Stolberg - Mit Kerntechnik weitere Firmen ins Camp locken

Mit Kerntechnik weitere Firmen ins Camp locken

Von: Laura Beemelmanns
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So soll der neue Gebäudekomplex, der im Mittelstück des Gewerbegebietes Camp Astrid entstehen soll, aussehen. Begonnen wird mit dem Bau einer großen Halle. Foto: Aint
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So soll der neue Gebäudekomplex, der im Mittelstück des Gewerbegebietes Camp Astrid entstehen soll, aussehen. Im Anschluss folgt das Verwaltungsgebäude. Foto: Aint
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Dr. John Kettler (links) und Dr. Andreas Havenith ziehen mit ihrem Unternehmen Aint ins Camp Astrid.

Stolberg. Dr. Andreas Havenith und Dr. John Kettler zieht es von Aachen in die Kupferstadt. Allerdings nicht, um dort einfach eine neue Bleibe zu erwerben. Nein, es ist mehr als das – sie haben Großes vor. Sie wollen als erste Unternehmer bislang das Mittelstück des Gewerbegebietes Camp Astrid bebauen – und investieren dafür etwa zweieinhalb Millionen Euro.

Auf einer Fläche von rund 3500 Quadratmetern soll ihr Unternehmen „Aachen Institute for Nuclear Training GmbH“, kurz „Aint“ genannt, weiter wachsen. Sie sind in der Forschung und Entwicklung sowie in der Aus- und Fortbildung im Bereich der Kerntechnik tätig und beraten zudem die Atomwirtschaft. Dieses Feld soll nun ausgebaut werden – mit neuen Ideen und an einem neuen Standort.

Innovative Messtechnik

Bislang war das Unternehmen in Aachen angesiedelt. Diese Räumlichkeiten seien nun schlichtweg zu klein geworden, da sie künftig auch den Geschäftszweig „Entwicklung innovativer Messtechnik“ ausbauen wollen. Basierend auf ihrer Technologie können die Kunden die Massenanteile sämtlicher Elemente, wie beispielsweise Gold und Kupfer, zerstörungsfrei und in Echtzeit in einem Reststoffstrom, wie beispielsweise Elektroschrott, bestimmen.

Im Anschluss erfolgt die analytische Auswertung zur Identifizierung und Qualifizierung toxischer Elemente und Substanzen. Gerade bei Altabfällen mit unzureichender Dokumentationslage sei ein solches zerstörungsfreies Analyseverfahren unabdingbar. Als Beispiel im Kleinen dient ein Handy: Um zu erfahren, welche wertvollen Metalle darin enthalten sind, muss es bislang aufwendig zerkleinert, zu Pellets gepresst und nachfolgend gemessen werden.

Das Handy wäre somit unwiederbringlich zerstört und der Energieaufwand sehr hoch. Durch die Messtechnik von Aint genüge es, wenn das Handy in eine Messkammer gelegt werde. Dabei bleibe es unversehrt und zudem gehe es schneller. „Unser Ziel ist es, die Recyclingrate von Wertstoffen zu erhöhen und somit die Kreislaufwirtschaft zu optimieren“, sagt Havenith.

Und diese Messtechnik benötigt eben ihren Platz. Denn zuvor haben die beiden Wissenschaftler ihre Messanlagen im Forschungszentrum Jülich aufgebaut oder diese an einem Hochleistungsrechner simuliert. Nun soll die Infrastruktur für die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten aufgebaut werden.

Daher haben sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Standort begeben. Auch Eschweiler, Alsdorf, Aachen-Brand und Kerkrade waren im Gespräch. Insgesamt sei Stolberg aber am attraktivsten. Die Lage in der Nähe zum Hauptbahnhof sei sehr gut, sagt Havenith. Hinzu komme die Nähe zum Forschungszentrum Jülich, mit dem sie einen Kooperationsvertrag haben, als auch weiterhin die zu Aachen und Instituten der RWTH, mit denen sie seit Beginn ihrer Selbstständigkeit eng zusammenarbeiten.

„Es gibt sehr viele junge, technische Unternehmen. In Aachen sind wir eins von 1000, in Stolberg eins von fünf“, sagt John Kettler. Havenith fügt hinzu: „In Stolberg gibt es bereits international gut vernetzte Unternehmen. Wir bieten ein neues Innovationspotenzial für die Stadt, wovon bestehende Unternehmen profitieren können.“ Havenith selbst ist gebürtiger Stolberger. Dies sei jedoch kein Kriterium für die Standortwahl gewesen.

Die Baumaßnahmen für ihr Unternehmen Aint starten in den kommenden Monaten. Fertiggestellt werden soll der gesamte Gebäudekomplex bestehend aus einer 500 Quadratmeter großen Halle und einem dreistöckigen Verwaltungsgebäude in rund drei Jahren. Begonnen wird mit dem Bau der Halle, um Raum für die Messtechnik zu schaffen; Büroplätze beziehen Havenith und Kettler mit ihren derzeit elf Mitarbeitern während der Bauphase im Dienstleistungszentrum (DLZ).

Ist die Halle fertiggestellt, werden aber auch dort Arbeitsplätze vorhanden sein. Im letzten Schritt wird das Verwaltungsgebäude fertiggestellt, damit der endgültige Umzug stattfinden kann. Ziel sei es, mit ihrem Unternehmen am Standort „einen Keim in Stolberg entstehen zu lassen“, sagt Kettler. „Stolberg fehlt eine Hochschule und Wachstumsimpulse für junge Leute mit Ideen.“ Daher werden sie ihre Kooperation mit den Hochschulen weiter ausbauen, um beispielsweise Angebote für Bachelor-Arbeiten und Praktika für Studenten zu schaffen.

Entstehen soll ein Cluster, also ein übergeordnetes gemeinsames „Dach“ im Gewerbegebiet, unter dem Unternehmen, Hochschulen und die Industrie zusammenarbeiten. Ziel des Clusters sei es, Forschung, Entwicklung und Innovation bei der Rohstoffrückgewinnung auszubauen. Durch die regionale Vernetzung sollen Verbundprojekte zwischen Industrie und Wissenschaft gefördert werden.

Das Unternehmen wird ebenfalls ein Laborgerät für die Analyse von Boden- und Gewässerproben bauen. Im Bereich der Umweltanalytik biete sich Stolberg daher geradezu an. „Stolberg hat viele belastete Böden“, sagt Kettler. Und da sei ein Unternehmen, das auf innovative Messtechnik ausgerichtet sei, die auch Schwermetall belastete Böden analysieren kann, genau richtig angesiedelt.

Der ursprüngliche Gedanke von Aint, also die Aus- und Fortbildung in der Kerntechnik, bleibe. „Kerntechnisches Wissen muss in Deutschland erhalten werdenn um ausländische Kernkraftwerke wie Tihange sicherheitstechnisch bewerten zu können“, sagt Havenith. Mit der Entwicklung und Herstellung von Messanlagen werde ein neuer Geschäftsbereich mit großem Wachstumspotenzial erschlossen. Getragen werde er vom Team, das Havenith und Kettler zusammengestellt haben. Dass sie mit einem größeren Unternehmen auch mehr Verantwortung tragen, ist ihnen bewusst.

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