Stolberg - Mit Behinderung in eigener Wohnug leben

Mit Behinderung in eigener Wohnug leben

Von: Doris Kinkel-Schlachter
Letzte Aktualisierung:
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Hilfe bei alltäglichen Dingen: Beim ambulant betreuten Wohnen zeigen die Betreuer auch, wie eine Mahlzeit zubereitet oder eine Spülmaschine eingeräumt wird. Foto: Thilo Schmülgen / Aktion Mensch
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Für betreutes Wohnen zuständig: Martina Breidt und Nora Kaußen-Jensen (v.l.) vom Sozialdienst katholischer Frauen. Foto: D. Kinkel

Stolberg. Frau K. lebt trotz ihrer geistigen Behinderung selbstständig in einer Wohnung. Allerdings wohnt die 34-Jährige in einer dunklen Kellerwohnung, die Möbel sind verschimmelt, die Zustände unzumutbar. In der Werkstatt für Behinderte, in der sie arbeitet, weiß das keiner.

Denn sie selbst ist sich der schlechten Situation, in der sie lebt, auch gar nicht so recht bewusst. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung sehen, zu groß ist die Verunsicherung.

Durch das neue Angebot des Sozialdienstes katholischer Frauen, Menschen mit geistiger Behinderung ein eigenständiges Wohnen zu ermöglichen, hat sich die Situation der jungen Frau geändert. Sie wohnt jetzt – weiterhin selbstständig – in einer neuen Wohnung.

Ambulant betreutes Wohnen auch für Menschen mit geistiger Behinderung, wie es bei Frau K. der Fall ist, ist nun auch in Stolberg möglich. Der SkF baut einen entsprechenden Dienst auf, der speziell für diese Zielgruppe professionell betreutes Einzelwohnen anbietet und in den Strukturen des bereits länger bestehenden ambulant betreuten Wohnens für Menschen mit psychischer Erkrankung arbeitet. Er wird auch Kontakt- und Freizeitangebote machen. Der neue Dienst unterstützt Erwachsene mit geistiger Behinderung, die den Wunsch haben, selbstständig zu leben und aufgrund ihrer Ressourcen in der Lage dazu sind. Er schließt eine Versorgungslücke in Stolberg.

„Der SkF Stolberg verfügt durch seine 26-jährige Erfahrung im betreuten Wohnen für psychisch kranke Menschen über hohe Fachkompetenz in der Eingliederungshilfe und über gute Kenntnisse der Angebotsstruktur in der Städteregion“, sagt Nora Kaußen-Jensen. In den vergangenen zwei Jahren habe es konkrete Anfragen von gesetzlichen Betreuern und Werkstattmitarbeitern gegeben, die den SkF bestärkt hätten, ambulant betreutes Wohnen für Menschen mit geistiger Behinderung anzubieten, so die Leiterin der Beratungsstelle.

Dafür hat der Sozialdienst einen Antrag bei der Aktion Mensch gestellt, um finanzielle Unterstützung für den Aufbau zu erhalten. Die Soziallotterie unterstützt das Projekt mit rund 29.000 Euro Aufbauhilfe (mehr Infos im Kasten unten). „Wir sind zwar noch in der Aufbauphase, personell aber mittlerweile so gut aufgestellt, dass wir durchstarten können“, freut sich Kaußen-Jensen.

Ein sechsköpfiges Team bestehend aus Sozialpädagogen, Heilerziehungspflegern, Erziehern und einer Hauswirtschaftskraft ermöglicht es den zurzeit 37 Klienten, die psychisch oder geistig erkrankt sind, in ihrer eigenen Wohnung selbstständig leben zu können. „Es ist eine lebenspraktische Unterstützung. Bei den geistig behinderten Menschen geht es oft um ganz einfache Dinge: Wie kaufe ich richtig ein, wie bereite ich mein Essen zu, wie halte ich meine Wohnung sauber, was ist wichtig für den Tag und wie plane ich meine Woche“, erklärt Martina Breidt. Es sei vor allem wichtig, sehr nah dran zu sein an den Menschen, „nicht nur reden, sondern einfach tun“, betont die Mitarbeiterin des SkF.

Denn Veränderungen oder gar Neuerungen seien mit Unsicherheit und Angst besetzt, „deswegen geht die Betreuungsarbeit nur mit einer guten Vertrauensbasis“.

So lief es auch bei Frau K. Die SkF-Mitarbeiter haben ihr bei der Beschaffung einer neuen Wohnung geholfen, alles Nötige mit dem alten und danach neuen Mieter geklärt beziehungsweise Frau K. bei den Gesprächen begleitet. „Sie soll sich natürlich nicht allein gelassen fühlen“, erläutert Martina Breidt. Weiter ging es mit dem Umzug und dem Einrichten der neuen Wohnung. Breidt: „Wir haben sie bei den Einkäufen fürs Mobiliar begleitet.“ Denn die Frau habe eher ein Auge für Deckchen und Deko gehabt als für wirklich Wichtiges wie einen Herd.

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