Mit den Barbies im Gepäck nach Kenia

Von: Katharina Menne
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Tauscht die malerischen Stolberger Bruchsteinhäuser gegen Lehmhütten und raue Steppe in Kenia: Hannah Küpper geht für ein Jahr nach Afrika, um dort mit körperlich beeinträchtigten Kindern zu arbeiten. Foto: K. Menne

Stolberg. Mit der Vorstellung, ab September fast nur noch Röcke tragen zu müssen, tut sich Hannah Küpper schon schwer. „Aber wenn das in Kenia so ist, dann passe ich mich natürlich an. Ich falle ja als Weiße sowieso schon genug auf“, sagt die 19-jährige Stolbergerin. Traditionell sei die Hose dort nämlich den Männern vorbehalten – und Prostituierten.

Anfang September macht sie sich auf den Weg nach Nunguni, das ist ein kleiner Ort in der Nähe von der kenianischen Hauptstadt Nairobi, um dort für ein Jahr in einem Internat für körperlich und geistig beeinträchtigte Kinder und Jugendliche Freiwilligendienst zu leisten.

Großer Bruder als Vorbild

Als sie vor einigen Monaten die Entscheidung traf, war sie noch ganz entspannt. Doch jetzt, wo die Flugtickets auf dem Küchentisch liegen, steigt doch langsam die Nervosität. „Was erwartet mich? Wie funktioniert das Zusammenleben? Werde ich mich verständigen können? Solche Fragen beschäftigen mich schon“, sagt sie. Doch davon abgesehen freue sie sich sehr auf die vor ihr liegende Zeit.

„Ich mache das ja vor allem für mich. Man sollte sich immer klar darüber sein, dass die Menschen dort auch ohne einen zurecht kämen, aber für mich ist es Persönlichkeitsbildung und auch ein Stück weit eine Stärkung des Selbstbewusstseins“, sagt sie. Natürlich profitieren auch die Kinder davon. Die Freiwilligendienstler haben viel mehr Zeit und Geduld, als die Angestellten vor Ort. Aber es sei eben ein Geben und Nehmen: Ihr gebe es dagegen das gute Gefühl, etwas Gutes getan zu haben.

In dem Internat, in dem sie arbeiten wird, leben etwa 30 Kinder im Alter von vier bis 17 Jahren. Die meisten dort haben körperliche Einschränkungen wie fehlende Gliedmaßen, starke Neurodermitis oder Krankheiten, die ihre Muskeln erschlaffen ließen. Hannah Küpper wird sie auf dem Weg zur Schule begleiten, mit ihnen Hausaufgaben machen, mit ihnen spielen, aber auch kochen und waschen.

Wohnen wird sie vor Ort in der Einsatzstelle im Internat. „Ich hätte mich auch für eine Gastfamilie entscheiden können, aber mir ist es wichtig, Nähe aufzubauen und für die Kinder da zu sein“, sagt sie. Sie sei selbst sehr emotional veranlagt – daher passe das so besser zu ihr.

Den Wunsch, sich nach dem Abitur in einem sozialen Projekt zu engagieren, hatte sie schon länger – genauer gesagt, seit ihr Bruder etwas Ähnliches in Ungarn gemacht hat. Doch für sie stand fest: Es soll rausgehen aus Europa, auf einen anderen Kontinent. „Ich möchte eine neue Kultur kennenlernen, meinen Horizont erweitern und etwas machen, was nicht jeder macht“, sagt sie. Daher sei eine einfache Weltreise gar nicht in Frage gekommen.

Ein Thema, das ihr besonders am Herzen liege und über das bereits im Vorbereitungsseminar intensiv gesprochen worden sei, ist Rassismus. „Früher habe ich vielleicht nur innerlich protestiert, wenn sich jemand rassistisch geäußert hat. Heute stehe ich auf und sage laut etwas dagegen oder gehe demonstrativ weg – auch bei Freunden“, sagt sie. Da sei einfach eine Frage des gegenseitigen Respekts.

Spenden einwerben als Aufgabe

Organisiert wird ihr Aufenthalt in Kenia von den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten, einer Partnerorganisation des 2008 vom Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufenen Freiwilligendienst „weltwärts“. Dreiviertel der Kosten werden vom BMZ getragen, das andere Viertel trägt die Partnerorganisation. Allerdings wird auch von jedem Freiwilligen erwartet, sich an der Spendeneinwerbung zu beteiligen. Hannah Küpper hat bereits das erforderliche Minimum von 2700 Euro zusammen.

Darüber hinaus habe sie auch bei Spielzeuggeschäften angerufen, um zusätzlich Sachspenden mit nach Afrika nehmen zu können. Das sei jedoch noch nicht besonders erfolgreich gewesen. „Bisher hat sich da noch niemand zurückgemeldet. Aber ich werde auf jeden Fall meine eigenen aussortierten Barbies mitnehmen – da freuen die Kinder sich bestimmt“, sagt sie. Und vielleicht ist das mit den Röcken am Ende ja gar nicht so schlimm. Schließlich ist es in Kenia sehr heiß und so ein bunter Rock luftig und leicht.

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