Stolberg - Nach Beiß-Attacke: „Peta“ meldet sich zu Wort

Nach Beiß-Attacke: „Peta“ meldet sich zu Wort

Von: ds
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Was hier witzig gemeint ist, endete Pfingssamstag tragisch: Ein Hund attackierte seine Halter und verletzte sie schwer. Foto: imago/Horst Rudel

Stolberg. Nach der Hundeattacke am Samstag – ein Schäferhund hatte seine Halter angegriffen und schwer verletzt – fordert die Tierrechtsorganisation „Peta“ jetzt um so stärker die Einführung eines „Hundeführerscheins“. Das Ehepaar befreite sich aus der Situation, indem es den Hund mit einem Fleischermesser tötete.

„Wenn es zu Beißvorfällen kommt, liegt das Problem in der Regel nicht beim Hund, sondern am anderen Ende der Leine“, sagt Charlotte Köhler, Kampagnenleiterin bei Peta.

Ein Hundeführerschein stellt aus Sicht der Organisation sicher, dass Halter die Signale und das Kommunikationsverhalten ihres Hundes richtig deuten. So könnten Unfälle dieser Art – im privaten wie auch im öffentlichen Raum – vermieden werden. Das Tier könne ja auch krank sein, Schmerzen haben und deswegen aggressiv reagieren. Solche Signale müssten aber gedeutet werden können. „Noch bevor Menschen einen Hund aufnehmen, sollten sie den sachgemäßen Umgang mit dem Tier lernen und vorweisen müssen. Denn jeder Hund, der falsch gehalten und behandelt wird, kann zu einer Gefahr für den Menschen werden – unabhängig davon, ob es ein Schäferhund, ein Dackel oder ein Mischling ist.“ Für Charlotte Köhler steht fest: Zu viele Hundehalter haben zu wenig Ahnung von ihrem Tier.

Der gleichen Meinung ist auch Elke Lachmann. Die professionelle Hundetrainerin betreibt seit 1997 eine Hundeschule in Schevenhütte und bietet dort unter anderem auch den „Hundeführschein“ an. Ein halbes Jahr geht es hier um Theorie und Praxis, Sinne schärfen und das Trainieren von Ausnahmesituationen. Am Ende wird eine schriftliche Prüfung abgelegt. „Nach den Regeln des Landeshundegesetz“, sagt Lachmann, die laut diesem Gesetz auch Sachverständige ist und damit Verhaltenstest auch bei sogenannten „Liste 2 Hunden“, worunter zum Beispiel der Rottweiler fällt. Unter die „Liste 1 Hunde“ fällt beispielsweise der Bullterrier. Ein Sachkundenachweis fällt für alle anderen Hunde in Nordrhein-Westfalen an, die größer als 40 Zentimeter und/oder schwerer als 20 Kilo sind. „Diese 20/40-Regel beinhaltet aber lediglich einen theoretischen Teil, der praktische ist freiwillig beziehungsweise für Listenhunde“, erklärt Lachmann. Zu letzt genannten gehört der Schäferhund nicht.

Wenn es nach Elke Lachmann ginge, würde viel mehr präventiv gemacht werden, denn das Gesetz hat ihrer Meinung nach sehr viele Lücken. „jeder solle eine Sachkunde machen, bevor er sich einen Hund anschafft. So fallen auch emotionale Käufe weg, denken Sie nur an den süßen Welpen unterm Weihnachtsbaum“, betont sie.

Der Hundeführerschein, den die Tierrechtsorganisation Peta favorisiert, sieht auch vor, dass künftige Halter bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, bei dem sie das notwendige Fachwissen über die tiergerechte Haltung, die Kommunikation und die Bedürfnisse der Tiere erwerben. Anschließend müssen Halter und Hund gemeinsam an einem Praxisseminar in einer Hundeschule teilnehmen. Niedersachsen hat als erstes deutsches Bundesland eine entsprechende Regelung beschlossen – der allgemeine Hundeführerschein wird dort ab Juli verpflichtend.

Der Hund, der seine Besitzer angefallen hat, wird nach Angaben der Polizei durch das Veterinäramt untersucht. Mit den Betroffenen konnten die Beamten nicht sprechen, weil sie noch stationär im Krankenhaus liegen. Angaben aus der Nachbarschaft, nach denen das Verhältnis zwischen den Haltern und Hund schlecht gewesen sei und die Haltung nicht tiergerecht, konnten weder Polizei noch Ordnungsamt bestätigen.

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