Mit acht Jahren schon ein großer Musiker

Von: Marie-Luise Otten
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Sie wussten das Publikum zu begeistern: Jiayan Gao (v.l.), Yuxuan Gao, Shaoxuan Li, Jie He und Ya Gao – allesamt Preisträger zahlreicher Klavierwettbewerbe in China. Foto: M.-L. Otten

Stolberg. Auf Europa-Tournee befinden sich momentan fünf junge chinesische Schüler und Studenten im Alter von acht bis 20 Jahren der Musikhochschulen Henan und Xian aus China. Am Samstagabend machten die Preisträger zahlreicher Klavierwettbewerbe im Rittersaal der Burg Halt und sorgten mit ihren Darbietungen für einen außergewöhnlichen Konzertabend.

„Sterne Chinas“ waren sie alle, doch war der Star des Abends der achtjährige Jiayan Gao, der am Sonntagnachmittag auch das Eröffnungskonzert der Monschau Klassik bestritten hat.

Der kulturelle Austausch zwischen chinesischen Musikhochschulen und der Euregio soll gerade jungen Talenten die Möglichkeit geben, die europäische Kultur und Musik vor Ort besser kennenzulernen. „Sie brauchen die Inspirationen für ihre Weiterentwicklung als angehende Pianisten oder Musiklehrer“, so der Moderator des Abends, Florian Koltun. Möglich gemacht hat dies das Projekt zwischen der in Aachen lebenden Pianistin und Musikpädagogin Xin Wang (Ehefrau von Florian Koltun) und Kulturmanager Max Krieger.

Den Anfang in Stolberg machte Jie He mit moderner Klaviermusik von Claude Debussy, dem Meister des musikalischen Impressionismus. Im Spiel der Elemente Wasser und Licht gestaltete sie das anspruchsvolle Stück „Reflets dans l’eau“ mit feinsinniger Sensibilität und mitreißender Virtuosität. Das „Allegro de concierto“, ein Paradestück des Katalaners Enrique Granados, erforderte viel technische Raffinesse, was für die junge Künstlerin jedoch keine Probleme darstellte.

Technische Fähigkeiten

Yuxuan Gao stellte sich zunächst mit dem „Walzer e-moll Nr. 14“ von Frédéric Chopin vor. Dessen Walzer verlangen dem Interpreten beträchtliche technische Fertigkeiten ab. Sie sind nicht für den Ballsaal geschrieben worden, weil sie meist zu schnell oder zu langsam waren, um getanzt zu werden. Stattdessen waren die kleinen Meisterwerke darauf angelegt, angenehm zu unterhalten.

Das tat der zehnährige chinesische Solist gleichfalls. Mit Leichtigkeit fing er die Eleganz und Nostalgie der damaligen Salonmusik ein und erhielt zurecht viel Beifall. Im zweiten Teil brachte er dann eine chinesische Komposition zu Gehör. In der Komposition „Gelbe Haut“ wurde die Entwicklung der Peking-Oper mit ihren unterschiedlichen Kunstformen wie Musik, Sprache, Spiel, Tanz und Masken verarbeitet.

Nun hatte der jüngste Nachwuchskünstler seinen Auftritt. Zuerst spielte Jiayan Gao, der mit fünf Jahren seinen ersten Klavierunterricht erhielt, ein Stück aus seinem Heimatland. Dann gab es russische Klavierschule. Aus den Jahreszeiten von Peter Iljitsch Tschaikowsky hatte er den „März“ ausgewählt, später in den Zugaben noch den „Mai“ und den „Februar“.

Virtuosität zeigte Ya Gao mit dem „Scherzo Nr. 3“ von Frédéric Chopin, dessen musikalische Sprache die Interpretin vollkommen verinnerlicht hatte. Shaoxuan Li hatte sich mit dem argentinischen Komponisten Alberto Ginastera auseinandergesetzt. Die „Sonate Nr. 1“ war ein nicht ganz leichtes Stück, aber sehr dynamisch, spannend und hoch interessant. Der angehende Musikwissenschaftler setzte mit den Rhythmen aus den argentinischen Tänzen einen fantastischen Glanzpunkt im Rittersaal.

Am Ende des Abends erklang noch einmal französische Klaviermusik von Claude Debussy. Das „Feux d’artifice“ ist der glanzvolle Ausklang seines „Préludes“-Werkes. Jiayan Gao spielte diesen Part mit Leuchtkraft und klanglicher Schönheit. Bravorufe und große Verneigung seitens des Publikums waren angebracht für diesen ganz besonderen Konzertabend, der bei freiem Eintritt wahrlich mehr Zuhörer verdient gehabt hätte.

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