Morgendlicher Angriff aus den Baumwipfeln

Von: Christina Handschuhmacher
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Hier passierte der Angriff: In der Buschstraße – rund 150 Meter von der Einmündung zur Buschmühle (L 221) entfernt – machte Elisabeth Tittel-Schumacher die unliebsame Begegnung mit einem Mäusebussard, der in diesem Gebiet seine Brut verteidigt. Foto: dpa/Christina Handschuhmacher

Stolberg. Der Angriff am Samstagmorgen kommt vollkommen überraschend und dauert nur wenige Sekunden: Während des morgendlichen Spaziergangs bemerkt Elisabeth Tittel-Schumacher, wie plötzlich ein schweres Gewicht auf ihren Kopf drückt.

„Zuerst dachte ich, dass mir etwas auf den Kopf gefallen ist“, sagt sie. „Dann erst habe ich die Schreie des Vogels gehört.“ Der Mäusebussard krallt sich im Haar der 53-Jährigen fest. Nach wenigen Sekunden ist die Attacke vorbei.

„Erst wurde mir kalt, dann warm und schließlich habe ich gemerkt, dass ich blute“, schildert Elisabeth Tittel-Schumacher die Sekunden nach dem Angriff. Sie zieht sich instinktiv die Kapuze ihres Pullovers über und läuft davon. Elisabeth Tittel-Schumacher trägt mehrere Kratzwunden auf dem Kopf und eine etwa fünf Zentimeter lange blutige Wunde auf der Stirn davon. Die Verletzungen sind so schwer, dass sie sich in der Notfallpraxis am Bethlehem-Krankenhaus behandeln lässt.

Es ist der zweite bekannte Angriff eines Mäusebussards auf einen Menschen im Bereich der Nepomucenusmühle innerhalb von nur wenigen Tagen. 2010 hat sich laut Angaben der Stadt im gleichen Gebiet ebenfalls ein ähnlicher Vorfall ereignet.

Die Stadt Stolberg rät deshalb zu erhöhter Aufmerksamkeit im Bereich rund um die Nepomucenusmühle. „Im Gebiet zwischen Nepomucenusmühle, Hammstraße und Standortübungsplatz findet der Mäusebussard einen optimalen Lebensraum vor, so dass sich mögliche Angriffe in den gesamten Raum verlagern können“, warnt Petra Jansen, Pressesprecherin der Stadt.

Elisabeth Tittel-Schumacher wurde in der Buschstraße, rund 150 Meter vor der Einmündung zur Buschmühle, angegriffen – ein Gebiet, das exakt dem natürlichen Lebensraum des Mäusebussards entspricht. Denn der Raubvogel bevorzugt Randbereiche von Waldgebieten sowie Baumgruppen und einzeln stehende Bäume. Die umliegenden freistehenden Wiesen und Felder kann er so perfekt zur Jagd nutzen.

Derzeit befindet sich der Nachwuchs der Mäusebussarde in der sogenannten Ästlingsphase, die etwa von Mai bis Mitte Juli dauert. „In dieser Zeit verlassen die jungen Bussarde erstmalig ihr Nest und erkunden das Revier“, erklärt Petra Jansen. Eine kritische Phase, in der die Jungvögel das schützende Nest verlassen, aber noch nicht selbstständig sind und deshalb umso stärker von den Eltern beschützt werden. Petra Jansen: „Durch die Angriffsflüge beschützen die Altvögel ihren Nachwuchs vor Feinden und Störenfrieden im Revier. Und sie belassen es häufig nicht bei Scheinangriffen, sondern setzen auch ihre scharfen Krallen und Schnäbel ein.“

Doch wie soll man reagieren, wenn man von einem Raubvogel attackiert wird? „Man sollte zunächst den Kopf schützen und ruhig, aber zielstrebig aus dem Gefahrenbereich herausgehen“, sagt Jansen. Da Mäusebussarde immer den höchsten Punkt angreifen, kann auch ein in die Höhe gehaltener Stock helfen.

Auch das Aufstellen von Schildern, die im betroffenen Gebiet vor einem Angriff durch Greifvögel warnen, hat die Stadt Stolberg nach Angaben von Petra Jansen schon in Betracht gezogen. „Es gab gemeinsam mit dem Forstamt Überlegungen in diese Richtung.“ Allerdings erstrecke sich das Aufenthaltsgebiet der Mäusebussarde über mehrere Kilometer. Deswegen sei es kaum möglich, alle Zugangswege mit Warnschildern zu versehen.

Elisabeth Tittel-Schumacher kommt auch am Dienstag, drei Tage nach dem Vorfall, nur sehr ungern an den Ort des Geschehens zurück. „Das Gefährliche ist, dass man den Vogel zuerst nicht hört und auch nicht sieht. Man ist nicht vorgewarnt“, sagt sie, während sie mit den Augen ständig den Himmel im Blick hält. Wichtig ist ihr, dass der Mäusebussard nicht noch weitere Menschen angreift, deswegen hat sie bereits einige Bekannte gewarnt, die oft auf der gleichen Strecke unterwegs sind. „Meine Sorge gilt jungen Müttern, die hier mit ihren Kindern spazieren gehen oder älteren Menschen, die ihren Hund hier Gassi führen“, sagt die Stolbergerin. „Die können nicht so schnell fliehen.“

Elisabeth Tittel-Schumacher will in jedem Fall eine weitere Begegnung mit dem Mäusebussard vermeiden: Für ihren morgendlichen Spaziergang hat sie sich nun eine andere Route gesucht.

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