Aachen/Stolberg - Muslime und Geschiedene bald im Schützenverein?

Muslime und Geschiedene bald im Schützenverein?

Von: Günther Sander
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Stolberg. Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (rund 300.000 Mitglieder) wagt ein „Reförmchen.“ Demnach sollen Muslime und Geschiedene bald schon „mitmachen dürfen.“

Die Katholischen Schützenvereine öffnen sich, aber „nur ein bisschen.“ Die rund 1300 Ortsverbände haben „von oben“ einen entsprechenden Entwurf für eine Satzungsergänzung vorgelegt bekommen, darüber will man im November beraten.

Nach dem Thesenpapier sollen in Zukunft auch Nicht-Christen wie Ungetaufte und Muslime den örtlichen Schützenbruderschaften beitreten dürfen. Sofern sie jedoch die christlichen Werte achten. Auf lokaler Ebene dürfen sie auch Schützenkönig werden, im Einzelfall jedoch müsse darüber die jeweilige Bruderschaft entscheiden. 2014 erst hat in Werl-Sönnern ein muslimischer Schützenkönig bundesweit weit für mächtig Aufregung gesorgt.

Klare Stellungnahme

Gegenüber unserer Zeitung bezieht Bezirksbundesmeister Manfred Tings zu diesem Thema eine klare Stellung. Er weiß, dass der Wunsch bestand, für den kirchlichen Schützenverband eine zeitgemäße, interpretierbare und verständliche Grundausrichtung zu erarbeiten. Die Zugehörigkeit zur Kirche sollte jedoch nicht in Frage gestellt werden.

Diesem Auftrag seien Präsidium und Hauptvorstand des Bundes der historischen deutschen Schützenbruderschaften nachgekommen. Das Ergebnis der Arbeit, so Tings, sei das vorgelegte Thesenpapier als „Grundlage für die Diskussion über die künftige Ausrichtung“ des Bundes unter Berücksichtigung unserer Werte.

Manfred Tings sieht in dem Thesenpapier interessante Ansätze, die für regen Diskussionsstoff sorgen werden. Er spricht von einem „wichtigen Schritt in eine moderne Ausrichtung“ des Verbandes, die Vorschläge bedeuteten eine Öffnung des Verbandes, ohne jedoch die christlichen Grundwerte außer Acht zu lassen. Bis zur Satzungsverabschiedung könnten noch Ergänzungen und Änderungswünsche eingebracht werden. Über die Mitgliederstruktur im Grenzlandschützenbund könne keine belastbare Aussage gemacht werden, sagt Tings, da die angeschlossenen Bruderschaften als selbstständige Vereine allein über die Aufnahme der Mitglieder entscheiden dürfen. Aufgenommen werde, wenn die Mehrheit in einer Versammlung den Aufnahmeantrag annehme. „Insoweit ist es durchaus möglich, dass auch Nichtchristen oder Angehörige anderer Religionsgemeinschaften Mitglied einer Bruderschaft sind.“

Entscheidend sei allein, dass sich das Mitglied für das Wohl der Schützenbruderschaft einsetze, am Vereinsleben teilnehme und die christliche Grundausrichtung mittrage. Die sexuelle Ausrichtung eines Menschen gehöre zu seiner Persönlichkeit. „Insoweit sind auch homosexuelle Schützenschwestern und -brüder in unseren Mitgliedsbruderschaften willkommen“, bekräftigt Tings deutlich. Ob es im Grenzlandschützenbund bereits homosexuelle Schützenkönige oder -königinnen gegeben habe, könne er nicht beantworten. „Ausgeschlossen ist das aber nicht.“

Amt im Vorstand

Nach dem Thesenpapier können zukünftig auch Geschiedene und Wiederverheiratete in den Vorständen Ämter übernehmen. Maßstab sei allein die konkrete Lebens- und Verhaltenwirklichkeit des Vorstandsmitgliedes. Der Grenzlandschützenbund habe vor über zehn Jahren bereits die Initiative ergriffen, Geschiedenen die Möglichkeit zur Teilnahme am Bundeskönigsschießen zu eröffnen.

„Nach vielen Diskussionen ist dem Antrag durch die Bundesvertreterversammlung entsprochen worden“, so Manfred Tings. Der Grenzlandschützenbund sei einer von 34 Bezirksverbänden in der Diözese Aachen, er vertrete 15 Schützenbruderschaften. „Wir haben eine eigene Satzung, die jedoch nur Regelungen für die Zusammenarbeit der Schützenbruderschaften auf Bezirksebene trifft und die eigene Organisation regelt“, macht Manfred Tings abschließend deutlich.

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