Mit Satellitenhilfe auf großer Schatzsuche

Von: Naima Wolsperger
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Bernd Kutsch gibt mit dem GPS-Gerät den Weg für unsere Geocacher vor. Foto: N. Wolfsperger
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Unserer Geocacher: Lorenz Bernard, Günter Thoma und Bernd Kutsch (von Links) am Ende der ersten Aufgabe an der Burg. Foto: N. Wolfsperger
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Die Behälter, hier: mittelgroß mit Logbuch. Einige Geocacher haben auch einen eigenen Stempel um ihren Erfolg zu dokumentieren. Foto: N. Wolfsperger
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Lothar Zielasko (60 Jahre), Wanderführer und Geocacher. Foto: N. Wolfsperger

Stolberg. Die Schnitzeljagd ist auf Kindergeburtstagen immer das Highlight. Die Aufregung, wenn die Schatzkiste gefunden ist, aber noch nicht geöffnet. Was in ein Leuchten in Kinderaugen zaubert, bringt auch Lothar Zielaskos Augen zum strahlen.

Er ist „Geocacher“. Die moderne Schatzsuche wurde vor allem von amerikanischen Studenten in die ganze Welt getragen. Dabei werden Behälter in verschiedensten Größen an öffentlichen Plätzen versteckt. Sei es unter dem losen Stein in einer Mauer oder in einem extra ausgehöhlten Holzstück im Wald. Bei der „Lesertour“ haben sich jetzt auch Leser unserer Zeitung, unter Zielaskos Leitung auf die Suche gemacht.

Zielasko selbst ist durch seinen Sohn zum Schatzsucher geworden. „Bei einem Familienausflug hat er es uns erklärt“, sagt er, „da sind wir dann alle wie wild durch die Gegend gelaufen. Das war ein riesiger Spaß.“ Zielasko ist Wanderführer, an der Volkshochschule unterrichtet er auch den Umgang von GPS-Wander- und Radwegen. Manchmal weiht er seine Wandergäste auch in das Geocaching ein. Das kann dann selbst für jene neue Erkenntnisse bergen, die sich in einem Gebiet gut auskennen.

Inzwischen gibt es Schätze und Suchende auf dem ganzen Globus. Das Konzept ist einfach: Ortskundige suchen besonders clevere Verstecke an öffentlichen Orten, etwa unter einem losen Stein in einer Mauer oder in einem ausgehöhlten Baumstumpf im Wald. In das Versteck kommt ein wetterfester Behälter. Filmdosen oder Tupper-Ware, es gibt sie in verschiedenen Größen; besonders kleine Behälter werden als Nano bezeichnet und sind meist magnetisch. Eine festgelegte Maximalgröße gibt es nicht.

Wo ist das Ziel?

Aber woher wissen die Geocacher, wo sie überhaupt suchen sollen? Bernd Kutsch, Leser unserer Zeitung hat mit etwas elektronischer Hilfe, schnell die Führung der Schatzsucher-Truppe übernommen. Auf einer Webseite werden die GPS-Daten des Verstecks angegeben. Dazu werden mehr oder weniger kryptische Hinweise eingetragen. So steht der Schatzsuchende in Stolberg unter anderem vor der Herausforderung ob er den „Nano-Schatz“, also den extrem kleinen Behälter, „auf gespannter Augenhöhe“ eher an dem Hochspannungskasten oder an dem gespannten Drahtzaun daneben suchen soll. Der Ideenreichtum scheint grenzenlos. Kutsch hatte ein GPS-Gerät für Wanderer von Zielasko ausgehändigt bekommen und gab damit die Richtung vor.

Kleine Gegenstände

In den Behältern gibt es ein Logbuch, in dem sich der Schatzfinder einträgt. Manchmal ist der Gewinn ein intellektueller, man lernt etwas über eine Sehenswürdigkeit. Manchmal sind in den Behältern kleine Gegenstände. Dann nimmt der Geocacher einen mit und hinterlässt dafür einen anderen kleinen Schatz. Immer aber gibt es eine Möglichkeit seinen Fund zu dokumentieren. Über ein Logbuch in der Schachtel oder darüber, dass man ein Foto von sich am richtigen Ort auf der Plattform der Internet-Gemeinschaft geocaching.com ins Internet stellt. Es gebe auch alternative Plattformen, sagt Zielasko.

Der Weg ist das Ziel, das merken auch unsere Leser schnell, die durch die Hinweise für die Schatzsuche sogar an Orte geführt werden, an denen einige noch nie waren. Rund um die Burg führt die Suche und auf verschiedensten Pfaden durch Gehlens Kull bis hin zum jüdischen Friedhof. Idyllische Spaziergänge durch die Kupferstadt können über das Geocaching mit ein wenig Spannung und Spaß verbunden werden. Stimmen die Koordinaten und man befindet sich in der Nähe des Schatzes, dann beginnt die Suche. Ein großer Spaß für unsere Leser, die schnell merken, dass einige Verstecke wirklich knifflig sind. Etwa ein Baumpilz in den der Schatz eingearbeitet wurde. Bald aber hatten alle ein gutes Auge für die Verstecke entwickelt. Das besondere ist der Moment, in dem auch das absurdeste Versteck aufgedeckt wird – und natürlich, der Erste der Gruppe zu sein.

„Manche Leute planen ihren Urlaub nach dem Geocaching“, sagt Zielasko. Sie fahren an jene Orte, an denen sich laut der „Community“ die besten Verstecke befinden. Auch in Stolberg gibt es einige Geocacher. Er habe schon ein paar gesehen, sagt Zielasko, „an sich ist der Geocacher ein Einzelgänger.“ Weil den anderen Suchenden das Versteck nicht verraten werden soll. Es gibt wohl auch Schatzsucher, die versuchen durch die Beobachtung eines anderen ans Ziel zu kommen. So genannte „Muggles“. Man müsse auch aufpassen, dass normale Passanten nicht auf das Versteck aufmerksam werden, damit sie den Fund einfach mitnehmen.

Der Rursee sei aber ein stärkeres Ziel für die Schatzsuchenden, als die Kupferstadt. Deshalb hat Zilasko dort seine „TravelBug“ versteckt. „Travel Bugs“ sind Anhänger, aus Metall, die mit einem Barcode versehen sind. Der Geocacher der sie findet, nimmt sie mit und lässt sie in einem anderen Versteck liegen. Zielaskos Anhänger ist derzeit in Florida, Amerika. „Die ‚Bug‘ ist nach Spanien, dann nach Kanada und dann durch die Vereinigten Staaten gewandert bis nach Florida“, sagt er und freut sich über die weite Reise seines Schatzes. Ein bisschen ist es wohl wie moderne Flaschenpost. Nur, dass man verfolgen kann, wie die Sendung wandert.

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