Momentane Engpässe bei der Schulwegsicherung

Von: Dirk Müller
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Ein Beispiel für dreifaches F
Ein Beispiel für dreifaches Fehlverhalten direkt vor der Grundschule: Manche Eltern parken gegen Fahrtrichtung und blockieren einen Teil der Busspur sowie die Feuerwehrzufahrt.

Stolberg. Alfred Rey schleppt Stühle. 100 Sitzplätze soll die Mensa der Grundschule Bischofstraße aufweisen, um für die anstehende Versammlung gewappnet zu sein. Außerdem muss der Hausmeister sich noch um den Aufbau der Beschallungsanlage kümmern. Doch immer wieder ist sein Blick auf die Uhr gerichtet.

Knapp 60 Stühle hat er schon in die Mensa verfrachtet, da unterbricht er diese Arbeit, denn es ist fast 11.30 Uhr, und Rey muss hinaus auf die Straße. Er streift die gelb leuchtende Warnweste mit der Aufschrift „Verkehrshelfer” über, greift zur Kelle und macht sich auf den Weg vor das Büsbacher Schulgelände.

„Unser Schülerlotse Willi Schemenau ist leider aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen. Seit über zwei Wochen bin ich nun dafür zuständig, dass die Kinder sicher über die Straße kommen”, beschreibt Rey. Eine Lösung zum Wohle der Schüler, die aber zu Lasten des Hausmeisters geht. Viermal täglich unterbricht er seine eigentlichen Arbeiten für jeweils 15 bis 30 Minuten, Mittwochs sogar sechsmal.

Dabei habe der Hausmeister der Grundschule immer genug zu tun, erklärt Rey: „Ab 6.45 Uhr bereite ich den Schulbetrieb vor. In den Pausen leiste ich bei kleineren Blessuren Erste Hilfe. Wenn Computer oder Videogeräte nicht funktionieren, kümmere ich mich ebenso darum wie um den Papierstau im Drucker. Ich mache Botengänge zur Stadtverwaltung und zur Post und halte die Turnhalle betriebsbereit, auch für die Nutzung durch Sportvereine”, gibt er einen kleinen Einblick in die vielfältigen Pflichten eines Hausmeisters.

Für seine Tätigkeiten fehlen ihm jetzt durchschnittlich 1,5 Stunden täglich, die Rey für die Schulwegsicherung aufwendet. Außerdem muss er angefangene Arbeiten immer wieder unterbrechen und sich minutiös an den durch die Unterrichtszeiten vorgegebenen Zeitplan halten.

Eigentliche Arbeit bleibt liegen

„Ich helfe ja gerne als Schülerlotse aus, aber in der Schule bleibt einfach viel Arbeit liegen, für die mir schlichtweg die Zeit fehlt”, erklärt Rey. Auch Schulleiterin Irmgard Remmert betont, dass der momentane Zustand keine dauerhafte Lösung sein könne: „Herr Rey ist mit seinen Hausmeistertätigkeiten voll ausgelastet, so dass er nicht längerfristig als Verkehrshelfer einsetzbar ist. Wir brauchen hier dringend einen neuen Springer, also jemanden, der einspringt und den Schulweg der Kinder in der Bischofstraße sichert so lange Herr Schemenau ausfällt.”

Schulamt ist um Abhilfe bemüht

Das zuständige Amt für Schulverwaltung und Sport weiß um die Problematik und ist bemüht, Abhilfe zu schaffen.

Doch dies sei nicht einfach, erläutert Anke Mommertz, Ansprechpartnerin für die Schulwegsicherung. In dem Gebiet der Kupferstadt sind 14 Verkehrshelfer an Übergängen fest stationiert. Zusätzlich steht ein Springer bereit, der immer dort den Schulweg sichert, wo gerade kein Verkehrshelfer zur Verfügung ist.

„Damit haben wir alle Stellen für Verkehrshelfer besetzt und keine Reserven mehr, auf die wir noch zurückgreifen könnten”, sagt Mommertz. Würden mehrere Schülerlotsen gleichzeitig durch Krankheit oder Verletzung ausfallen, käme es zu Problemen, wie sie derzeit in der Grundschule Bischofstraße und an zwei weiteren Standorten in der Kupferstadt auftreten.

Ehrenamt kann helfen

„Um solchen Engpässen Herr zu werden, wäre es schön, wenn wir auch auf ehrenamtliche Verkehrshelfer zählen könnten, die in ihrer Freizeit den Kindern einen sicheren Schulweg ermöglichen”, appelliert Mommertz an die Bevölkerung. Die Lotsen würden in Zusammenarbeit mit der Polizei durch eine Verkehrssicherheitsberaterin bei einem Termin kurz für die Aufgabe geschult und in der Regel noch einmal in der Praxis unterstützend begleitet werden. Bis sich Freiwillige finden, die sich für die Sicherheit von Schulkindern engagieren, wird Alfred Rey wohl noch selbst eine Weile die „Kelle schwingen” müssen, um die Kleinen gefahrlos über die Straße zu geleiten.

Eine notwendige Aufgabe, denn der Hausmeister und „Aushilfs-Schülerlotse” ärgert sich mehrfach täglich über rücksichtslose Verkehrsteilnehmer, die die Gesundheit der Kinder aufs Spiel setzen: „Viele Autofahrer halten sich nicht an das Tempo-30-Gebot in der Bischofstraße, obwohl die Grundschule doch ein wirklich guter Grund für die Geschwindigkeitsbegrenzung ist, und rasen hier regelrecht vorbei. Und über das Verhalten mancher Eltern kann ich auch nur noch den Kopf schütteln.”

Beim Bringen und Abholen der Schüler werde in zweiter Reihe gehalten, was zusätzlich zum fließenden Verkehr die eigenen Kinder gefährde. Busspur und Feuerwehrausfahrt würden zugeparkt werden, „nur um keinen Meter zu viel zu Fuß gehen zu müssen”. „Besonders am frühen Morgen herrscht hier oft das reine Chaos. Eltern, die sich so verhalten, erfüllen nicht unbedingt eine gute Vorbildfunktion. Viel entscheidender ist aber, dass sie vor allem die Schulkinder dadurch unnötig in Gefahr bringen”, sagt Rey.

Ehrenamtliche Schülerlotsen werden gesucht

Verkehrshelfer, die ehrenamtlich den Schulweg der Kinder sichern möchten, wenden sich bitte an die jeweiligen Schulleitungen oder direkt an das Amt für Schulverwaltung und Sport. Ansprechpartnerin ist Anke Mommertz Tel. 13448.

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