Mit dem E-Rad durch Stolberg: Hügel sind kein Hindernis mehr

Von: Eva Kaußen und Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
elektro-eva-bu
Fährt jedem „normalen” Radler davon: Unsere Praktikantin Eva Kaußen auf dem sportlichen E-Bike. Foto: K. Linden

Stolberg. Mit seinen 25 Kilogramm wiegt das 24-Gänge-Rad ganz schön viel, rund 10 bis 12 kg ist es schwerer als ein herkömmliches Fahrrad ähnlicher Bauart. Und manchmal spinnt auch der Computer des E-Bikes ein wenig.

Zumindest beim ersten Test, als das Display noch 74 Prozent Batteriestatus anzeigt, dem kleinen Elektromotor nach 1,5 Kilometern kurz vor der steilen Auffahrt richtung Zweifall aber schon die Puste ausgeht. Vorführeffekt nennt man das wohl bei einer Testfahrt, die damit nach kurzer Runde ein abruptes Ende findet.

Und dennoch: Elektrofahrräder sind ein Verkaufsschlager, sowohl die Fahrrad- als auch die Tourismusbranche - zum Beispiel in der hügeligen Eifel - rechnen mit weiter steigender Nachfrage. Mit den alten, Hilfsmotor betriebenen Seniorenrädern haben die aktuellen E-Bikes nichts mehr zu tun - die neuen Modelle sind trendy, schick, sportlich und sauber.

Also auf zur zweiten Testfahrt, denn immerhin waren die Ansätze der ersten - kurzen - Runde ja gar nicht schlecht. Diesmal regnet es zwar leicht, doch dem 250-Watt-Elektromotor macht das nichts aus. Und das Sport-SL-Fitnessrad weiß durchaus zu überzeugen, das zeigen schon die ersten Meter: Von der Garage aus geht es ein paar Meter leicht bergan - mit Elektroantrieb kein Problem - auch nicht im schweren Gang auf dem großen Kettenblatt.

Motor arbeitet geräuschlos

Die im Rahmen des Rads gelagerten Akkus treiben den Motor an, der sich in der Hinterradnabe versteckt und geräuschlos das Treten in die Pedalen unterstützt. Ein echter Vorteil: Auf den ersten Blick sieht und hört man nicht, dass es sich um ein Elektro-Fahrrad handelt - gut für jeden, der auch optisch einen sportlichen Eindruck hinterlassen will. Auf der Strecke tut er das ohnehin: Problemlos tritt man das Rad auf gerader Fahrbahn mit 30 km/h und mehr und hängt damit nicht motorisierte Hobbyradler locker ab.

Um Schnelligkeit und das Ärgern anderer Radfahrer geht es den meisten E-Bike-Käufern aber nicht, sagt Walter Kielblock von Radsport Ganser. „Die Kunden wollen einfach Radfahren können, auch wenn es ihnen aus gesundheitlichen Gründen schwerfällt.” Geeignet sind E-Bikes deshalb zum Beispiel für herzkranke oder ältere Menschen, denen es ein wenig an Kraft fehlt oder für die zu große Anstrengung schädlich ist, die jedoch nicht darauf verzichten wollen, sich an der frischen Luft zu bewegen. „Man muss es selbst ausprobieren, dann sieht man: Es macht Laune”, sagt Kielblock.

Vom Fahrgefühl her unterscheidet sich das E-Bike deutlich von einem normalen Fahrrad. Man spürt nach den ersten Pedaltritten wie der Elektromotor anfängt zu arbeiten und den Fahrer samt Rad mühelos mit 26 Sachen den Berg hochträgt, zum Beispiel die K13 von Dorff nach Breinig. Ob Frackersberg, Rotsch oder Halsbrech: im hügeligen Stolberg ist Absteigen und Schieben mit dem E-Bike kein Thema.

Überzeugend ist auch die Bedienung: Man muss kein Fahrrad- und erst recht kein Technikexperte sein, um dieses Rad samt Motor zu steuern. Am Lenker lässt sich, wie bei jedem anderen Fahrrad auch, die Gangstärke problemlos einstellen. Das Licht des Rades lässt sich mit einem Knopfdruck ein und locker wieder ausschalten, ein Dynamo ist hier nicht von Nöten.

Der Elektromotor ist in drei verschiedene Stufen einstellbar, von Eco über Normal bis zur Power-Stufe. Wer das für kompliziert hält, der irrt sich. Mit einem einfachen Knopfdruck am Lenker kann man die verschieden Schnelligkeitsstufen beliebig nach Steigung und Gefühl einstellen. Wer ihn bergab ganz ausschaltet, kann zwischendurch auch noch Energie sparen.

Hilfreich ist auch der Tacho mit großzügigem Display, das übersichtlich die einzelnen Powerstufen sowie den Batteriestatus, die Uhrzeit, Tages- und Gesamtkilometer und die aktuelle Geschwindigkeit anzeigt.

Nur für das Gelände ist das Testmodell weniger geeignet, weil man jede Bodenunebenheit deutlich spürt und ziemlich durchgeschüttelt wird.

Förderung für Käufer

Hoch hinaus kommt man also auch als ungeübter Fahrer mit einem modernen E-Bike. Hoch sind allerdings auch die Preise: Einfache Modelle beginnen bei etwa 1200 Euro, für sportlichere und besser ausgestattete Räder müssen Kunden bis zu 2700 Euro hinblättern. Unser Testmodell, das Sport SL von der Firma Hercules, ist im Handel für rund 2300 Euro zu haben.

Kleines Bonbon für EWV-Stromkunden: Der Stolberger Energieversorger fördert die sogenannte E-Mobilität als „Mobilität der Zukunft” und gibt Kunden, die ein E-Bike kaufen, 100 Euro Zuschuss zum Kaufpreis. 140 Fahrräder hat das Unternehmen in seinem Versorgungsgebiet auf diese Weise bereits gefördert, sagt EWV-Sprecher Andreas Ihrig: „Wir möchten damit dazu beitragen, dass die Elektromobilität sich schnell ausbreitet, denn Elektrofahrzeuge fahren geräuscharm und emissionslos und sind gut für den Klimaschutz.”

Bis zu 65 Kilometer im Sparmodus

Pedelec (aus dem Englischen: Pedel electric cycles) ist der offizielle Name für Räder wie unser Testrad, bei denen sich der Elektromotor nur zuschaltet, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Für sie braucht man keinen Führerschein.

Rund zwei Stunden brauchen die Akkus, um von Null auf 100 Prozent Leistung zu laden. Das geht problemlos mit dem dazugehörigen Ladegerät über eine normale Steckdose.

Die Reichweite liegt im Sparmodus Eco, also der ersten Stufe, bei 60 bis 65 Kilometern. Im Normalmodus werden 50 bis 55 km erreicht, im Powermodus, der 250 Watt an Schubkraft hinzugibt, immer noch 40 bis 45 km.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert