Modellbahn-Schau: Kleben und Basteln gehört zur Faszination

Von: Sonja Essers
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Konzentration und Präzision: Wenn Werner Mertens an der Modellbahn arbeitet, dann überlegt er ganz genau, wo die einzelnen Figuren, Häuser, Tiere und Pflanzen positioniert werden sollen. Foto: Sonja Essers
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Die zahlreiche Schätzchen der Stolberger Eisenbahnfreunde sind im Clubraum bestens verstaut. Sie sind sogar bis zu vier Meter lang.

Stolberg-Münsterbusch. Ganz vorsichtig setzt Werner Mertens die kleine Plastik-Figur auf die Modellplatte. Nach wenigen Sekunden hat er den richtigen Platz für den Bauarbeiter mit der blauen Hose gefunden. Nun heißt es Ruhe bewahren. Schließlich ist der folgende Moment besonders wichtig. Der Leim kommt zum Einsatz.

Mit ruhiger Hand trägt Mertens mit einer Pipette einige Tröpfchen davon auf die Platte auf. In der rechten Hand hält er zwischen Daumen und Zeigefinger die Figur fest und drückt sie auf die Platte. Es ist geschafft: Nach wenigen Augenblicken hat der Bauarbeiter ein neues zu Hause gefunden.

Von seiner Verpackung ging es für ihn mitten ins Getümmel einer Stadt, die nicht nur über zahlreiche Altbauten, eine Kirche und ein Kino verfügt, sondern sich vor allem durch ihre zahlreichen Eisenbahnen auszeichnet.

Werner Mertens ist im Vorstand der Stolberger Eisenbahnfreunde tätig, ein Club, den es bereits seit 33 Jahren in der Kupferstadt gibt. In dieser Woche steht für die 24 Mitglieder eine ganz besondere Veranstaltung auf dem Programm: Sie laden am Samstag und Sonntag zu ihrer Modellbahn-Schau in das Jugendheim Münsterbusch ein (siehe Box). Dort können die Gäste nicht nur die Modelle der sechs teilnehmenden Vereine und Aussteller aus Roermond, Euskirchen, Gangelt und Köln bewundern, sondern auch das eine oder andere Prachtstück erwerben.

Anlässlich der Ausstellung wirft Mertens einen Blick in die Vergangenheit. Angefangen hat der Club, der seit 30 Jahren in einem Keller in der Ardennenstraße in Münsterbusch beheimatet ist, mit einem 4 mal 13 Meter großen Modell, das jedoch noch analoge Technik besaß und so nur ein Zug auf jedem Gleis fahren konnte. Das hat sich allerdings geändert. „Heute ist alles digital. Jede Lok hat einen individuellen Sound, lässt sich einzeln ansteuern und man kann die Anlage sogar vom Smartphone aus bedienen“, sagt Mertens. Das komme vor allem bei den jungen Erwachsenen gut an.

So auch beim 20-jährigen Luca Oberstaller. Ihn haben Züge bereits als Kind fasziniert, und so hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. In diesem Jahr beendet er seine Ausbildung zum Lokführer. „Ich bin jeden Tag fasziniert von dem, was ich in meinem Beruf sehe“, sagt er. Zwei Mal in der Woche besucht er die Clubabende der Eisenbahnfreunde und tobt sich dort an den Gleisen aus. Natürlich ist er mit der modernen Technik bestens vertraut. Doch nicht nur die Technik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv verändert.

Werner Mertens nutzt zur Steuerung lieber den Handregler. Vor acht Jahren haben er und die anderen Mitglieder des Clubs sich dazu entschieden, einen neuen Bahnhof zu bauen. Ein Projekt, das die Eisenbahnfreunde auch in Zukunft noch beschäftigen wird. „Wir haben bestimmt noch 20 bis 30 Jahre etwas zu tun. Man kann stetig erweitern und verfeinern“, sagt Mertens und lacht.

Alleine mit dem Streuen und Leimen von Schotter könne man mehrere Wochen verbringen. Eine Kunst für sich ist auch das Hochstellen des Grases. Das liegt heutzutage nämlich nicht einfach nur platt auf den Modellplatten, sondern man zieht jeden einzelnen Grashalm hoch. Wie das funktioniert? Mit viel Fingerspitzengefühl und moderner Technik, weiß Mitglied Anton Recker.

Zunächst wird die Platte mit Leim versehen, auf diesen folgt grünes Pulver. Ein Elektrostat sorgt dann dafür, dass die einzelnen Fäden hochgezogen werden können und so eine naturgetreue Optik entsteht. Auch die verschiedenen Häuser, den Steinbruch und die Signalsteuerung haben die Eisenbahnfreunde selbst erschaffen. Die Sperrgitter aus gebogenem Draht wurden genauso per Hand gefertigt wie die Bäume. Sogar die eine oder andere Gipsplatte haben die Mitglieder selbst gegossen.

Alter Stolberger Bahnhof

Der ganze Stolz der Eisenbahnfreunde ist jedoch ein Modell des Stolberger Bahnhofs, das seinen Zustand um das Jahr 1930 darstellt und nach alten Plänen aus dem Jahr 1887 gebaut wurde. Rund 30 Stunden wurde dieses gezeichnet. Genauso viele Stunden laserten Studenten der RWTH Aachen alles zusammen. In rund 100 Stunden Arbeit wurden alle Teile noch einmal zusammengesetzt. Das Modell wird auch auf der Modellbahn-Schau ausgestellt. Stolberg galt als Knotenbahnhof „Dort gab es früher ein großes Bahnbetriebswerk“, erinnert sich Mertens.

Das Basteln ist jedoch nicht Jedermanns Sache. „Manche Mitglieder wollen basteln, andere aber lieber fahren“, sagt Mertens und verweist damit vor allem auf die jüngeren Mitglieder. Genau dies können Jung und Alt an den Clubabenden tun. „Hier kann man sich austoben, zu Hause hat man oft keinen Platz dafür“, sagt Anton Recker. Rund sieben Minuten sind die bis zu vier Meter langen Züge im Clubraum unterwegs. „Zu Hause dauert eine Runde eher 20 Sekunden“, sagt Recker und lacht.

Das Fahrmaterial bringen die Mitglieder zum Teil auch selbst mit. Der Grund dafür: „Wir älteren fahren lieber mit den Dampfloks, den Jugendlichen gefallen die moderneren Züge, wie die Euregio-Bahn besser“, sagt Mertens.

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