Mutter versteigert Sohn bei Ebay: Lehrstelle ergattert

Von: Ottmar Hansen
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Alexander Völtz hatte vergeblich mehr als 400 Bewerbungen auf einen Ausbildungsplatz geschrieben. Mutter Margit Völtz hatte dann die ungewöhnliche Idee, ihren Sohn bei Ebay zu versteigern. Foto: O. Hansen
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Dieses Angebot stand auf der Ebay-Plattform im Netz. Foto; O. Hansen

Stolberg. Das Glück steht Alexander Völtz ins Gesicht geschrieben. Nach unzähligen vergeblichen Anläufen hat der junge Mann diese Woche tatsächlich eine Lehrstelle bekommen. Am Montag beginnt der 20-Jährige seine Ausbildung zum Groß-und Außenhandelskaufmann bei der Firma Aixtec-Components GmbH in Zweifall.

Voraus gegangen war der Einstellung allerdings ein außergewöhnlicher Schritt. Mutter Margit Völtz hatte ihren Sohn im Internet bei Ebay versteigert. Zum Mindestgebot von einem Euro konnte man Alexander als Azubi erwerben. Zuzüglich Versandkosten von 6,90 Euro.

Mehr als 400 Bewerbungen hatte Alexander Völtz zuvor an Unternehmen im weiteren Umfeld der Region geschrieben. Mit dem Realschulabschluss in der Tasche wollte er eine praktische Ausbildung beginnen. Doch in der Regel erhielt er nicht einmal eine Antwort von den angesprochenen Firmen. „Ich wollte nicht weiter zur Schule gehen, sondern einen praktischen Beruf erlernen“, sagt Alexander Völtz. „Ich will eigenes Geld verdienen und auf eigenen Beinen stehen.“

Große Verzweiflung

Die Verzweiflung stieg von Tag zu Tag, weil sich keine Firma auf seine Bewerbung hin meldete. Dabei hatte er sich auf eine breite Palette von Berufen hin beworben. Völtz: „Als Fachkraft für den Einzelhandel, als Kraft für Lagerlogistik oder im Chemiebereich, ich habe alles ausprobiert.“

Kurz vor dem Schulabschluss war auch noch ein Unfall hinzu gekommen. Als sein Freund, fast doppelt so schwer wie Alexander, drohte, zu stürzen, versuchte der 20-Jährige, ihn aufzufangen. Doch das ging schief. Der 120 Kilogramm schwere Freund zerstörte beim Aufprall das Knie des Leichtgewichts. Die Bänder gerissen, Innen- und Außenmeniskus gerissen, die Kniescheibe aus der Halterung. Nach der Operation schleppte sich Alexander Völtz lange Zeit von Behandlung zu Behandlung. Inzwischen kann der junge Stolberger aus Atsch wieder einigermaßen laufen. Eine Ausbildung in einem sitzenden Beruf wäre dennoch besser.

In der schier ausweglosen Situation hatte Mutter Margit Völtz dann die außergewöhnliche Idee: Sie verkauft Weihnachtsartikel über das Internet und bezieht auch das dazu benötigte Material aus dem Netz. Also bot sie jetzt auch noch ihren Sohn auf der Internet-Plattform Ebay zum Verkauf an. Geboten werden konnte ab einem Euro. Der „Sofortkauf“ war ab zwei Euro möglich. Plus Versandkosten von 6,90 Euro.

„Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen“, erklärt Mutter Margit Völtz ihren Schritt. Zweifelhafte Angebote werden vom Anbieter Ebay in der Regel gleich gelöscht. Doch das „Inserat“ von Alexander Völtz blieb für mehrere Tage im Netz. „Ebay hat unser Angebot einige Tage stehen lassen“, freut sich die Mutter. Allerdings bot hier niemand mit. Wer das Inserat kopfschüttelnd im Internet über Tage verfolgt hat, lässt sich nicht genau verfolgen.

Der Aachener Radiosender 100,5 wurde allerdings ebenfalls auf das Ebay-Inserat aufmerksam. Er verbreitete das Angebot auf seiner Facebookseite. Und prompt meldeten sich zahlreiche Besucher der Seite zu Wort. Viele ermunterten Alexander Völtz. Darunter gab es aber auch Arbeitgeber. Einige boten tatsächlich Ausbildungsstätten an, etwa ein Sporthaus oder eine Spedition, andere beschimpften den jungen Mann nach dem Motto: Der Bewerbungsmappe für einen Ausbildungsplatz hat man gefälligst ein Foto mit Anzug und Krawatte beizufügen.

Zu allem Überfluss meldete sich der Knieschmerz zurück. Zu seinen Vorstellungsgesprächen nahm Alexander Völtz denn auch seine Krankenakten mit. Auch wenn dies eigentlich nicht Vorschrift ist. Aber so konnte man den Arbeitgebern zumindest die Fehlstunden in der Schule plausibel machen. Doch einig wurde sich der junge Mann schließlich mit Thomas Rissmayer aus Zweifall, der dort einen An- und Verkauf betreibt, elektronische Bauteile bestellt und versendet.

Ein Betrieb, in dem auch ein Groß-und Außenhandelskaufmann benötigt wird. Bei Thomas Rissmayer hatte Völtz vor Monaten einmal ein kurzes Praktikum als Fachlagerist absolviert. Jetzt fand man wieder zusammen. Dass Alexander Völtz derzeit wegen seiner Knieprobleme wieder weniger gut im Treppensteigen ist, stört den künftigen Ausbilder wenig. „Sage einfach, wenn du Hilfe brauchst“, habe der Mann gesagt, freut sich Mutter Margit Völtz.

Die Ausbildung dauert drei Jahre. „Das ist schon ein sehr interessanter Beruf. Ich freue mich riesig auf die dreijährige Ausbildung“, sagt Alexander Völtz. Wohl wissend, dass viele Arbeitgeber für diese Lehre Abitur oder die abgeschlossene Höhere Handelsschule voraus setzen.

Von Atsch nach Zweifall wird Alexander Völtz zunächst 20 Minuten mit dem Motorroller fahren. „Der Autoführerschein ist dann das nächste Projekt“, sagt die Mutter. Und dann ein Auto. Dem zukünftigen Arbeitgeber und dessen Familie ist Margit Völtz außerordentlich dankbar: „Eine derartige soziale Einstellung ist bei Unternehmen heute eher selten.“

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