Stolberg - Mühelos radeln mit dem „fliegenden Schweizer”

Mühelos radeln mit dem „fliegenden Schweizer”

Von: Doris Kinkel-Schlachter und Sandra Pavlic
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So lässt es sich prima fahren
So lässt es sich prima fahren: Mitarbeiterin Sandra Pavlic schaltet bei geraden Strecken auf „No Assistent” und bei Steigungen zwischen „Eco”, Standard” oder „High”, je nachdem, wieviel sie unterstützt werden möchte. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. „Worauf warten Sie noch? Ausleihen, aufsitzen und los”. Das ist der Slogan von „movelo”, dem größten europäischen Anbieter für Elektromobilität im Tourismus.

Und das ist auch der Spruch, der in giftgrünen Buchstaben auf einem Plakat steht, das am Eingang des Romantik-Parkhotels am Hammerberg hängt. Romantik und Radfahren? Passt das zusammen? Wir haben es ausprobiert.

Das Haus am Hammerberg ist bislang das einzige in Stolberg, das offizielle Verleihstation von movelo ist. Im Angebot haben Anita und Dirk Stock zwei Elektrofahrräder des Typs „Swiss-Flyer”. Ein echter Testsieger, wie wir später in den Berichten über akkubetriebenen Velos lesen. Auf den ersten Blick sieht das Schweizer Modell nicht gerade nach Überflieger aus, eher nach einem aufgepeppten Rad für Betagte. Auf der Internet-Seite des Betreibers heißt es, dass es sich bei den Fahrrädern der C-Serie um Touren- und Stadträder handelt, die einen besonderen Komfort bieten. Der tiefe Durchstieg beim für bequemes Auf- und Absteigen und die Federung (Gabel und Sattelstütze) sollen für zusätzliche Entspannung sorgen. Und dann ist da noch der Akku des Pedelecs, der uns mühelos durch die Hügellandschaft Stolbergs bringen soll.

An dieser Stelle noch etwas zur Begrifflichkeit: Elektrofahrräder werden in zwei Kategorien eingeteilt, in E-Bikes und Pedelecs. Pedelec ist die Abkürzung für Pedal Electric Cycle und E-Bikes sind Elektrobikes. Der Unterschied zwischen den beiden liegt in der Kraftunterstützung. Beim E-Bike kommt diese aus einem Drehgriff am Lenkrad wie bei einem Mofa und ist dadurch leistungsstärker. Mit Betätigung des Drehgriffs schaltet sich der Motor hinzu.

Die Motorleistung des E-Bikes kann aber auch unabhängig vom Treten des Fahrers eingeschaltet werden. Das E-Bike kann bis zu 45 Stundenkilometern erreichen und ist daher zulassungs- und versicherungspflichtig. Beim Pedelec kommt die Unterstützung des Motors nur zusätzlich zum Treten. Über eine Gangschaltung kann die Stärke der Motorunterstützung reguliert werden. Dadurch können ansteigende Strecken leichter bewältigt werden.

Treten muss also sein, da hilft nichts, dafür haben wir beste Wettervoraussetzungen: strahlender Sonnenschein, 29 Grad. Nach einer kurzen Einweisung durch Anita Stock geht es um 11.30 Uhr los. Vorsichtig fahren wir den steilen Hammerberg herunter und denken jetzt schon mit Schrecken an die Rückfahrt...

Ausgerüstet sind wir mit „Pittchen Pedales Tourentipp 1”, einer vom alten Kreis Aachen aufgelegten Karte, bei der es 27 Kilometer durch das Indetal und die Altstadt geht. Auf den ersten 18 Kilometern erwarten uns einige Anstiege, danach geht es flach oder bergab weiter. Wir sind größtenteils auf autofreien Wegen, verkehrsarmen Nebenstraßen und straßenbegleitenden Radwegen unterwegs, zwischen Knoten 93 und 91 sowie vor Knoten 87 müssen wir teilweise auf Hauptverkehrsstraßen ausweichen.

Die Städteregion verfügt über ein etwa 850 Kilometer langes Radroutensystem, das mit einer wegweisenden Beschilderung ausgestattet ist. Das Knotenpunktsystem vereinfacht die Orientierung und erleichtert die individuelle Zusammenstellung von Routen. Dazu tragen ausgewählte Schnittpunkte, die sogenannten Knotenpunkte, eine Nummer.

An diesen Punkten geben Informationstafeln einen Überblick über das Radwegenetz. Zwischen den Punkten wird die Nummer des nächsten Knotenpunktes als Einschubschild mitgeführt. Das System erstreckt sich über das gesamte Gebiet des ehemaligen Kreises Aachen und ist mit dem Knotenpunktsystem in den Niederlanden, in Belgien sowie den Kreisen Heinsberg und Düren verknüpft.

Start und Ziel für den Tourenvorschlag ist der Bahnhof Stolberg, wir legen in der Altstadt so richtig los. Es geht durch den Steinweg und die Rathausstraße über die Eisenbahnstraße zum ersten Knotenpunkt mit der Nummer 87. Leider studieren wir die dort ausgestellte Karte nicht genau, weswegen wir uns auch schon zum ersten Mal verfahren und statt durch die Hammstraße die Sebastianusstraße hoch fahren. Keine Nummern, keine kleinen roten Fahrräder, keine Schilder, in Höhe der Einmündung Von-Coels-Straße am Ortseingang Eilendorf kommt die Erleuchtung: Hier sind wir verkehrt!

Mit 47 Stundenkilometern und der Einstellung „No Assist” - der Elektroantrieb hört bei 25 Stundenkilometern auf - rauschen wir die Buschmühle runter. Und auch die Cockerillstraße schaffen wir mühelos, diesmal in der Einstellung „High”. Sind wird die Sebastianusstraße noch mit „Eco” und „Standard” hochgestrampelt, lassen wir es uns an dieser Stelle gutgehen, wir wollens bei der Bullenhitze schließlich auch nicht übertreiben.

Hier müssten wir wieder Anschluss haben an „Pittchen Pedale”. Haben wir aber nicht, denn das nötige Schild fehlt hier. Das geben wir später an den zuständigen Radwegebeauftragten der Städteregion, Ralf Oswald, weiter, der den Hinweis dankbar aufnimmt und schnelle Hilfe verspricht. „Wir haben eine Vereinbarung mit der Stadt, das gebe ich an den Bauhof weiter, deren Mitarbeiter das prüfen und entsprechend für Ersatz sorgen”, so Oswald.

Gut, dass wir Stolberger sind und den Anschluss auf eigene Faust finden. Das reguläre Straßenschild „Haumühle” in Münsterbusch führt uns wieder auf den richtigen Weg. Den Gegenwind im Gesicht und mit einem Lächeln auf den Lippen - ohne die Zähne zu zeigen wohlgemerkt, sonst wäre es bei der Geschwindigkeit zu einer ungewollten Fleischeinlage gekommen - genießen wir unsere Tour. So angenehm kann Radfahren sein? Wir wollten es nicht glauben, aber es ist so: Das Elektrofahrrad macht es möglich.

Mühelos radeln wir durch das wunderschöne Gedautal, atmen frische Luft ein und verbrauchen selbige auch nicht für den nächsten Anstieg. Die Obersteinstraße geht es hoch und über das Priesterland nach Dorff. Nachdem wir ein Stück die Pfarrer-Gau-Straße entlanggefahren sind, entscheiden wir uns in Höhe des Knotenpunktes 98 für eine Abkürzung. Sieben Kilometer und damit den Weg über Breinig und Venwegen sparen wir ein, indem wir über Gut Hassenberg zum Steinbruch fahren. Auf den Serpentinen geben wir ohne Akku-Assistenten Gas und erreichen noch einmal 45 Stundenkilometer. Über die Rüst manövrieren wir unsere „Schweizer Flieger” gekonnt über eine schmale Brücke und landen auf der vielbefahrenen Zweifaller Straße.

2,2 Kilometer noch bis zur Altstadt, wir biegen kurz vorher ab. Kommt jetzt die böse Überraschung? Nein, mit etwas eigener Mühe und der Einstellung „High” fahren unsere Räder wie geschmiert den Hammerberg hoch, das hätten wir nicht für möglich gehalten. Beim allerletzten Stück, kurz vor dem Hotel, haben wir das Gefühl, gleich abzuheben, der Vorderreifen zittert verdächtig, doch wir kommen nach zwei Stunden wohlbehalten und nicht allzu erschöpft am Ziel an. Das Ehepaar Stock empfängt uns mit kaltem Sprudel und den Worten „Und? Wie wars?” - Einfach nur genial. Eben: Ausleihen, aufsitzen und los!
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