Nach Einbrüchen in Geschäften: Holztüre und „Spinnennetz“ sind Trend

Von: Jürgen Lange
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Glaser wie Helmut Fahrbüchel haben derzeit Hochkonjunktur. Allzu oft ist in Stolberg das „Spinnennetz“ der Sicherungsarbeiten der Glaser nach Einbrüchen zu entdecken. Foto: J. Lange

Stolberg. Sie sind zwar individuelle Designerstücke und liegen im Trend, aber die Holztüren in vielen Geschäftslokalen sind ebenso wie die „Spinnennetze“ der Glaser nur traurige Visitenkarten der Kriminalität. Ob Sanitätshaus, Bekleidungsgeschäft, Telekommunikation, Optiker, Lotto- und Tabakwaren, Apotheke oder gar Blumenladen: Kein Geschäft in Stolberg ist mehr vor einem Einbruch sicher.

Seit dem 1. Oktober sind es „rund zwei Dutzend Einbrüche in Geschäftslokale“, wie die Polizei auf Anfrage erklärte. Genaue Zahlen mag das Aachener Präsidium „wegen landesweiter Vorgaben“ und mit Verweis auf die Pressekonferenz zur Kriminalitätsentwicklung jedes Frühjahr nicht benennen. Im März waren bei dieser Gelegenheit insgesamt 420 Einbrüche in 2014 und 370 im Jahr 2013 aufgelistet worden; davon 49 bzw. 47 in Geschäfte. Nun waren es also um die 24 Taten alleine innerhalb der letzen fünf Wochen.

Das jüngste Ziel ist der Tabakladen von Silvia Hoss. Am frühen Morgen schlagen Unbekannte die gläserne Tür ein, fast alle Zigaretten und ein wenig Kleingeld sind ihre Beute. Der angerichtete Schaden ist um ein Vielfaches höher. „Das Geschäft besteht seit 70 Jahren“, erinnert sich Heinz Hoss an 15 Überfälle in den letzten zwei Dutzend Jahren; 14 sind nie aufgeklärt worden. Drei Einbrüche ereigneten sich in den letzten zwei Jahren. Zwei Türen und ein Schaufenster wurden so erneuert.

Für die nächsten Wochen dient eine stahlverstärkte Holztür als Einlass. „Bis die neue Glastür da ist, dauert es bestimmt drei Wochen“, sagt Helmut Fahrbüchel von Glas Lapp. „Ich habe jedenfalls alle Hände voll zu tun“, bringt Fahrbüchel die Einbruchsbilanz der letzten Wochen auf einen klaren Nenner. Während Fahrbüchel in Münsterbusch die letzten Scherben beiseite kehrt, ist der Kollege von Glas Olbrich dabei, eine Holztür im Burg-Center wieder durch eine gläserne zu ersetzen: Im Atelier Floral hatten unbekannte Täter ein wenig Münzgeld erbeutet.

Die Nachbarn aus der Telekommunikationsbranche bekommen hier regelmäßig ungebetenen Besuch. Und vergangenen Montag mussten die Glaser zudem wieder einmal eins ihrer „Spinnennetze“ auf die Fensterscheibe eines Tabakwarenladens kleben.

Wenige Schritte weiter im Steinweg waren Unbekannte Anfang September bei Mode Kohler eingestiegen, indem sie die Eingangstür zertrümmerten, eine Lederjacke und wenige Münzen entwendeten. Mittlerweile ist die Holztür wieder ausgetauscht. Anstelle der gläsernen Doppeltür ließ Andreas Kohler Glastüren mit Metallrahmen installieren. „Und schon wieder wurde versucht, sie aufzuhebeln“, sagt der Inhaber des alteingesessenen Bekleidungshauses.

Keine zwei Dutzend Meter weiter hat Jutta Nießen-Dohmen ein Schild mit großen Lettern auf die Holztür geklebt, damit Kunden keinen neuerlichen Leerstand in der Innenstadt mutmaßen: „Geöffnet – Tür ist nur eine Ersatztür nach einem weiteren Einbruch“, steht dort zu lesen. Diesmal entkamen die Täter mit einem Arm voll Kinderjacken. Ziel von Einbrechern wurde auch ein Sanitätshaus in Blickweite: „Ob die dort Prothesen klauen wollten?“, sagt Nießen-Dohmen. Mit Galgenhumor kämpft Stolbergs Einzelhandel an gegen diese Häufung von Einbrüchen, bei denen kaum Beute gemacht, aber großer Schaden angerichtet wird. In Oberstolberg wie auf der Mühle.

