Musik kann ungeahnte Ressourcen wecken

Von: Heike Eisenmenger
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So macht man an der Regenbogen
So macht man an der Regenbogenschule die „Regenmacher”: Sand, Körner oder andere Dinge werden in einen Hohlkörper gefüllt - und schon hat man bei der Projektwoche jede Menge Spaß. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. „Guck mal Papa, das sind Fotos von Kindern”, sagt ein Steppke und zieht seinen Vater aufgeregt zu einer Metall-Spirale mit Fotografien von Kindern unterschiedlichen Alters. Es sind Fotografien verstorbener Schüler der Regenbogenschule.

Die Förderschule der Städteregion hat den Schwerpunkt „Geistige Entwicklung”. Ihre Schüler sind geistig und teilweise auch körperlich behindert.

An diesem Tag ist Schulfest und zugleich Präsentation eines Projektes zum Thema Musik, das mit der Veranstaltung nicht endet. Es steht unter dem Titel „Musik verbindet”; und das ist weit mehr als nur ein griffiger Slogan: Er umschreibt die Einstellung, die an dieser Schule gelebt wird.

Das Zusammenspiel von Lehrern, Schüler und Eltern ist besonders eng, und es sind die vielen kleinen Details, die von einem Miteinander auf Augenhöhe erzählen. Auffallend ist, wie behutsam die Schüler untereinander umgehen. Klar, es wird sich gelegentlich auch gekabbelt, aber Schwächere werden aufgefangen und nie an die Seite gedrängt.

Die Spirale an der Wand zeigt auch die Fotografie eines kleinen Mädchens. Es war bei mehreren Schulfesten dabei und fiel auf, weil es stets auf einem großen Luftkissen lag - regungslos und still. Die anderen Schüler, die auf dem Kissen hopsten, achteten stets darauf, ihre Schulkameradin nicht anzustoßen.

Man konnte immer wieder beobachten, wie eines der Kinder innehält und das Mädchen liebevoll die Wange oder die Hand streichelte. Das kleine Mädchen lebt nicht mehr, wohl aber der Gedanke, dass man gemeinsam stark ist und das Leben wertvoll ist.

Es ist jede Menge los an diesem Tag: Toben, Lachen, Trommelwirbel - es ist ein fröhliches Tohuwabohu, behinderte und nichtbehinderte Kinder flitzen auf der Suche nach Aktionen durch die Flure.

Dass so viele nichtbehinderte Kinder mit Eltern gekommen sind, liegt an einer Kooperation, die die Förder- mit der Grundschule Gressenich eingegangen ist. Gegründet wurde eine Trommel-AG.

Die Kostproben des gemeinsamen Auftritts in der schier vor Besuchern überquellenden Turnhalle erwärmt nicht nur das Herz von Schulleiterin Gundula Brüggenwirth. Zu sehen, wie sich die Schüler anlachen, konzentriert trommeln und gemeinsam den Applaus ernten, ist einfach toll.

„Musik kann bei einem Kind Ressourcen wachrufen, von denen man selbst als Mutter vorher nichts ahnte”, sagt eine Frau und drückt ihr behindertes Kind an sich. In einer Klasse werden „Regenmacher”, ein altes Instrument aus Südamerika, hergestellt.

Die Technik ist simpel, der Effekt enorm: „Wir nehmen einen Hohlkörper, schlagen Nägel hinein und füllen ihn mit Sand, Reiskörner oder anderen Dingen”, sagt Hannah Lauscher, die in der Regenbogenschule ihren Bundesfreiwilligendienst absolviert. „Es ist erstaunlich, wie selbst Schüler, die man sonst nur schwer motivieren kann, plötzlich aus sich heraus kommen und begeistert ihr Instrument bauen.”

Nichtbehinderte wie behinderte Kinder basteln eifrig ihre Regenmacher - und haben einfach Spaß dabei. Dass der eine oder andere langsamer im Denken ist oder im Rollstuhl sitzt, ist nun wirklich Nebensache.
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