Stolberg-Breinig - Mit wachen Augen durch den historischen Straßenzug Alt Breinig

Mit wachen Augen durch den historischen Straßenzug Alt Breinig

Von: Sarah-Lena Gombert
Letzte Aktualisierung:
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Sehr alt, gut in Schuss und liebevoll gepflegt: Der denkmalgeschützte Straßenzug Alt Breinig war Thema des Denkmaltags in Stolberg. Foto: S.-L. Gombert
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Schöne Steine: Breinig ist bekannt für seine alten Bruchsteinhäuser. Einheimische und Gäste haben sich am Sonntag in Ruhe umgesehen.
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Auch das ehemalige Ritterlehensgut Gut Stockem wurde unter die Lupe genommen. Das Anwesen steht aktuell zum Verkauf.
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Gästeführerin Klaudia Penner-Mohren erläuterte ihrem Publikum auf lebhafte Weise, wie Breinig entstanden ist.

Stolberg-Breinig. Nicht alltägliche Einblicke in außergewöhnlich schöne Häuser: Das hat die Stolberg-Touristik in Zusammenarbeit mit dem Eifelverein Breinig am Sonntag in dem Stolberger Ortsteil geboten. Anlässlich des Tags des offenen Denkmals gab es mehrere Führungen durch den historischen Straßenzug Alt Breinig und durch die Kirche St. Barbara.

„Breinig ist nicht nur alt, Breinig ist sogar sehr alt“, erklärte Klaudia Penner-Mohren, freiberufliche Gästeführerin, die häufig für die Stolberg-Touristik arbeitet. So gehe schon der Ortsname wahrscheinlich auf den lateinischen Begriff „Britiniacum“ zurück, was soviel heiße wie „Hof des Britanicus“ – eines Kelten. „Angesiedelt hat man sich hier wahrscheinlich des Wassers wegen“, so Penner-Mohren, denn Breinig liegt auf einem Schieferrückens innerhalb des Kalksteinstreifens, der den Untergrund bildet. „Wo Schiefer ist, da sammelt sich Wasser. Und Breinig ist für seine reichen Wasservorkommen bekannt“, erklärt die Gästeführerin. die zahlreichen öffentlichen Brunnen und Pumpen, die zum Teil noch bis ins 20. Jahrhundert betrieben wurden, erinnern daran.

Richtig spannend wurde es für Breinig aber erst nach dem Untergang des römischen Reichs, und nach dem Tod Karls des Großen im Jahr 814. „ein Schicksalsjahr auch für Breinig“, erläuterte Klaudia Penner-Mohren. Denn Karls Sohn Ludwig, der sich in Frankreich aufgehalten habe, hat einen Mönch mit der Gründung des Klosters Inda beauftragt, später als Abtei Kornelimünster bekannt. „Zu diesem Kloster gehörten auch beachtliche Ländereien: das Gebiet, das wir heute als Münsterländchen kennen“, erläuterte Penner-Mohren. Das Kloster habe die Bodenschätze nutzen dürfen: die Erträge der Landwirtschaft, Metalle und auch Gestein. Von Breinig aus habe man später die Besitztümer der Abtei teilweise verwaltet, „so zum Beispiel von Gut Stockem aus“. Hierher führte sie die etwa 30 Teilnehmer auch später – doch zuerst nahmen die Gäste, die teilweise aus Stolberg selbst, aber auch aus Aachen kamen, die Häuser in Alt Breinig unter die Lupe.

Lange, schmale Grundstücke

Da sind zum Beispiel die ganz typischen Wohnstallhäuser: „Die Grundstücke entlang der Straße Alt Breinig sind lang und schmal – das gilt auch für die Wohnhäuser“, beschrieb Penner-Mohren die traditionelle Bauweise. In den typischen Bruchsteinbauten lag der Eingang in der Küche, zur Straße hin gab es eine Stube. Zwischen beiden Räumen war eine metallene Takenplatte eingelassen, die die Wärme von der Kochstelle zum Heizen in die Wohnstube weiterleitete. Von dort aus aus ein Treppenstieg in den ersten Stock führte, wo die Schlafkammern lagen. Im hinteren Gebäudeteil lag klassischerweise der Stall. Ein Fundament wurde in vielen Fällen gar nicht erst gebaut – der Untergrund war felsig genug. „Die Menschen haben einfach den Kellrer ausgehoben.“ Im Laufe der Zeit haben die Hausbesitzer diese Grundform durch Anbauten verändert, aber an vielen Stellen Der Aufbau noch sichtbar.

Dafür, dass die Straße Alt Breinig bis zur Kirche St. Barbara immer breiter wird, gibt es eine simple Erklärung, die die Gästeführerin auch anhand alter Karten verdeutlichen konnte: Hier, auf dem Vorplatz der heutigen Kirche (in früheren Zeiten gab es in Breinig nur eine Kapelle) waren Teiche angelegt, unter anderem als Viehtränke für Tiere der Bauern gedacht.

Woher Klaudia Penner-Mohren das alles weiß, obwohl sie bis Sonntag noch nie eine Führung durch Breinig gemacht hat? „Ich habe mir Literatur besorgt. Und viele Breiniger haben mir erlaubt, ihre Häuser zu besuchen. So konnte ich mich vorbereiten“, erzählt die Gästeführerin. Auch am Sonntag haben Breiniger den Denkmaltag-Besuchern Zugang zu ihren Grundstücken gewährt.

Bei der einen Führung durch Breinig wird es aber vermutlich nicht bleiben: In Zusammenarbeit mit der Stolberg-Touristik arbeitet Penner-Mohren aktuell an einem Konzept für eine Tour durch das ganze Münsterländchen, die auch Venwegen und Kornelimünster einschließt.

„Ich bin froh, dass ich heute hergekommen bin“, sagte eine Teilnehmerin, die gebürtig aus Stolberg stammt, aber schon seit vielen Jahren in Aachen lebt. „Man fährt oft durch Breinig und weiß, dass hier viele alte Häuser stehen.“ Aber so genau wie am Sonntag habe sie sich die Bauwerke noch nie anschauen können.

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