Innerhalb von drei Wochen wurde im August in einen Kiosk an der Roderburgstraße eingebrochen. Mittlerweile hat der Inhaber aufgerüstet: Ein schmiedeeisernes Gitter ziert jetzt die Schaufensterfront. Und in der weiteren Umgebung zieren die „Spinnennetze“ der Glaser eine Handvoll Fenster.

Atsch, Donnerberg, Liester, Mausbach, Münsterbusch: Auch Apotheken sind in diesen Wochen beliebte Ziele von Tätern. Dabei geht es weniger um Betäubungsmittel, denn um ein paar Münzen Kleingeld, die vielleicht erbeutet werden könnten.

Und was sagt die Polizei? „Es gibt gute Ermittlungsansätze“, beteuert Pressesprecherin Petra Wienen. „Die Kripo hat Täter im Visier, und die Ermittlungen laufen zurzeit auf Hochtouren“. Details dazu sollen nicht öffentlich werden: „aus ermittlungstaktischen Gründen.“ Aber die Polizei arbeite durchaus erfolgreich: „Die Aufklärungsquote hat sich positiv entwickelt“, sagt Wienen. „Sie liegt um sechs Prozent höher als im Vorjahr“. 2014 lag die Quote bei Einbrüchen in Geschäfte bei 14,29 Prozent, in Wohnungen bei 21,21 Prozent, in Keller bei 16,13 Prozent, in Gaststätten bei 0,0 Prozent.

Von einer Sicherheitslücke, wie in der Bürgerschaft unterstellt, „kann keine Rede sein“, erklärt die Polizeisprecherin. Sie dementiert auch das, was laut Opfer die an den Tatorten eingesetzten Beamten gesagt hätten: Der Polizei fehle das Personal, um wirkungsvoll Kriminalität zu verhindern und zu bekämpfen. Das sieht das Präsidium anders: „Es ist eine ausreichende Anzahl von Beamten im Bereich tätig“, erläutert Wienen. Diese würden „situations-, einsatz- und anlassbezogen eingesetzt“.

Und wie sieht es zu Beginn der dunklen Jahreszeit mit der Saison für Wohnungseinbrecher aus? Im Vergleich zum Vorjahr sind – mit Stand Ende September – die Delikte um vier Prozent rückläufig. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote angestiegen: um 25 Prozent. Zudem könne die Festnahme eines regional und auch in Stolberg operierenden Trios im August als Erfolg verbucht werden, dem 120 Taten zuzuordnen waren. Darüber hinaus sensibilisiere die Polizei die Bürger, wachsam zu sein und bei Wahrnehmungen unverzüglich die Telefon 110 anzurufen. Beispielhaft dafür sei die landesweite Kampagne „Riegel vor“.

Sorgen bereitet den Stolbergern aber auch die Sicherheitslage, insbesondere auf der Mühle, angesichts von Glücksspiel, Prostitution, Überfällen und Rockerbanden. „Wir haben die Örtlichkeit verstärkt im Blick“, versichert die Polizeisprecherin. „Uniformierte und zivile Kräfte sind vor Ort präsent.“ In jüngster Vergangenheit und in Zukunft hat und werde es gemeinsame Kontrollen mit städtischen Ordnungskräften geben.

„Eine gute Zusammenarbeit mit der Polizei“, bestätigt auch der städtische Pressesprecher Robert Walz. Und Tim Grüttemeier kündigt eine Offensive der Stadt an. „Wie werden mit Ordnungsamt und Bauordnungsamt alles im Rahmen unserer Möglichkeiten tun, um Probleme in den Griff zu bekommen“, versichert der Bürgermeister. Aber Grüttemeier sagt auch sehr deutlich: „Die Bekämpfung der Kriminalität ist und bleibt die Aufgabe der Polizei.“

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