Stolberg - Muttersprachler machen Europa erlebbar

Muttersprachler machen Europa erlebbar

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
7026120.jpg
Fachkundige Unterstützung von Muttersprachlerinnen: Schulleiter Bernd Decker freut sich, derzeit mit der Flämin Ruth Schouteeten (Mitte) und der Französin Maddy Ruppé zwei Fremdsprachenassistentinnen im Team zu haben. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Parlez-vous français? Wenn Maddy Ruppé diese Frage stellt, findet das am Goethe-Gymnasium niemand ungewöhnlich. Ganz im Gegenteil: „Die Schüler sind immer ganz begeistert, weil sie es mit einer ‚echten‘ Französin zu tun haben“, schmunzelt die 22-Jährige. Seit Anfang Oktober arbeitet sie in Stolberg als Fremdsprachenassistentin.

Englisch, Deutsch und Portugiesisch hat die junge Frau aus der Normandie (Caen) studiert und verkörpert somit nicht nur wegen ihrer Herkunft den Gedanken der Europaschule, die das Goethe-Gymnasium seit 2009 ist.

„Durch die Zusammenarbeit mit einer Fremdsprachenassistentin bietet sich die besondere Chance, eine Sprache und ein Land ganz authentisch kennenzulernen“, weiß Bernd Decker. Der Leiter setzt an seiner Schule, die auch einen bilingualen Zweig in englischer Sprache anbietet, ganz gezielt auf sogenannte „Native Speaker“. Auch, weil die Bedeutung der gesprochenen Fremdsprache im Unterricht und in den Prüfungen zunimmt. „Die Prüfungsordnung sieht neuerdings auch einen mündlichen Teil vor. Außerdem gibt es jetzt die Möglichkeit, bestimmte Klassenarbeiten durch eine mündliche Prüfung zu ersetzen“, berichtet Decker.

Da trifft es sich natürlich besonders gut, wenn der Unterricht mit Hilfe einer Muttersprachlerin noch weiter intensiviert werden kann. „Dank der jungen Kollegin habe ich quasi eine zusätzliche halbe Lehrerstelle zur Verfügung“, weiß der Rektor die Unterstützung sehr zu schätzen. „Fremdsprachenassistenten sind zwar selten alleine in der Klasse. Aber sie ermöglichen es, kleinere Gruppen zu bilden und so wesentlich besser zu lernen.“

Ruth Schouteeten kann das nur bestätigen. Auch sie arbeitet derzeit am „Goethe“ und bringt sich als Flämin trotz ihres Englisch-Studiums vor allem in den Niederländisch-Stunden ein. Schließlich hat sie auch ihre Muttersprache studiert. Die Nachfrage ist groß, Langeweile kommt für die 24-Jährige sicher nicht auf. „Niederländisch ist bei uns ab dem Beginn der Oberstufe wählbar und erfreut sich einer extrem großen Beliebtheit.

Fast die Hälfte jeder Jahrgangsstufe hat Niederländisch belegt“, erklärt Bernd Decker. Auch Schüler des Ritzefeld-Gymnasiums nehmen an den Kursen teil. Die Lernerfolge sind offenbar nicht minder beachtlich: „Die Schüler machen derart große Fortschritte, dass sie nach zwei Jahren das Niveau B2 erreicht haben.“ Das reicht dann im Bedarfsfall auch für ein Studium im Ausland.

Maddy Ruppé hat unterdessen erfahren müssen, dass Französisch nicht ganz so beliebt in der Schülerschaft ist. „Es ist eine schöne, aber auch schwere Sprache“, räumt sie ein. Laut Bernd Decker entscheidet sich nur etwa jeder Zweite an seiner Schule für Französisch. „Es steht in direkter Konkurrenz zum Latein“, so der Leiter. „Und manche Schüler wählen Latein tatsächlich nur, um nicht Französisch lernen zu müssen.“ Dennoch ist er zuversichtlich, dass die Sprache in den nächsten Jahren einen Aufschwung erfahren wird. „Vieles ist personengebunden. Und wir haben zwei sehr engagierte Kollegen.“

Damit sind in diesem Fall ausnahmsweise nicht Maddy Ruppé und Ruth Schouteeten gemeint, wobei diese Aussage auch auf sie uneingeschränkt zutrifft. Aber ihre Zeit am Goethe-Gymnasium ist überschaubar, im späten Frühjahr endet der Aufenthalt. Und was folgt dann? „Ich möchte auf jeden Fall in der Region bleiben“, hat sich Maddy Ruppé schon festgelegt. Die 22-Jährige wohnt in Aachen, hat dort einen Partner gefunden und fühlt sich „sehr, sehr wohl“. Ruth Schouteeten sieht das ähnlich, auch wenn ihre Pläne für die nahe Zukunft noch nicht so konkret sind. Mit Sprachen möchte sie weiter zu tun haben, vielleicht Lehrerin an einer deutschen Schule werden.

Derweil wird Bernd Decker sicherlich wieder neue Fremdsprachenassistenten an seiner Schule begrüßen können. Und damit dem Thema Europa erneut Gesicht und Stimme geben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert