Eschweiler/Stolberg - Moto-Cross: Wenn das Spiel auf der Playstation zur Realität wird

Moto-Cross: Wenn das Spiel auf der Playstation zur Realität wird

Von: Sonja Essers
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Clara und Max Jansen sind Moto-Cross-Fahrer durch und durch. Max startete bereits mit sechs Jahren, Clara legte mit acht Jahren los. Die beiden Schüler sind, wie ihr Vater Hubert, Mitglieder des MSC-Grenzland. Am Sonntag veranstaltet der Club seinen Schnuppertag, bei dem der Nachwuchs den Sport einmal genauer unter die Lupe nehmen kann. Foto: Sonja Essers

Eschweiler/Stolberg. Schlittschuh laufen, Reiten, Klavier spielen und Moto-Cross fahren. Welches dieser Hobbys passt eher nicht zu einem zwölfjährigen Mädchen? Für Clara Jansen ist die Antwort klar: das Klavierspielen. Tonleiter und Noten haben es der Schülerin aus Büsbach nicht gerade angetan. Dafür saust sie mit ihrem Moto-Cross-Motorrad lieber um die Kurven der Rennstrecke des MSC Grenzland.

Ihre Leidenschaft teilt die Schülerin mit ihrem Bruder Max. Auch dem 15-Jährigen hat es das Moto-Cross-Fahren angetan. Es war kurz vor seinem sechsten Geburtstag, als Max zum ersten Mal auf einem Moto-Cross-Motorrad saß. „Die Vorstellung einmal Motorrad zu fahren, ist doch cool“, sagt der Schüler und fügt hinzu: „Früher habe ich mich auf diesen Moment sehr gefreut.“ Auch heute, fast zehn Jahre später, ist seine Leidenschaft für den Moto-Cross-Sport nicht abgeebbt. Ganz im Gegenteil. Sein Hobby übt er mit viel Leidenschaft aus. „Ich freue mich jedes Mal aufs Training“, so der 15-Jährige.

Sportart, die nicht jeder macht

Doch wie sind Clara und Max eigentlich zu diesem Sport gekommen? Ganz einfach: Über einen Schnuppertag beim MSC Grenzland. Den bietet der Verein, dem auch Vater Hubert Jansen als Mitglied und Schriftführer angehört, mittlerweile zwei Mal im Jahr an. So auch am Sonntag. Dann haben Kinder zwischen acht und zwölf Jahren die Möglichkeit, die Sportart einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Das haben auch Max und Clara zu Beginn ihrer Moto-Cross-Karriere getan. Ging es für Max schon im Alter von sechs Jahren los, so startete Clara als Achtjährige. Dass sie als Mädchen eher zu den Ausnahmen zählt, macht ihr allerdings nicht viel aus. „Es ist eine Sportart, die halt nicht jeder macht“, sagt sie selbstbewusst.

Nachwuchs erwünscht

Rund 30 der insgesamt 120 Mitglieder des Clubs sind Kinder und Jugendliche. Trotzdem wünschen sich die Verantwortlichen mehr Nachwuchs, wie Hubert Jansen berichtet. „Unser Ziel ist es natürlich neue Vereinsmitglieder zu gewinnen“, sagt Jansen. Der Familienvater hat jedoch auch Ideen, warum sich immer weniger Kinder und Jugendliche an Vereine binden. Im Motorsport stehe für viele oft das Abenteuer im Vordergrund. „Wenn die Kinder einmal Motorrad gefahren sind und es ihren Freunden erzählt haben, suchen sie sich oft etwas anderes.“

Auch das Geld spiele keine unwichtige Rolle. „Das ist kein billiges Hobby“, gibt Jansen zu. Die Maschinen, Benzin, Reifen, Helme und entsprechende Schutzkleidung haben ihren Preis. Für Clara kommen rund 500 Euro, für Sohn Max rund 2000 Euro im Jahr zusammen.

Hubert Jansen und seine beiden Kinder wissen jedoch, dass Moto-Cross-Fahrer oft noch mit anderen Vorurteilen zu kämpfen haben. Eines davon: Moto-Cross verschmutze die Umwelt und sei zu laut. Ein weiteres Vorurteil lautet: Die Sportart sei zu gefährlich. Deshalb sei eine richtige Heranführung an Motorräder und Strecke ganz besonders wichtig, meint Jansen. Schließlich müssen bereits die Kleinen lernen, Gefahren richtig einzuschätzen. Jansen versucht das Vorurteil mit folgendem Argument zu entkräften: „Bei uns gibt es weniger Verletzungen als beim Fußball. Aber wenn etwas passiert, dann ist es oft schlimmer.“ Besonders unangenehm seien Verletzungen an der Wirbelsäule. Sohn Max brach sich bereits das Schlüsselbein. Auch ein verdrehter Fuß sei keine Seltenheit.

Die Jansens sind der Meinung, dass Moto-Cross ein ernstzunehmender Sport sei, schließlich fordere dieser den gesamten Körper und erfordere nicht nur Kraft, sondern auch Geschicklichkeit und Kondition. „Man muss auch mal etwas einstecken können“, sagt Hubert Jansen. Ihn fasziniert an dieser Sportart vor allem eins: „Das ist ja nicht so, als würde man auf einer Teerstrecke im Kreis fahren. Am Ende kommt man nicht mal mehr mit einem Geländewagen durch.“

Nachbarn angesteckt

Sohn Max hat vor allem an den Sprüngen Gefallen gefunden. „Das macht Spaß und zaubert einem schon ein Lächeln ins Gesicht. Es ist einfach cool, dass ich sowas machen kann“, freut sich der Schüler.

Auch im Freundeskreis der beiden Jugendlichen stößt die Sportart auf großes Interesse. Ihre Nachbarn konnte Familie Jansen mit ihrer Leidenschaft bereits anstecken. Auch sie sind Mitglieder des Clubs, der 1982 in Stolberg gegründet wurde.

Obwohl Max und seine Schwester Clara ihr Hobby lieben und leben, nehmen sie nur an internen Clubrennen teil. Meisterschaften stehen für die Geschwister nicht auf dem Programm. Das Training findet meist nur samstags statt. Anders sei dies neben der Schule nicht zu stemmen, ist sich Max sicher.

Im Sommer geht der 15-Jährige für einen Austausch nach Neuseeland. Natürlich wird er das Moto-Cross-Fahren vermissen. Verlernen wird der Schüler sein Lieblingshobby in dieser Zeit allerdings nicht, ist sich Papa Hubert Jansen sicher. „Das ist wie Fahrrad fahren. Man muss anfangs nur wieder seine Angst überwinden. Das ist dann so, als wäre man zehn Jahre nicht mehr vom Zehn-Meter-Turm gesprungen.“

Auch das Verhältnis zwischen dem Vater und seinen Kindern habe das besondere Hobby geprägt. Schließlich schraube man oft gemeinsam am Motorrad. Mittlerweile kann Max sogar alleine Öl wechseln, eine Kette spannen und einen Motor auseinander nehmen.

Clara, Max und Hubert Jansen freuen sich darauf, am Schnuppertag wieder vielen Sportbegeisterten ihr Hobby vorstellen zu können. „Live ist das nämlich etwas ganz anderes als auf der Playstation. Das kann man nämlich gar nicht miteinander vergleichen“, sagt Clara und sie muss es wissen.

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