Nach fast 40 Jahren bei Prym wechselt Ralf Radmacher zur IG Metall

Von: Michael Grobusch
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Das Schild am Haupteingang des Stolberger Firmensitzes von Prym wird Ralf Radmacher in Zukunft nur als Vertreter der IG Metall passieren. Nach fast 40 Jahren stellt sich der langjährige Betriebsratsvorsitzende einer neuen Herausforderung. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Der Dienstbeginn hätte auf kein besseres Datum fallen können: Am gestrigen 1. Mai, dem Tag der Arbeit, hat Ralf Radmacher offiziell seinen Job als Gewerkschaftssekretär der IG Metall Stolberg/Eschweiler angetreten. Der 56-Jährige wagt sich nach genau 39 Jahren und acht Monaten bei der Firma Prym an eine neue Aufgabe heran. Warum der langjährige Betriebsratsvorsitzende das tut und welche Ziele er mit seinem Stellenwechsel verbindet, hat er im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert.

Sie waren Standort-Betriebsratsvorsitzender, Konzern- und Europa-Betriebsratsvorsitzender. Was hat Sie dazu bewogen, nach fast 40 sehr erfolgreichen Jahren bei Prym zu kündigen?

Radmacher: Ich war beruflich schon seit längerem am Zenit angelangt und hätte maximal noch Welt-Betriebsratsvorsitzender werden können. Wobei man diese Funktion bei Prym zunächst noch hätte schaffen müssen, was wenig Sinn gemacht hätte. Vor diesem Hintergrund hatte ich einfach Lust auf etwas grundlegend Neues. Und als mich der Ortsvorstand der IG Metall Mitte 2014 gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte, als Nachfolger von Georg Moik Sekretär zu werden, habe ich nicht lange überlegen müssen.

Fällt Ihnen der Abschied von Prym schwer?

Radmacher: Natürlich ist auch ein bisschen Wehmut im Spiel, aber es überwiegt in jedem Fall die Freude auf die neue Aufgabe. Ich muss kein schlechtes Gewissen haben, denn in verlasse Prym in einer Phase, in der das Unternehmen auf einem richtig guten Weg ist.

Was bedeutet das konkret?

Radmacher: Prym schreibt wieder in allen Bereichen schwarze Zahlen, das ist viele Jahre lang nicht so gewesen. Das Unternehmen entwickelt sich durchgängig gut. Das hat viel mit dem Finanzmanagement zu tun. Die gesamte Abteilung macht eine richtig gute Arbeit. Das zahlt sich aus.

Welche Aufgabe werden Sie bei der IG Metall übernehmen?

Radmacher: Wir werden die bisherige Aufgabenteilung weiterführen. Das bedeutet, dass ich in erster Linie die Betriebe in Eschweiler betreue und sich Helmut Wirtz und in seiner Nachfolge Martin Peters um die Kollegen in Stolberg kümmert. Aber da wir ja nur zu zweit sind, wird es im Vertretungsfall natürlich auch schon mal anders sein.

Nach einer Übergangsphase mit Helmut Wirtz als Geschäftsführer und 1. Bevollmächtigten wird die IG Metall ab Juni mit einem ganz neuen Team in Stolberg und Eschweiler vertreten sein. Werden Sie dann auch neue Schwerpunkte setzen?

Radmacher: Das werden wir erst besprechen und entscheiden, wenn das neue Team zusammen und komplett ist. Zu diesem zählt neben Martin Peters und mir auch Alexandra Deutscher, die in Zukunft mit einer halben Stelle im Sekretariat arbeiten wird – gemeinsam mit Margit Klaes, der dann einzig Verbliebenen von der bisherigen Besetzung. Wir sind zwei Jüngere und zwei Ältere. Das ist doch eine schöne Ergänzung.

Und wer ist der Chef?

Radmacher: Ganz eindeutig Martin Peters als gewählter 1. Bevollmächtigter. Und das ist auch gut so. Ich selbst habe ihn damals auf einer Klausurtagung als möglichen Nachfolger von Helmut Wirtz vorgeschlagen, er ist mein absoluter Wunschkandidat. Die Chemie stimmt zwischen uns. Das ist ganz wichtig, um eine gute und erfolgreiche Arbeit leisten zu können

Wie groß ist der Schatten von Helmut Wirtz?

Radmacher: Wir können und wollen Helmut Wirtz nicht klonen. Und wir sollten ihn auch nicht mit Martin vergleichen. Ich bin überzeugt, dass Martin Peters einen richtig guten Job machen wird, wenn auch sicherlich auf eine etwas andere Art als sein Vorgänger.

Und welche Rolle wird Helmut Wirtz nach der Wahl seines Nachfolgers am 28. Mai spielen?

Radmacher: Er wird, das ist auch sein eigener Wunsch, keinerlei Neben- oder Beraterrolle einnehmen. Für Helmut ist Ende Mai Schluss. Aber natürlich können wir ihn anrufen, wenn wir seinen Rat brauchen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Verwaltungsstelle Stolberg?

Radmacher: Die sehe ich als sehr positiv. Mehr möchte ich dazu allerdings im Moment nicht sagen.

Das heißt, eine Fusion mit Düren oder Aachen ist kein Thema?

Radmacher: Derzeit sicher nicht.

Welches sind wichtige Aufgaben, die sich in Ihrem neuen Job stellen?

Radmacher: Wir werden kurzfristig dafür kämpfen, dass im Rahmen der Haustarifverhandlungen bei Prym der NRW-Abschluss übernommen wird. Zurzeit sind wir allerdings von einer Einigung noch weit entfernt. Längerfristig betrachtet wollen wir versuchen, unsere Mitgliederzahlen zu halten, was nicht einfach ist. Schließlich gibt es in Stolberg und Eschweiler fast nur Altbetriebe und kaum neue Industrien. Wir müssen gemeinsam mit der Politik versuchen, neue Ansiedlungen zu erreichen und damit auch neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das gilt jedoch nicht nur für Stolberg und Eschweiler.

Ist die IG Metall für die Zukunft gerüstet?

Radmacher: Auf jeden Fall. Sie ist der stärkste Gewerkschaftsmotor in Deutschland und wird das auch bleiben. Die Trainee-Programme, von denen ich jetzt einige durchlaufe, sind auf eine moderne und erfolgreiche Zukunft ausgerichtet. Das würde ich mir bei vielen Unternehmen, die die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt haben, auch wünschen.

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