„Mit Vorpreschen” das Gericht milde gestimmt

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Stolberg. Ein Jahr und sechs Monate legte die 1. große Strafkammer auf die bereits vor zwei Jahren verhängten sieben Jahre wegen Drogenhandels.

Dennoch war der Spruch des Aachener Landgerichts mit einer Freiheitsstrafe von insgesamt acht Jahren und sechs Monaten gegen einen 44-jährigen Stolberger geprägt von Milde.

Für ihr Urteil wegen Beihilfe zu Anbau, Herstellung sowie Handel von Drogen in insgesamt 52 Fällen und in einer weiteren Anklage wegen Drogenhandels in 16 Fällen hatte die Kammer insbesondere die von Anfang an bestehende Aussagebereitschaft des Angeklagten berücksichtigt. „Sein Vorpreschen war bahnbrechend für dieses Verfahren”, sagte der Vorsitzende Richter Arno Bormann: „Dieses bahnbrechende Geständnis hat die Strategie des Verteidiges des Mitangeklagten zerstört, das soll sich auch lohnen.”

Das Verfahren gegen den 43 Jahre alten Angeklagten aus Aachen führt die Kammer nun gesondert weiter. Dieser habe sich vergleichsweise sehr schwer getan.

Er führte mehrere Jahre mit dem jetzt Verurteilten einen umfangreichen Grow Shop zunächst in Aachen, dann in der Elgermühle. Dieser habe gewusst, dass das Equipment zum Herstellen von Cannabis-Plantagen genutzt werden sollte und die Kunden dies auch so vorgehabt hatten - für den Eigenkonsum oder aber auch für den Handel. In Einzelfällen habe es darüber hinaus auch eine Beratung gegeben. „Es besteht kein Zweifel, dass das Betreiben eines solchen Geschäfts strafbar ist”, betonte die Kammer. Angesichts der Anzahl und auch einiger gewichtiger Fälle hätte das Urteil auch noch sehr viel höher ausfallen können. Allerdings seien die acht Jahre und sechs Monate eine empfindliche Strafe. „Wer sich so umtriebig zeigt, kann nicht davon ausgehen, unbeschadet rauszukommen”, sagte Arno Bormann.

Angesichts der umfassenden Geständigkeit des Angeklagten, der „viel getan hat, um gut rauszukommen”, und den während der bereits zweijährigen Haftstrafe eingeleiteten Resozialisierungsmaßnahmen wolle die Kammer dem Stolberger aber auch keine weiteren Steine in den Weg legen. Er kann sich nun Hoffnungen auf einen offenen Vollzug machen und hat nach Aussage seines Verteidiger Manfred Dickau dann auch einen Job in Aussicht.

Mit dem Urteil folgt die Kammer dem Antrag von Staatsanwalt Lutz Dickau, blieb aber über dem Vorschlag von Verteidigern Jutta Frommhold, sich mit einer Gesamtstrafe von acht Jahren zu begnügen. Ihr Mandant habe sich in einer Grauzone der Legalität bewegt und sei vom Arbeitsamt in diesen Job vermittelt worden. Allerdings folgte das Landgericht deme Antrag der Verteidigerin, den Wertersatzverfall in Höhe von 50.000 Euro aus dem alten Urteil bestehen zu lassen, um dem 44-Jährigen Perspektiven nach der Haftentlassung nicht zu verbauen.

Das Urteil ist rechtskräftig: Verteidigung und Staatsanwaltschaft verzichteten auf Revision. Die Verhandlung gegen den Aachener soll morgen fortgesetzt werden.
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