes auf dem Brockenberg zwar vor der Fertigstellung, aber er gilt als nicht ausreichend für den größten Stadtteil Stolbergs. Die ältere Jugend vermisst Attraktivität, Senioren würden sich über einige weitere Ecken zum Verweilen freuen, und mittlerweile bleibt selbst Büsbach von der Leerstands-Problematik nicht verschont.

Im Rathaus freut sich Andreas Pickhardt über die Rückkehr der finanziellen Möglichkeiten für Büsbach. „Wir möchten nächstes Jahr da anknüpfen, wo wir aufhören mussten“, sagt der für Stadtentwicklung zuständige Fachbereichsleiter. Das bereits involvierte Büro 3D soll im kommenden Jahr beginnen, gemeinsam mit den Bürgern den Rahmenplan aufzustellen.

Doch so ganz untätig waren engagierte Büsbacher hinter den Kulissen dann doch nicht. Seit vielen Monaten wird gearbeitet an und beraten über einen Dachverband nicht nur für Vereine, sondern auch für einzelne Bürger, die sich für Büsbach auf unterschiedliche Weise engagieren wollen. Vor Ort sind einige Geschäftsleute bereits zusammengeschlossen im Büsbacher Aktionsring Handel und Handwerk, der wiederum einer von zwölf Mitgliedsverbänden in der Interessengemeinschaft Büsbacher Vereine ist.

„Wir sollten attraktiver für andere werden“, markierte deren Vorsitzender Georg Blatzheim bereits vor einem Jahr und läutete damit eine Öffnung der IG für juristische wie auch Einzelpersonen ein. Auf der Jahreshauptversammlung am morgigen Abend sollen die Grundlagen geschaffen werden für den Zusammenschluss „Wir in Büsbach“.

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