Mit versetzten Neubauten Platz für den Gehweg geschaffen

Von: Toni Dörflinger
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Der Flachbau am Steinweg (vorne links) soll nach dem Willen der Stadt abgerissen werden. Dadurch könnte eine freie Sicht auf die dahinter aufragende Burg geschaffen werden. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Die Bauten ragten weit in den Steinweg hinein und erschwerten die Einfahrt in die Mühlenstraße. Nur das Gebäude Steinweg 50 stand so weit zurück, dass es den Erwartungen von Bürgermeister Walther Dobbelmann entsprach, der eine Begradigung der Straßenfronten plante und sich um eine verkehrstechnische Lösung bemühte.

So wurde das im Stil des Historismus errichtete Objekt Steinweg 50 zum Maßstab für die Neubauten, die Anfang des 20. Jahrhunderts der Malermeister August Holtz und der Metzgermeister August Jansen planten.

Den Anfang machte 1909 Holtz. Er ließ das aus Bruchstein errichtete zweistöckige Altgebäude beseitigen und gab dem in Aachen ansässigen Architekten Oskar Hellge den Auftrag, einen repräsentativen Neubau zu entwerfen.

Hellge hielt sich an die von Dobbelmann herausgegebenen Vorgaben und konzipierte ein Gebäude, das zwar höher und prächtiger als der Vorgängerbau geplant, aber um einige Meter zurück versetzt errichtet wurde.

Zwei Meter hatte der Malermeister eingespart, als im Dezember 1911 das Jugendstilgebäude fertig gestellt war.

Diese Einsparung war der Stadt Stolberg willkommen. Sie brauchte Platz, um an der Ecke Mühlenstraße/Steinweg einen Gehweg anlegen zu können.

Holtz hatte nicht nur die Straßenfront begradigt, sondern die gesamte bis zum Vichtbach reichende Grundstückstiefe ausgenutzt. Denn der dreistöckige Neubau erhielt ein Hinterhaus, das bis zum Vichtbach reichte. Das Hinterhaus nutzte der Malermeister als Lagergebäude.

Weil Holtz in seinem Geschäft im Erdgeschoss Farbwaren, Teppiche, Fußbodenbeläge und Tapeten verkaufte, war der Platzbedarf enorm. Sein Sohn Heinrich erweiterte nach dem Krieg das Sortiment in Richtung Dekorationen und Jalousien.

Des Weiteren ließ Heinrich Holtz das einst der jüdischen Fabrikantenfamilie Salomon gehörende Nachbargrundstück bebauen. Auf diesem Gelände entstand in den 50er Jahren ein einstöckiger Bau, der ursprünglich als Geschäftserweiterung benötigt wurde, inzwischen aber überflüssig geworden ist.

Die Stadt, die eine freie Sicht auf die im hinteren Bereich verlaufende Vicht plant, möchte das Gebäude am liebsten wieder abreißen lassen.

Nicht nur August Holtz errichtete Anfang des 20. Jahrhunderts am Steinweg ein neues Haus. Auch sein Nachbar, der Metzgermeister August Jansen, war bestrebt, dem Wunsch von Bürgermeister Dobbelmann zu entsprechen und einen Neubau zurück versetzt auszuführen.

Im Gegensatz zu Holtz machte Jansen allerdings nicht an der Vicht Halt, sondern überspannte mit einem brückenartigen Neubau den Bachlauf.

Damit schuf der Metzgermeister 1911 einen noch heute vorhandenen Brückenschlag, der einst die auf den beiden Vichtbachufern liegenden Grundstücke des Kleinhändlers Johann Schmitz und des Metzgermeisters August Jansen miteinander verknüpfte.
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