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Musik hilft bei der Suche nach dem Sinn des Lebens

Von: Marie Luise Otten
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Rainer Soldierer ist der Vorsitzende des Kirchenchores St. Hubertus in Büsbach. An diesem Wochenende beginnt die Konzertreihe, die anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Chores abgehalten wird. Foto: M.-L. Otten

Stolberg-Büsbach. 2017 ist für die Mitglieder des St. Hubertus Kirchenchores in Büsbach ein besonderes Festjahr: Denn der Chor feiert in diesem Jahr sein mittlerweile 150-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass gibt es eine Reihe von Konzerten der Sängerinnen und Sänger aus Büsbach und der Umgebung.

Den Auftakt an diesem Sonntag, 21. Mai, macht ein besonderes Chor- und Orchesterkonzert in der Pfarrkirche St. Hubertus mit Werken von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn. Wie lange der Chor für dieses Konzert geprobt hat, warum er mit dem Kirchenchor aus Mausbach singt und welche besonderen Ereignisse Rainer Soldierer mit dem Kirchenchor verbindet, hat der Vorsitzende des Chores unserer Mitarbeiterin im Interview erzählt.

Welches ist die Hauptaufgabe eines Kirchenchores?

Soldierer: In Artikel 114 der Liturgie-Konstitution des II. Vatikanischen Konzils heißt es hierzu: „Der Schatz der Kirchenmusik möge mit größter Sorge bewahrt und gepflegt werden. Die Sängerchöre sollen nachdrücklich gefördert werden.“ Und weiter: „In der irdischen Liturgie singen wir dem Herrn mit der ganzen Schar des himmlischen Heeres den Lobgesang der Herrlichkeit.“ Der Kirchenchor ist bei der Feier der Liturgie also nicht bloße Verzierung, sondern hat ein „wirkliches liturgisches Amt“.

150 Jahre im Dienst der „musica sacra“: Wie sieht das Repertoire des Chores allgemein aus? Gibt es in diesem Punkt bestimmte Schwerpunkte?

Soldierer: Der Chor versucht, das kirchenmusikalische Erbe von den Anfängen der Gregorianik bis zur gemäßigten Moderne zu pflegen. Und er begleitet mit seinem liturgischen Dienst die Kirchengemeinde „Zur Ehre Gottes“. So finden sich in unserem Repertoire Motetten „Alter Meister“ des 16. und 17. Jahrhunderts, Orchestermessen der Klassik und Romantik sowie mehrstimmige Messvertonungen englischer Komponisten der Gegenwart.

Viele Traditionschöre klagen heutzutage vor allem über mangelnden Nachwuchs. Ein Problem, das auch viele Vereine im Kultur- und Sportbereich haben. Wie steht es denn momentan um die Altersstruktur in Ihrem Kirchenchor?

Soldierer: Auch bei uns ist der mangelnde Nachwuchs ein Problem. Die meisten Sängerinnen und Sänger im Chor sind über 60 Jahre alt, einige auch über 80. Aber auch das „Mittelalter“ und die „reifere Jugend“ sind vertreten. Und es gibt auch jüngere Mitglieder. Unsere jüngste Sängerin wird in diesem Jahr erst 18.

Kommen denn beim St. Hubertus Kirchenchor alle aktiven Sänger und Sängerinnen aus Büsbach selbst?

Soldierer: Nein. Mit der Auflösung des Kirchenchores St. Bonifatius in Aachen-Forst sind drei Sänger und eine Sängerin von Aachen zu uns gestoßen. Ferner kommen einige Sängerinnen und Sänger aus der Stolberger Innenstadt, aber auch aus den Stadtteilen Atsch und Dorff.

Welche musikalischen Voraussetzungen braucht heute jemand, um in einem Kirchenchor mitsingen zu können?

Soldierer: Die wichtigste Voraussetzung ist die, gerne zu singen. Natürlich sind Notenkenntnisse von Vorteil oder sogar das Spielen eines Instrumentes, aber beides ist nicht unbedingt Voraussetzung, um in einem Chor Mitglied zu werden.

Wie sieht es mit der Konkurrenz aus? Ist sie nicht größer geworden? Heute gibt es die Musikschule. Viele junge Leute nehmen privaten Gesangsunterricht, um möglichst schnell ein Star zu sein. Andere bevorzugen vielleicht einen weltlichen Chor.

Soldierer: Ich sehe Musikschule oder Gesangsunterricht nicht unbedingt als Konkurrenz. Beides kann in dem einen oder anderen Fall dazu führen, den Weg zu uns zu finden. Ein weltlicher Chor hingegen ist bei der Kirchenferne vieler Menschen sicherlich eine Konkurrenz.

Was ist der Reiz für junge Leute, heute noch im Kirchenchor zu singen?

