Mit 81 Jahren täglich auf Müllstreife

Von: Ottmar Hansen
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Mit einem Greifer, den Gertrud Baues sich von der Bauhofkolonne der Stadt ausgeliehen hat, reinigt sie Blumenkübel und Gebüsch im gesamten Ortszentrum von Mausbach. Foto: O. Hansen
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Das Bild ist nicht gestellt: So sehen die Blumenkübel am Markusplatz öfter aus.

Stolberg. „Was hier überall für ein Dreck rum liegt, und keiner kümmert sich drum. Das regt mich einfach auf!“ Gertrud Baues kann es nicht mit ansehen, wenn gewissenlose Zeitgenossen ihre Heimat, den Stolberger Ortsteil Mausbach, mit Müll zudecken.

Fast täglich ist die 81-Jährige unterwegs, um rund um das Mausbacher Zentrum Abfall einzusammeln. „Die gute Seele von Mausbach“ wird sie inzwischen genannt.

Gertrud Baues wohnt seit 1998 in Mausbach. So nach und nach fiel ihr bei Erledigungsgängen durch den Ort auf, was Dreckfinken an manchen Ecken so alles hinterlassen. Sie alarmierte öfter den städtischen Bauhof. Die Bediensteten kamen auch raus, machten die Abfalleimer an den Bushaltestellen leer und waren dann wieder weg. Das bringe jedoch nur kurze Entlastung, so Gertrud Baues: „Eigentlich muss man hier jeden Tag auf Müllstreife gehen.“

Von einem Mitarbeiter der Stadt hat sie sich einen Greifer geliehen. Damit sie sich bei ihren Rückenschmerzen nicht immer bücken muss, um ein weggeworfenes Papiertaschentuch oder eine leere Coladose aufzuheben. „Das Ganze ist schon sehr anstrengend, doch den Müll liegen lassen, das kann ich einfach nicht.“ Bei den Rundgängen gibt es Schwerpunkte: Vor allem im Bereich der Kirche, des Markusplatzes und rund um die Schulen wird viel weggeworfen.

Ganze Müllsäcke voll sammelt Gertrud Baues hier fast täglich ein. „Da liegt Hundekot neben Slipeinlagen im Gebüsch – das ist schon ganz schön ekelig.“ Da packt die Dame mit ihrem Greifer geschmierte Schulbrote zwischen Büschen („Da hat noch nicht mal einer rein gebissen“) oder durchaus noch brauchbare Kleidungsstücke neben der Straße. Ganz zu schweigen von den vielen Zigarettenkippen, die überall achtlos zu Boden geworfen wurden. Gerade jetzt, in einem Winter ohne Schnee, fällt das sofort auf.

Am Jugendheim muss die rüstige Rentnerin an einem Tag gleich vier leere Pizzakartons aufheben. An der Kirche pinkelt ein Jugendlicher noch vor den Augen der Ehrenamtlerin gegen das geweihte Gemäuer. Gertrud Baues: „Als ich den jungen Mann auf sein Tun angesprochen habe, habe ich mir auch noch einen Stoß eingefangen.“

Die grauen und blauen Säcke mit dem eingesammelten Müll passen in keine übliche Tonne, deshalb bringt Baues sie zu den großen Sammelcontainern auf dem Friedhof. Manches „Fundstück“ ist aber auch für die 81-Jährige zu schwer: „Zuletzt habe ich eine alte Autofelge im Gebüsch entdeckt. Die konnte ich leider nicht ordnungsgemäß entsorgen.“

Die Kritik der fleißigen Helferin richtet sich aber auch gegen die blauen Mülleimer, die die Stadt überall aufgehängt hat: „Die sind viel zu klein, und vor allem die am Markusplatz sind deshalb ruckzuck voll. Auch das Einwurfloch ist viel zu klein.“ Gertrud Baues bekommt viel Zustimmung für ihren Einsatz im Ort. „Manch einer fragt mich aber auch, wie ich denn so verrückt sein kann, das zu machen.“

Wenn sich der Rücken allzu sehr meldet, bittet Gertrud Baues schon einmal eine jüngere Bekannte, ihr beim Transport der Müllsäcke zu helfen. Aber damit ist die Unterstützung im Ort dann auch schon beendet. „Die meisten Leute sagen, für die Müllentsorgung sei die Stadt zuständig. Und sehen dann über die Abfallberge hinweg.“ Die 81-Jährige hat früher in Weisweiler gewohnt. Aus der Nachbarstadt kennt sie noch ein anderes System: „Die Stadt Eschweiler war in 26 Bezirke aufgeteilt, in denen ehrenamtliche Ordnungshelfer mit angepackt haben, um ihre Umgebung von Müll zu befreien. Anders geht es hier in Stolberg auch nicht.“

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