Stolberg - Mit Blei, Silber und Schwefel am Netzwerk geknüpft

Mit Blei, Silber und Schwefel am Netzwerk geknüpft

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Auf Wunsch der Kunden greift die höchst innovative Bleihütte auch auf traditionelle Handarbeit zurück. Unternehmer zeigten sich beeindruckt beim Rundgang durch die Produktion. Foto: J. Lange
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Neue Werkstoffe führen zu innovativen Lösungen: Prof. Dr. Andreas Groß vom Fraunhofer Institut erläutert das am Beispiel von Sportstadien in faszinierender Weise. Foto: J. Lange

Stolberg. Sie haben Kooperationspartner in Deutschland, Geschäftskunden in der ganzen Welt, doch in der unmittelbaren Nachbarschaft kennt noch längst nicht jeder seinen Nächsten. Und damit kennen Unternehmer auch nicht alle interessanten Persönlichkeiten und vor allem nicht die wirtschaftlichen Potenziale gleich vor der eigenen Haustüre.

Die bessere Vernetzung der Verantwortungsträger in der Stolberger Wirtschaft ist eines der Ziele des neuen Unternehmerforums in der Kupferstadt. Sie ist Teil der Offensive von Tim Grüttemeier, „aktiv auf die Wirtschaft zuzugehen, sie einzubinden und ihr zur Seite zu stehen“, um gemeinsam Stolberg nach vorne zu bringen.

Das hatte der Bürgermeister bei der Auftaktveranstaltung im September angekündigt, und in Dr. Urban Meurer fanden die Vertreter einen galanten Gastgeber für den ersten Unternehmensbesuch, der großzügige Einblicke in die Berzelius Bleihütte Binsfeldhammer gewährte. Gut 50 Gäste nutzten die Chance zu erkunden, wie das traditionsreiche Unternehmen dank innovativer Investitionen erfolgreich ist.

Bestes Beispiel sind die mehr als 60 Millionen Euro, die in den vergangenen 15 Jahren am Standort Stolberg investiert wurden – in Umweltschutz, der zugleich effizientere und nachhaltigere Produktionsmethoden ermöglicht. In dem beispielsweise aus den Rohstoffen zur eigentlich primären Bleigewinnung frühere Abfallprodukte separiert und als heute wertvolle Rohstoffe weiter vermarktet werden können.

Wismut, Antimon, Silber und Gold sind solche Beispiele. Mit einem Volumen von rund 25 Millionen Euro hat Dr. Meurer die Silberhütte modernisiert, um die Produktion von 350 auf 700 Tonnen und mehr verdoppeln zu können. Damit überflügelt das Edelmetall den finanziellen Ertrag der Schwermetallproduktion von rund 155.000 Jahrestonnen Blei. Hinzu kommen 130.000 Tonnen Schwefelsäure, die aus der konventionellen Produktion mittlerweile dank neuer Verfahren gewonnen werden.

Nur zu gerne nutzten die Vertreter anderer Branchen die Gelegenheit, solch ein spannenden Nachbarn bei Kurzpräsentation und Rundgang kennenzulernen. So liest sich denn auch die Gästeliste wie ein who-is-who unterschiedlicher Branchen in Stolberg – angefangen mit Vertretern von Geldinstituten und Verbänden über Logistik-, Kommunikation-, Solar-, Pharma- und IT-Branche bis hin zu Gewerbetreibenden und aktuellen Nachfolgern von Kupfermeistern, wie Birger Rotert von KMD oder Jens Waldau von Prym.

Als besonderes Canapé servierte Urban Meurer einen Blick über den Tellerrand hinaus: Beispielhaft an Fußballstadien zeigte Prof. Dr. Andreas Groß vom Fraunhofer Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung in Bremen mit einem faszinierenden Vortrag auf, wie der Einsatz neuer Werkstoffe den Bau innovativer Stadien, etwa in Berlin, Dortmund, München, Brasilia, Rio de Janeiro, China und Japan beeinflusst hat, um auch mit dem baulichen Rahmen den Sport als Hauptanliegen effizient präsentieren zu können.

Der Ausflug in Architektur und Werkstoffkunde diente als gelungener Ansporn für die Besucher, auch für das eigene Unternehmen und die eigene Aufgabe den Blick über den Tellerrand hinaus zu wagen, um mit innovativen Ansätzen auch neue Wege zu gehen. Jedenfalls wurde zum Ende des Tages hin die Gelegenheit genutzt, die Eindrücke zu vertiefen, sich besser zu vernetzen und auch gemeinsame Anliegen, Wünsche und Projekte herauszuarbeiten.

Fortgesetzt werden soll das Netzwerken auf diesem Kanal in der zweiten Jahreshälfte.

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