Soldierer: Gerade junge Menschen sind auf vielfältige Weise auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Die Schönheit der Musik und gerade auch der Kirchenmusik kann einem jungen Menschen hier eine Möglichkeit aufzeigen und damit vielleicht einen Weg zu Gott eröffnen. „Wer singt, betet doppelt“, sagte der große Kirchenlehrer Augustinus, und von dem Dichter Peter Rosegger stammt das schöne Wort: „Das Höchste muss man singen, weil man es nicht sagen kann“.

Was ist mit der Geselligkeit und dem Zusammenhalt? Auch das sind heute wichtige Themen für die Freizeitgestaltung eines jungen Menschen...

Soldierer: Geselligkeit wurde und wird im Chor großgeschrieben. Im Jahr 1868 - ein Jahr nach der Gründung des Chores - feierte unser erster Dirigent, Franz Bransch, sein Silbernes Küsterjubiläum. In der Chronik heißt es hierzu, dass „das Jubelfest unseres theuren Dirigenten mit aller Freude nicht vor 4.00 Uhr morgens beendigt“ war. Und feiern können wir auch heute noch, sei es beim Cäcilienfest, bei unseren Ausflügen, bei Geburtstags- und Namenstagsfesten, Grillfesten oder auch bei den Treffen unserer „Kaffeetanten“; und das ganz ohne Mitgliedsbeiträge.

Obwohl der Chor 33 Frauen und Männer aufweist, treten Sie bei größeren Anlässen mit dem Kirchenchor aus Mausbach auf. Warum gibt es diese Zusammenarbeit?

Soldierer: Es kann immer mal wieder zu Engpässen in manchen Stimmlagen kommen. Mit dem Chor aus Mausbach verstehen wir uns prächtig, wir ergänzen uns hervorragend und kommen so zu besonderen musikalischen Erlebnissen.

Wie lange brauchte der Chor für die Einstudierung seines Konzertes am 21. Mai? Gab es Zusatzproben? Wie viele gemeinsame Proben? Wird bei der Aufführung mit Orgel oder Orchester gesungen?

Soldierer: Wir brauchten ungefähr ein halbes Jahr für unser Konzert mit dem Orchester der Musikalischen Gesellschaft Breinig. Es gab in dieser Zeit mehrere Sonderproben und auch vier gemeinsame Proben.

Welche weiteren Veranstaltungen gibt es im Jubiläumsjahr des Chores?

Soldierer: Diese Informationen entnehmen Sie bitte unserem Flyer „Mein Lied ist der Herr - 150 Jahre Kirchenchor St. Hubertus Büsbach“, den wir aufgelegt und überall verteilt haben.

Von welchen besonderen Ereignissen mit dem Chor können Sie noch berichten?

Soldierer: 1992 bekamen wir vom Cäcilien-Verband zu unserem 125-jährigen Bestehen feierlich die Palestrina-Medaille überreicht. Unvergesslich sind außerdem sicher unsere Beteiligungen an den Karnevalsumzügen in Büsbach und den zahlreichen Markt- und Pfarrfesten, die nicht zuletzt durch unseren Weinstand eine Steigerung des Stimmungsbarometers erfuhren. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Ausflug des Kirchenchores nach Maria Laach, wo wir in der Basilika vor Ort eine Messe musikalisch mitgestalten durften.

Was schätzen Sie an dem Kirchenchor besonders?

Soldierer: Unseren Dirigenten Franz Körfer.

Wie sind Sie persönlich auf den Chor gestoßen? Und wie lange singen Sie hier schon?

Soldierer: Durch den Kantor Hubert Drees, der meine Frau und mich in der ehemaligen Gaststätte Phlippen - unserem damaligen Probenlokal - auf den Chor ansprach. Seit dieser Zeit (1973) singen wir beide im Chor.

Unter wie vielen Dirigenten haben Sie schon gesungen?

Soldierer: Da komme ich mit Hubert Drees, Alfons Müller, Günter Jansen, Joachim Neugart, Heinz Becker, Hermann-Josef Schulte, Holger Kolodziej und Franz Körfer auf acht Dirigenten.

Seit 40 Jahren führen Sie den Vorsitz und kümmern sich um das Organisatorische. Wie ist es dazugekommen? Und was verbinden Sie persönlich mit diesem Amt?

Soldierer: Unser damaliger Pastor Stefes sprach mich an, da Franz Müllejans nicht mehr kandidierte. Ich sagte zu und versuche seitdem, im Chor ein gutes Miteinander zu gewährleisten und alles für eine gute Zukunft des Chores zu tun, wobei ich in meinen Vorstandskolleginnen und -kollegen und besonders in meiner Frau wertvolle Stützen habe.

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