Mit einer steifen Brise auf der Welle reiten

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Inden/Altdorf. Venezuela ist fast dreimal so groß wie Deutschland und hat eine etwa 2800 km lange Küste. So viele Kilometer der Karibik brauchen Thomas Brendt und seine Ehefrau Yoli nicht zum Surfen.

Sie begnügen sich mit einem Teilabschnitt vor ihrem Domizil. Rund sechs Monate verbringen die beiden in dem südamerikanischen Staat. Das restliche Jahr, von Mai bis Oktober, wohnen sie in ihrem Heimatort Inden/Altdorf.

Von dort aus gehen die beiden Surf-Profis auf Europatour, steuern die Ländern an, in denen gerade Weltcup-Rennen ausgetragen werden.

Sonnengebleichtes Haar, brauner Tend, sportlich legere Kleidung: Auf den ersten Blick wirken die Beiden wie gerade von einem längeren Urlaub zurückgekommen. Doch dieser „Urlaub” dauert für die beiden Surf-Enthusiasten zwölf Monate. „Denn mit Surfen verdienen wir unser Geld”, lacht Thomas Brendt.

Der 35-jährige arbeitet nicht nur als Trainer, sondern betreut auch momentan Jose Estredo, amtierender Windsurf-Weltmeister. Während bei den Herren der Gesamtweltcup noch läuft, haben die Frauen Schluss. „Ich bin Vierte geworden”, lacht Yoli.

Ein bemerkenswertes Erfolgserlebnis, denn die jetzt 33-Jährige kam erst vor gut sieben Jahren zum Windsurfen. „Anscheinend habe ich Talent”, lacht die gebürtige Venezuelanerin. Die letzten Rennen bestritt sie auf Sylt, Lanzarote, Fuerteventura, auf dem Neusiedler See in Österreich und auf Mallorca. „Jetzt ist Schluss, jetzt ist nur Training angesagt.”

Dann geht es nach Dänemark, an die holländische Küste „oder an den Blausteinsee hier in Eschweiler.” Letzterer Trainingsort ist bei entsprechendem Wind auch ein ideales Gewässer, „denn schließlich liegt dies vor der Haustür.”

Gerade die Fahrten oder Flüge zu den Trainingscamps - Thomas Brendt führt in Europa auch Windsurf-Camps durch - sind es, die mit einem hohen Kostenfaktor verbunden sind. Wenn die beiden Surfer auf Tour gehen, schleppen sie rund 180 Kilogramm Ausrüstung mit.

Vier bis sechs Boards, bis zu neun Segel oder aber die nicht gerade leichten Neoprenanzüge - hinzu kommt der Mast - sind je nach Wettbewerb nötig. „Wir fahren Welle, Freestyle oder Strecke”, macht Brendt keinen Hehl daraus, dass ihm gerade die Welle liegt.

Auch wenn er und seine Frau schon weit in der Welt herumgekommen sind, hat der 35-Jährige - er arbeitet zusätzlich für bestimmte Szenemagazine als Fotograf - noch Fernweh. „Ich möchte gerne einmal an der Küste Australiens oder an der Insel Mauritius auf der Welle surfen.”

Eine Gedanke, den Joly sofort bejaht. Dass das Surfen harte Arbeit ist, dies unterstreichen beide. „Jeden Tag acht Stunden auf dem Board braucht man schon, um international mitfahren zu können”, sagt die Surferin, die im Freestyle zu Hause ist. Dass dieser Sport in und auf die Knochen geht, dies bekennt sie frei und offen. „Aber auch viel Spaß und Freude bereitet.”

Was sie bedauert ist die Tatsache, dass sie erst im späteren Alter zum Surfen fand. „Meine Gegnerinnen sind alle mit 14 oder 15 Jahren erstmals auf das Board gestiegen”, sagt Joly Brendt. Ein Alter, in dem auch ihr Mann erstmals Gefallen am Surfen fand. Es war während eines Urlaubs an der holländischen Küste”, erinnert sich der Windsurf-Trainer an die Anfänge.

Von der er so begeistert war, dass es ihn oft und auch jetzt noch immer wieder an den Gardasee zieht. „Dies ist ein wahres Surf-Mekka. An manchen Tagen sind dort bis zu 1000 Surfer auf dem Wasser.” Und wenn dann das Segel im Wind steht, eine steife Brise weht, „ja dann muss du als Surfer die Ballance halten. Die Ballance zwischen Board, Segel und Körper. Und dies ist das Faszinierende.”
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