Nach dem Abi für sechs Monate nach Indien

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Stolberg/Hamich. Am meisten hat Constanze Freyberger die unglaubliche Gastfreundschaft beeindruckt. „Die Menschen in Indien sind sehr arm. Und trotzdem haben sie uns immer eingeladen. Zu einem Chai-Tee oder sogar zum Essen.“ Constanze Freyberger, die mit ihrer Familie im Langerweher Ortsteil Hamich wohnt, hat im vergangenen Jahr am Stolberger Ritzefeld-Gymnasium ihr Abitur gemacht.

 „Danach wollte ich ein halbes Jahr ins Ausland, am liebsten eigentlich nach Afrika. Schließlich ist es aber Indien geworden.“ Die 18-Jährige hat einen Freiwilligendienst im Norden Indiens absolviert, sie hat in der Nähe der Stadt Dehradun mit knapp 600.000 Einwohnern gelebt und gearbeitet. Organisiert wurde Constanzes Einsatz von dem Dürener Verein „Nothelfergemeinschaft“ (siehe Kasten). Die junge Frau hat in einem Vorort von Dehradun und in einem kleinen Dorf im Himalaya-Gebirges gearbeitet. „Ich wollte nur ein halbes Jahr ins Ausland“, erzählt Constanze. „Weil ich eben doch ein bisschen ein mulmiges Gefühl hatte. Das war in Indien möglich. Deswegen habe ich mich für dieses Land entschieden.

Große Umstellung

Das Leben in Indien war für Constanze Freyberger eine große Umstellung. Natürlich hat sie sich vorher aus Büchern und im Internet über das riesengroße Land informiert und auch an einem zweitägigen Vorbereitungstreffen teilgenommen. „Trotzdem war alles neu, alles anders.“ Das Leben, so Constanze, sei um einiges einfacher als in Deutschland. „Vor allem das Leben in den Bergen. Mein Bett war ein Holzbrett auf vier Beinen, die Toilette einfach nur ein Loch im Boden. Anstelle von Klopapier mussten wir Wasser und unsere linke Hand benutzen. Das ist in Indien so üblich.“ Auch eine normale Dusche gab es nicht. Constanze: „Es gab einen Eimer mit kaltem Wasser und ein Stück Seife. Mehr nicht.“ Anfangs sei das sehr schwer gewesen. „Aber ich habe gelernt, dass ich auch mit viel weniger Luxus und Komfort auskommen kann. Und ich weiß die Dinge, die für mich bisher absolut selbstverständlich waren, viel mehr zu schätzen.“

In Indien hat Constanze Freyberger sich für Kinder und Jugendliche eingesetzt. „Viele Kinder müssen schon sehr früh arbeiten und gehen nicht lange zur Schule.“ Constanze hat Kinder unterrichtet, sie hat deren Familien besucht und nachmittags mit den Jungen und Mädchen gespielt. „Besonders die Familienbesuche haben mich sehr beeindruckt, weil ich einen unmittelbaren Einblick in das Alltagsleben der Menschen bekommen habe.“ Dieses Leben sei von Armut geprägt. „Die Menschen waren unglaublich dankbar, dass wir sie besucht haben und auch versucht haben, ihnen zu helfen.“

Alltag fröhlicher gestalten

Den hauptamtlichen Lehrern in der Schule hat Constanze einfache Tricks gezeigt, die den Alltag fröhlicher und angenehmer gestalten. „Wir haben mit den Kindern Stockbrot gebacken, das kannten die Leute gar nicht. Und einmal haben wir mit ihnen unter dem Motto „Clean your Village“ den Müll in ihrem Dorf eingesammelt. Das hat allen viel Spaß gemacht, und es hat etwas gebracht.“ Constanze Freyberger hat sogar ein bisschen Hindi gelernt und ist auch fünf Wochen durch Indien gereist, um das Land besser kennenzulernen. Die junge Frau ist von ihrer Zeit in Indien stark geprägt worden. „Ich habe gelernt, wie gut ich es zu Hause habe“, sagt sie. „Eine warme Dusche und ein weiches Bett habe ich sehr vermisst. Und ich habe gelernt, wie wichtig mir meine Familie ist.“ Früher habe sie sich immer vorgenommen, möglichst weit weg von zu Hause zu studieren. „Heute ist das nicht mehr mein Ziel. Ich möchte in der Nähe bleiben, damit ich meine Familie regelmäßig sehen kann.“

Constanze Freyberger will Medizin studieren, sie möchte Ärztin werden. „Das war auch schon vor Indien mein Ziel“, sagt sie. „Aber ich kann mir vorstellen, mich später bei ‚Ärzte ohne Grenzen‘ zu engagieren.“ Und dann vielleicht noch einmal nach Indien zurückzukehren...

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